Die Renaissance der Kohle

Screenshot granulati.it

Der Ausstieg aus der Kohle ist letztendlich bei der derzeit verfügbaren Technologie ein Weg: Der ins Nirgendwo führt. Erneuerbaren Energien sind auf absehbare Zeit außer Stande die Grundlastversorgung zu decken. Diese Einsicht teilen auch viele Staaten, obwohl es hierzulande kaum thematisiert wird.

>>Süddeutsche Zeitung<<

“ Trump hat versprochen, den „War on Coal“ zu beenden, den Krieg gegen die Kohle. … Trump glaubt nicht an den Klimawandel, dafür aber an eine Renaissance der Kohle. „Macht euch bereit, denn ihr werden euch halb tot arbeiten“, hatte er Kohlearbeitern bei einer Wahlkampfveranstaltung in West Virginia zugerufen. Er glaubt, dass Jobs in die Minen seines Land zurückkehren, wenn er nur die Regeln zum Klimaschutz wieder rückgängig macht, die sein Vorgänger Barack Obama eingeführt hat.“

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 setzt – neben den USA – auch in „Atomland“ Japan ein zögerliches Umdenken ein – was die Energieversorgung angeht.

>>pressetext<<

„Japanische Ingenieure haben ein auf Kohle basierendes Hybridkraftwerk entwickelt, das mit 55 Prozent einen immens hohen Wirkungsgrad hat. Diese „CoolGen“ genannte Technik soll den im Vergleich zu Erdöl und Erdgas billigen Brennstoff umweltverträglicher nutzbar machen. … Die derzeit effektivsten Kohlekraftwerke kommen auf einen Wirkungsgrad von 45 Prozent. … Während in normalen Steinkohlekraftwerken bei der Verbrennung Temperaturen von knapp 700 Grad Celsius erreicht werden, beginnt der Prozess bei CoolGen mit einer Teilverbrennung der Kohle. Dazu wird reiner Sauerstoff in die Brennkammer geleitet. Die Temperatur erreicht so 1.300 Grad. Dann wird Wasser eingedüst, das sich mit dem verbleibenden Kohlenstoff verbindet. Es entsteht Synthesegas, ein Mix aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Die extreme Hitze erzeugt Wasserdampf, der einen Turbogenerator zur Stromerzeugung antreibt.  Das Synthesegas wird in seine Bestandteile zerlegt und die Wasserstoff-Fraktion in einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt. Das Kohlenmonoxid verbrennt, um zusätzlichen Dampf zu erzeugen. An der Entwicklung beteiligt sind diverse japanische Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Eine Demonstrationsanlage ist in Osakikamijima auf der kleinen japanischen Insel Ozaki-Kamizima in Betrieb. Sie soll 5.000 Stunden lang betrieben werden, um die Machbarkeit von CoolGen zu zeigen. In der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre könnten die ersten großen Kraftwerke gebaut werden. … Kraftwerke, die mit vergaster Kohle betrieben werden, sind bereits vor vielen Jahren gebaut worden, unter anderem von Siemens http://siemens.de . Das darin erzeugte Synthesegas wurde allerdings komplett verbrannt. Die 1994 im niederländischen Buggenum in Betrieb genommene Anlage erreichte 43 Prozent. Nach Hochrechnungen sollten 55 Prozent erzielbar sein.“

Das kanadische Unternehmen >>Carbon Engineering<< betreibt in Squamish in der Nähe von Vancouver ebenfalls eine Politanlage für Synthesegas zur Treibstoffgewinnung. Der strikte Kurs „Pro-Atomkraft“ wie in Frankreich oder Japan forciert: Bedeutet nicht nur eine stete Unsicherheit, was Atomunfälle angeht, sondern auch eine Abhängigkeit von den unverzichtbaren Brennelementen – wie beispielsweise Uran. Genauso wie bei Erdgas und Erdöl sind ergiebige Lagerstätten von jenen spaltbaren Material auf wenige Staaten begrenzt, was wiederum eine ganze Kaskade von negativen Konsequenzen nach sich zieht. Einer der Hauptgründe für dem Militäreinsatz der Franzosen in Mali, dürften die dortigen Uranminen sein. Saudi Arabien kann durch seine riesigen Erdöllagerstätten, den Weltmarktpreis für Erdöl direkt beeinflussen und somit politisch Druck ausüben. Gleichgültig ob von Uran, Erdöl oder Erdgas die Rede ist, man begibt sich immer in die Abhängigkeit von wenigen Ländern. Zu vernünftigen Kosten, sind erneuerbare Energien auf absehbare Zeit außerstande, eine Grundlastversorgung zu gewährleisten. Jedoch bei Kohle liegen die Dinge anders: Die verfügbaren Mengen des Rohstoffes übersteigen – um ein vielfaches – die bekannten Vorkommen von Erdöl, Erdgas oder Uran. Außerdem sind die Lagerstätten weltweit breiter verteilt und nicht – wie bei anderen Energieträgern – auf wenige Staaten konzentriert. Selbst wenn der Inselstaat Japan von Atomstrom auf Kohleenergie umsteigen würde, und all seine benötigte Kohle importieren müsste: Wäre die Auswahl an Länder, welche relevante Mengen liefern könnten um ein vielfaches größer als – wie es derzeit – bei den Brennelementen der Fall ist. Zwar verfügt das Land der aufgehenden Sonne im Allgemeinen nur über eine überschaubare Menge an Rohstoffvorkommen. Jedoch betreibt es mit der Mogami Kohlenmine aktiv selbst Bergbau, und noch größere Vorkommen sind auf der Insel Hokkaido vorhanden.

>>taz<<

„In ihrem drei Jahre alten Energieplan geht Japans Regierung für das Jahr 2030 davon aus, dass 26 Prozent des erzeugten Stroms aus der Kohleverbrennung stammen. … Auch die überwiegend aus Australien importierte Kohle ist billig, weil sie über Tage abgebaut wird. Die Stromversorger haben in den vergangenen zwei Jahren acht neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. Weitere 36 Anlagen sind für das nächste Jahrzehnt geplant. … Die Regierung rechtfertigt den Fokus auf Kohle mit neuen Technologien wie der ultra­superkritischen Verstromung. Dabei wird Wasserdampf durch hohen Druck auf über 600 Grad erhitzt, was den Wirkungsgrad steigert.“

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up