Die kulturelle Marginalisierung des Sorbsichen Volkes im öffentlichen Rundfunk

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Sorbisches Volk mit Sitz und Stimme im Rundfunkrat vertreten“ – So verkündet es stolz die Domowina auf ihrer Webseite: Tatsächlich ist aber nicht das Sorbisches Volk, sondern nur der eingetragene Verein Domowina im Rundfunkrat vertreten.

Öffentlicher Sorbischer Rundfunk: Die kulturelle Marginalisierung des Sorbsichen Volkes

Und die Handschrift der Domowina ist im Programm des Öffentlichen-Rundfunks überdeutlich zu erkennen: Die wenigen Sendeminuten zeichnen sich durch viel Folklore und wenige Sorbische Themen aus. Aber damit nicht genug: Mit so manchen Beitrag mischt sich in die inneren Sorbische Angelegenheit – zugunsten der Domowina – ein. Anders als die großen Letter es verkünden: Nicht jeder Sorbe ist mit der Rolle der Domwina und anderen staatsnahen Sorbischen Institutionen glücklich.

Posten im Rundfunkrat: „Krönung der vieljährigen Bemühungen von Domowina und Sorbenrat“

>>Domowina<<

„Sorbisches Volk mit Sitz und Stimme im Rundfunkrat vertreten – Appell an Landtage – „Rundfunkräte sollen gesellschaftliche Vielfalt wiederspiegeln und in diesem Sinne am Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mitwirken. Das sorbische Volk wird nach dem Willen der Ministerpräsidenten der drei MDR-Länder Sitz und Stimme im Rundfunkrat haben – das ist ein glücklicher Moment für uns und die Krönung der vieljährigen Bemühungen von Domowina und Sorbenrat.“

Warum nicht jeder Sorbe die Domowina im Rundfunkrat sehen will

Anders als diese Zeilen vielleicht andeuten mögen: Nicht das Sorbische Volk, sondern die Domowina ist im Rundfunkrat vertreten. In erster Linie nimmt dieser Verein seine eignen Interessen wahr, was sich leicht am Programm des Sorbischen Rundfunks – auch ohne Sorbische Sprachkenntnisse – erkennen lässt.

„Sandmänchen“ – Warum Sorbische Sagen- und Mythenwelt für Kinder untergeht?

>>Sächsische.de<<

„Derzeit sendet das MDR-Studio in Bautzen nach eigenen Angaben mit seinen mehr als 30 Beschäftigten täglich ein vierstündiges Frühprogramm auf Obersorbisch. Einmal im Monat läuft sonnabends das halbstündige Fernsehmagazin „Wuhladko“ („Ausblick“) mit Beiträgen aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Jeden Sonntag wünscht das „Sandmännchen“ den Kindern wahlweise auf Deutsch oder auf Sorbisch „Gute Nacht!“. Jeweils montags von 20.00 bis 22.00 Uhr ist das sorbische Radio- Jugendprogramm „Satkula“ zu hören.“

„Das „Sandmännchen“ den Kindern wahlweise auf Deutsch oder auf Sorbisch“

Angesichts der Milliarden an Rundfunkgebühren ist das Programm des Sorbischen Rundfunks eigentlich nur als ganz schlechter Witz anzusehen. Aber nicht nur die geringe Sendezeit, sondern vielmehr noch die Qualität lässt zu Wünschen übrig. Es wird hauptsächlich Folklore gesendet und das „Sandmännchen“ ist als gutes Beispiel anzusehen. Gerade für Kinder hat die Sorbische Sagen- und Mythenwelt viel zu bieten. Doch diese fällt weitestgehend hinten runter. Stattdessen muss die Synchronfassung des „Sandmännchens“ reichen. Die Sorben werden hierbei als merkwürdige Folklorevolk regelrecht vorgeführt.

Domowina gegen Sorben: „Wir Sorben wurden und werden vorgezeigt“

>>Leipziger Volkszeitung<<

„Galten die Sorben nicht offiziell als die Hätschelkinder der DDR?

Nur nach außen. Von den Sorben wurde in der DDR ein merkwürdiges Folklore-Bild produziert, das auch heute wieder Konjunktur hat. Wir Sorben wurden und werden vorgezeigt, wenn’s ums Bemalen von Ostereiern oder das Osterreiten geht. Immer wenn Ostern ist, werden wir als Folklorevolk präsentiert. Dass wir ein Kulturvolk sind mit einer Hochsprache seit der Reformation, das spielt kaum eine Rolle in der Öffentlichkeit.“

„Ein merkwürdiges Folklore-Bild produziert – Das auch heute wieder Konjunktur hat“

Das merkwürdige Folklore-Bild über die Sorben setzt sich in der Förderpolitik fort. Das Sorbisches National-Ensemble bietet fast ausschließlich Folklore an. Auch die öffentlich-bewilligten Kulturprogramme deuten in genau dieselbe Richtung hin. Folklore mag prinzipiell nicht ausschließlich Schlecht sein, allerdings wird bei so viel Einseitigkeit die Sorbische Kultur marginalisiert. Die Domowina ist in diesem Prozess als treibende Kraft ansehen: Der gegenwärtige Sorbische Rundfunk im Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk geht hauptsächlich auf ihr Wirken zurück, obwohl sie mit ihren rund 7.000 Vereinsmitgliedern keinesfalls für alle Sorben sprechen kann. Außerdem übt die Domowina im Rundfunkrat ihren Einfluss offensichtlich noch ganz anders aus.

„Ein Internetvideo sorgt für Aufregung unter den Sorben und Wenden in der Lausitz“

>>Staatsfunk „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ <<

„Ein Internetvideo sorgt für Aufregung unter den Sorben und Wenden in der Lausitz. Es kursiert seit Anfang Juni und ist ein Zusammenschnitt digitaler Sitzungen des Serbski Sejm, der sich selbst als sorbisch/wendische Volksvertretung bezeichnet. Es waren öffentliche Sitzungen, die jemand inkognito mitgeschnitten hat. Darin zeugen Redebeiträge von einem seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen dem sorbischen Dachverband Domowina und dem Serbski Sejm. Problematisch ist vor allem die Art und Weise der Kommunikation in den Sitzungen. Ein Mitglied des Sejms, Andreas Kluge, bezeichnet die Domowina unter anderem als „altstalinistische Terrororganisation“.

„Konflikt zwischen dem sorbischen Dachverband Domowina und dem Serbski Sejm“

Das Zitat „Altstalinistische Terrororganisation“ ist sogar als Überschrift im dazugehörigen Beitrag zu lesen. Ganz allgemein treten beim Vorfall doch sehr viele Merkwürdigkeiten auf. Ein Unbekannte fertigt von der Sitzungen des Serbski Sejm heimlich Mitschnitte an und derjenige macht sich dann noch die Mühe, verschiedene Zitate zu einen reißerischen Video zusammen zu schneiden.

„Altstalinistische Terrororganisation“ – Was steht im „Stasi-Handbuch“ unterm Kapitel Zersetzung geschrieben?

Dieser riesige Aufwand wird nur veranstaltet, um möglichst viel Schaden beim Serbski Sejm anzurichten. Diese Form der Diskreditierung kann man übrigens problemlos im „Stasi-Handbuch“ unterm Kapitel Zersetzung nachschlagen. Aber damit längst nicht genug: Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk tritt mit einem tendenziösen Beitrag noch mal nach. Bei so viel Einseitigkeit und Einmischung in innere Angelegenheiten des Sorbischen Volkes drängt sich die Frage auf: Was hat der Verein Domowina im Rundfunkrat überhaupt zu suchen? Zumal diese Verhaltensweise keinesfalls aus heiteren Himmel herunter fallen, sondern die Domowina kann auf eine bewegte Stasi-Vergangenheit zurückblicken. Schon zu DDR-Zeiten wurden die Sorben als Vorzeigeminderheit von der Domowina – mit Vorsatz – missbraucht.

Sorbenbild in der DDR: „Weil die Vorzeigeminderheit nur ein Propagandakonstrukt war“

>>Timo Meškank<<

„Weil die Vorzeigeminderheit nur ein Propagandakonstrukt war. Diese Minderheit innerhalb des Volkes – in der Domowina und den staatlich geförderten Institutionen – waren nicht die realen Sorben. Stattdessen lebten die meisten Sorben in ihrer christlich-ländlich geprägten Parallelgesellschaft. Im Sorbischen ist der Sozialismus wie auf dem Mars gelandet. Weil es nicht gelang, den Marxismus-Leninismus im Sorbischen zu verankern, zeigte sich das Regime verunsichert. Die Folge war die Überwachung von staatlicher Seite.“

„Domowina und den staatlich geförderten Institutionen – Waren nicht die realen Sorben“

In diesem Kontext betrachtet würde das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat „Altstalinistische Terrororganisation“ wesentlich mehr Sinn ergeben: Denn noch zu Lebzeiten von Josef Stalin haben sich Domowina-Vertreter mit dem Inlandsgeheimdienst der DDR gemeinsame Sache gemacht. Und die Stasi-Geheimdienstmethoden – mit hinterlistigen Tricks – ließen sich durchaus als Terror bezeichnen. Doch der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk hat weder das Zitat in den richtigen Kontext gesetzt, noch die bizarre Stasi-Vergangenheit der Domowina mal kritisch beleuchtet. Im Gegensatz zur restlichen ehemaligen DDR hat innerhalb der Domowina nie ein gesellschaftlichen Umbruch stattgefunden.

Domowina & Stasi: „Diese Personen haben alles getan, um sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen“

>>Timo Meškank<<

„Im Sorbischen hat es nach dem gesellschaftlichen Umbruch 1989/90 – anders als im Rest der DDR – keinen Elitenwechsel gegeben. In den meisten sorbischen Institutionen, wie zum Beispiel dem Sorbischen Institut, ist stattdessen eine personelle Kontinuität zu verzeichnen. Diese Personen haben alles getan, um sich nicht mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen, getreu dem Motto: Wir haben zwar in der SED-Diktatur gelebt, aber waren kein Teil von ihr.“

Domowina & Stasi: „Wir haben zwar in der SED-Diktatur gelebt, aber waren kein Teil von ihr“

Wir haben zwar in der SED-Diktatur gelebt, aber waren kein Teil von ihr.“ – Tatsächlich spiegeln 35.000 Blatt an Stasi-Akten – bei nur 60.000 Sorben – ein ganz anderes Bild wider. Die 35.000 Blatt an Stasi-Akten stellen mitnichten das Gesamtbild dar, sondern dieser Teil hat Timo Meškank im Zuge seine Recherche ausgewertet. Eine echte umfassende Aufarbeitung hat bis heute noch nicht stattgefunden. Alleine die Domowina – mit ihrer bizarren Stasi-Vergangenheit – in dem Rundfunkrat aufzunehmen, das stellte eine Spaltung des Sorbischen Volkes dar.

 

–W E R Β U Ν G–

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