„Die Mehrheit der Deutschen will nicht länger für öffentlich-rechtliches Fernsehen bezahlen“

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Ich glaube nicht, dass es in Deutschland eine Mehrheit dafür gäbe, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen.“ Das sagte >>Frank Überall<< und er arbeitet als freier Journalist für den Staatsfunk. Tatsächlich spricht sich aber eine überwältigende Mehrheit gegen den Staatsrundfunk aus. Die Aussage spiegelt jedoch zweifelsfrei das Grundverständnis der Staatssender gegenüber den Bürger wieder: In einen herablassenden belehrenden Ton, den mündigen Bürger erklären, was er gefälligst zu denken hat.

>>Focus<<

„Die Mehrheit der Deutschen will nicht länger für öffentlich-rechtliches Fernsehen bezahlen. Fast 70 Prozent sprechen sich in einer Umfrage gegen die Rundfunkgebühren aus. Sie halten sie für nicht mehr zeitgemäß.“

Ulrich Wilhelm einst Regierungssprecher und nun Rundfunkfunktionär beim Staatsfunk: Auf die sinngemäße Frage, dass es doch den Zuschauer egal sei, ob der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk oder ein privates Medium eine Sportberichterstattung ausstrahlt, sagt er Entlarvendes.

>>Ulrich Wilhelm<<

„Das ist nicht mein Eindruck. Die Zuschauer wollen neben der reinen Sportberichterstattung die fundierte, auch sportpolitische Vor- und Nachberichterstattung und die ausführliche Analyse von Moderator und Sportexperten. Das können Privatsender mit ihrem Finanzierungsmodell nicht. Wir nehmen uns die Zeit für eine umfassende Berichterstattung und verbinden Massensportarten und Randsportarten. RTL hat im Übrigen den Ausflug in den Wintersport Anfang der 2000er schnell wieder beendet, als die „Ski-Adler“ zwischendurch von der Erfolgsspur abkamen. … Das gilt auch und gerade für den Fußball. Die Zuschauer wollen gerade die Fußball-Nationalmannschaft bei uns. Der Fußball muss aufpassen, dass er die gesellschaftliche Bindung nicht verliert, wenn er wesentliche Inhalte ins Pay-TV vergibt. Das Erlebnis, ein Turnier in Gänze, einen Wettbewerb über die Saison hinweg verfolgen zu können, auch seine eigenen Favoriten dabei zu entdecken, die Dramaturgie eines Turniers erleben zu können, das machen wir möglich. Im Pay-TV oder in Spartenkanalangeboten bleibt dies der breiten Mehrheit verschlossen.“

Das Jahr 2000 liegt aber schon eine ganz weite Strecke zurück und seit dieser Zeit hat sich technologisch einiges getan: Das Zeitalter des Internets ist Allgegenwärtig und die Frage: Ob nun der Sender von Bertelsmann „RTL“ oder irgendein anderer Internetsender den „Ski-Adler“ überträgt, ist doch für den Zuschauer vollkommen trivial.

>>Horizont<<

„Die mediale Allgegenwart des Fußballs legt nahe, dass er von den Deutschen mit großem Interesse begleitet wird. Eine exklusiv für HORIZONT durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage liefert nun etwas andere Zahlen über das Fußball-Interesse der Deutschen. Demnach interessieren sich 42 Prozent der Bundesbürger überhaupt nicht für Fußball, weitere 34 Prozent bringen dem Fußball wenig Interesse entgegen. Stark interessiert sind nur 14 Prozent, 10 Prozent sind sehr stark von dem Thema begeistert. Am wenigsten präsent ist der Fußball bei den 14- bis 29-Jährigen, wo sich nur 17 Prozent stark oder sehr stark für die Sportart interessieren. Aber auch bei den 30- bis 44-jährigen gaben 78 Prozent an, dass sie nur wenig oder gar kein Interesse am vermeintlichen Lieblingssport der Deutschen haben. Seine größte Fanschar hat der Fußball hingegen bei den über 60-jährigen, von denen 30 Prozent das Geschehen mit starkem oder sehr starkem Interesse verfolgen.“

Der Fußball hat doch schon heute keine gesellschaftliche Bindung mehr, auch viele Frauen zeigen allgemein an Sport wenig Interesse. Jeder kann doch sehen, in die Stadien gehen fast ausschließlich Männer.

>>Wolfgang Herles<<

„Es werden nicht unbedingt die besten Journalisten befördert, sondern diejenigen, die am besten in das Konzept des Konformismus passen. Sie müssen sich vorstellen: Wenn ein Programm systematisch sein Publikum verblödet, schlägt dieser Verblödungsmechanismus irgendwann auf die Redaktion selbst zurück. Das intellektuelle Niveau der Redaktionskonferenzen sinkt in dem Maße, wie Sie die Qualität und den Anspruch des Programms senken. Das ist ein Mechanismus, dem sie gar nicht entkommen können.“

Aber eine interessante Formulierung wenden beide Protagonisten an: „Ich glaube …“ oder „Mein Eindruck“ – Keine Fakten! Nur eine durchsichtige Mischung aus Wunschdenken und Phantasie.

 

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