Die Auswirkungen der Bildungskatastrophe

Screenshot vimeo.com

In der heutigen Zeit spielen für den Bildungserfolg, die soziale Herkunft und die richtigen Beziehungen eine entscheidendere Rolle, als beispielsweise intellektuelle Fähigkeiten. Dies schlägt sich mit einiger Zeitverzögerung, auch auf das wirtschaftliche-gesellschaftliche Leben nieder und ist somit mitnichten eine rein akademische Frage.

>>Zeit<<

„An deutschen Schulen entscheidet bis heute die soziale Herkunft über den Bildungserfolg. Worüber man bislang wenig wusste: Was in der Schule beginnt, setzt sich an der Uni dramatisch fort. Das zeigt der Hochschul-Bildungs-Report, eine neue Studie des Stifterverbands und der Unternehmensberatung McKinsey, die im Herbst erscheint. … In der Grundschule sitzen also eine Million Nichtakademikerkinder neben 200.000 Akademikerkindern – am Ende tragen aber 20.000 Akademikerkinder und nur 10.000 Nichtakademikerkinder pro Jahrgang einen Doktorhut.“

 

>>Spektrum.de<<

„Ein Kernergebnis hierzu ist: Zwar gibt es bereits bis zum Hochschulzugang enorm ungleiche Chancen von Nicht-Akademiker-Kindern im Verhältnis zu Akademiker-Kindern (die Relation beträgt etwa 1:3). Danach wird die soziale Selektion im Hochschulsystem aber nicht geringer. Bis zum Master steigt die Relation auf knapp 1:6, bis zum Doktortitel auf ca. 1:10.[1] Das heißt, von 100 Akademiker-Kindern erwerben durchschnittlich zehn den Doktortitel, von 100 Nicht-Akademiker-Kindern nur eines. … Mit dem Begriff ‚Leaky Pipeline‘ wird in der Wissenschaft der absinkende Anteil einer Personengruppe auf den verschiedenen Qualifizierungsstufen bezeichnet, der auf eine fortbestehende strukturelle Ungleichheit hinweist. … In der Grafik werden die Bildungschancen für je 100 Nicht-Akademiker-Kinder und Akademiker-Kinder für die dort genannten Jahre verglichen. Für die Nicht-Akademiker-Kinder wird gezeigt: Den Übergang zur Aufnahme eines ersten Studiums schaffen nur 21 Nicht-Akademiker-Kinder; mehrheitlich gehen sie ab und nehmen stattdessen z.B. eine berufliche Ausbildung auf. Von den Akademiker-Kindern nehmen hingegen durchschnittlich 74 ein erstes Studium auf. Im Hochschulsystem setzt sich die bereits beschriebene Tendenz fort: Die Quote der Nicht-Akademiker-Kinder, die vom Studienanfang bis zum erfolgreichen Bachelor-Abschluss dabei bleiben, liegt bei 70 Prozent und ist damit um 15 Prozentpunkte geringer als die Quote der Akademiker-Kinder mit 85 Prozent. Bis zum Master ist die Chancenungleichheit im Hochschulsystem dann noch einmal deutlich größer geworden, als sie ohnehin schon beim Verlassen des Schulsystems war.“

Sofern die geistigen Fähigkeiten nur eine untergeordnete Rolle spielen und dafür Beziehungen, sowie Herkunft das Maß aller Dinge sind: Dann kommen diese Tatsachen logischerweise auch in der realen Welt zum tragen.

>>Focus<<

„Darum ist die Bundeswehr schlecht ausgerüstet:An den Fregatten blätterte die Farbe ab … Dazu kamen Probleme 2012, als Thomas de Maizière (CDU) das Ministerium führte: Die Brandschutzbeschichtungen blätterten ab. Man hatte zwischen den einzelnen Farbanstrichen nicht genug Zeit für das Trocknen eingeplant. Das bedeutete einen Verzug von weiteren acht Monaten. Andere technische Probleme kamen hinzu, sodass die Fregatte „Baden-Württemberg“ frühestens im April 2017 zur Verfügung stehen dürfte. Ursprünglich waren rund zwei Milliarden Euro für die Schiffe vorgesehen. Mittlerweile sind rund sechs Prozent mehr zu veranschlagen. Darüber hinaus gibt es weitere Risikofaktoren, die das Gutachten aufzeigt. So könne unter anderem die Soft- und Hardware der komplexen IT-Systeme „beim späteren Betrieb der Fregatten nicht mehr den funktionalen und administrativen Anforderungen“ entsprechen. Auch sieht man die Gefahr, dass konstruktive Änderungen vorgenommen werden müssten „aufgrund unzureichend geklärter Aspekte hinsichtlich Auswahl und Integration des künftigen Bordhubschraubers“.

>>Handelsblatt<<

„Bereits am ersten regulären Betriebstag der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München hat sich ein ICE wegen eines technischen Problems stark verspätet. Der Zug musste deswegen am Sonntag in Nürnberg etwa 20 Minuten lang halten, durfte danach zwar weiterfahren – aber nicht auf der neuen Strecke, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärte. Es ist nicht die erste Panne, seit Eröffnung der neuen Bahn-Fernstrecke. Man habe sich dafür entschieden, den verspäteten ICE auf der alten Strecke weiterfahren zu lassen, um die Hochgeschwindigkeits-Route für nachfolgende Züge freizuhalten, sagte der Sprecher. … Ein ICE mit zahlreichen Ehrengäste und Journalisten an Bord musste bereits am Freitag auf dem Rückweg von Berlin nach München mehrmals anhalten. Der Zug hatte rund sechs Stunden für die Fahrt gebraucht.“

Die Liste der gescheiterten Prestigeprojekte ist lang und sicherlich enthalten sie genügend Stoff für mehrere Bücher.

>>Spiegel<<

„Wenige Ereignisse haben so nachhaltige Spuren im 20. Jahrhundert hinterlassen wie der Start des sowjetischen Satelliten „Sputnik“ („Weggefährte“) an diesem sonnigen Herbstfreitag. … So traf der Coup der Sowjets Amerika wie ein Hammerschlag. Die US-Öffentlichkeit reagierte mit Anzeichen von Panik: Die Zeitungen überschlugen sich in Warnungen und Anklagen. „Eine schwerwiegende Niederlage“, erkannte die „New York Herald-Tribune“, und der demokratische Senator Henry M. Jackson konstatierte einen „niederschmetternden Schlag gegen das Prestige der Vereinigten Staaten“. „Newsweek“ fragte: „Kann man Unterdrückern Ungarns mit diesem neuen Satelliten trauen, dessen Verwendungen kein Mensch ermessen kann?“ Die Wirkung des Sputnik-Schocks auf die amerikanische Politik und Gesellschaft war immens, auch jenseits aller Rhetorik.“

 

>>Fernuniversität in Hagen<<

„Einer der Gründe hierfür lag im Sputnikschock von 1957, der in vielen westlichen Ländern eine Hinwendung zu naturwissenschaftlichen Ausbildungszweigen sowie einer stärkeren Verwissenschaftlichung des Schulbetriebes insgesamt bewirkte. … Zuerst war es der Begründer der Bildungsökonomie in Deutschland, Friedrich Edding, der 1963 in seinem Buch „Ökonomie des Bildungswesens“ auf die Bedeutung von Investitionen im Bildungswesen als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg, Fortschritt und Wohlstand hinwies. … Ähnliche Forderungen, wenn auch andere Motive, hatte der Soziologe Ralf Dahrendorf, der 1965 mit seinem Buch „Bildung ist Bürgerrecht“ darauf aufmerksam machte, dass das im Grundgesetz vereinbarte Gleichheitsprinzip nicht eingehalten wurde und dass Kinder aus den unteren Schichten aufgrund eines ungerechten Bildungssystems systematisch benachteiligt wurden. Durch die schlechteren Bildungschancen hatten vor allem Landkinder, Arbeiterkinder und Mädchen somit kaum eine Chance auf einen höheren Bildungsabschluss. Er sprach sich gegen bildungsökonomische Rechtfertigungen für Reformen aus und verlangte eine aktive anstatt einer reaktive Bildungspolitik, dazu zählte vor allem eine umfassende Expansion des Bildungswesens. Bildung war für ihn die Voraussetzung für Demokratie und eine mündige Gesellschaft. … Ähnliche Forderungen, wenn auch andere Motive, hatte der Soziologe Ralf Dahrendorf, der 1965 mit seinem Buch „Bildung ist Bürgerrecht“ darauf aufmerksam machte, dass das im Grundgesetz vereinbarte Gleichheitsprinzip nicht eingehalten wurde und dass Kinder aus den unteren Schichten aufgrund eines ungerechten Bildungssystems systematisch benachteiligt wurden. Durch die schlechteren Bildungschancen hatten vor allem Landkinder, Arbeiterkinder und Mädchen somit kaum eine Chance auf einen höheren Bildungsabschluss. Er sprach sich gegen bildungsökonomische Rechtfertigungen für Reformen aus und verlangte eine aktive anstatt einer reaktive Bildungspolitik, dazu zählte vor allem eine umfassende Expansion des Bildungswesens. Bildung war für ihn die Voraussetzung für Demokratie und eine mündige Gesellschaft.“

Der Start des sowjetischen Satelliten Sputnik war deshalb zu jener Zeit so einschneidend, da weder die USA noch deren Verbündete in der Lage waren ebenfalls einen Satelliten in den Orbit zu schicken: Diese technologische-wissenschaftliche Unzulänglichkeit war unbestreitbar. Die Folge: Die zahlreichen Bildungsreformen in den frühen 1960er Jahren waren das unmittelbare Ergebnis des Sputnikschocks.

 

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