Die verdeckte Inflation: „Schauen alle in die Röhre“

Screenshot vimeo.com

Er­klä­rungs­an­sät­ze für die ge­rin­ge In­fla­ti­on im Nied­rig­zin­sum­feld: ei­ne Ana­ly­se für Deutsch­land … Eine ökonometrische Analyse zeigt, dass das Niedrigzinsumfeld zwar aufgrund positiver Nachfrageeffekte die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung erhöht hat. Jedoch hat dies bisher offensichtlich nicht ausgereicht, um einen stärkeren Preisauftrieb zu generieren.“ Neben den Er­klä­rungs­an­sät­zen des Bundesministerium der Finanzen, gibt es auch naheliegendere Gründe. Die Inflation wird einfach kleingerechnet.

>>Focus<<

„Die Kaufkraft wird in der EU mit dem harmonisierten Konsumentenpreisindex gemessen. Dafür erfasst das Statistische Bundesamt über 300.000 Einzelpreise von 600 Waren und Dienstleistungen. Mieten haben einen Anteil von 32 Prozent, Ausgaben für Verkehr von 13 Prozent. Ausgaben für Freizeit, Unterhaltung und Kultur fließen mit elf Prozent ein, Nahrungsmittel mit zehn Prozent usw. Der Index ist in Deutschland seit 1999 mit durchschnittlich 1,4 Prozent pro Jahr etwas weniger als die Löhne (1,7 Prozent) gestiegen. Das suggeriert, dass sich die Kaufkraft erhöht hat. Aber viele Güter sind gar nicht im Index vertreten. Ihre Preisentwicklung wird in der offiziellen Inflationsrate nicht erfasst. Beispiel Wohnimmobilien: Deren Preise sind seit 1999 im Schnitt um zwei Prozent pro Jahr gestiegen, in den sieben größten Städten seit 2005 sogar um 5,8. Für Aktien musste man seit 1999 pro Jahr durchschnittlich 7,7 Prozent mehr berappen. Auch öffentliche Güter wie Straßen, Bildung und Finanzmarktstabilität, deren Anteil am Verbrauch immerhin 45 Prozent beträgt (gemessen an der Staatsquote), bleiben in der Statistik unberücksichtigt. Dabei müssen die Bürger für diese öffentlichen Güter oft mehr bezahlen. So stieg beispielsweise der Preis des Neubaus der EZB-Zentrale in Frankfurt von 850 auf 1300 Millionen Euro. Der Berliner Flughafen BER wird statt ursprünglich zwei Milliarden Euro wohl mehr als sieben Milliarden Euro kosten. Insgesamt ist die Steuerlast der Bürger seit 1999 um durchschnittlich drei Prozent pro Jahr gestiegen, die gesamten Zahlungen an den Staat (einschließlich Sozialbeiträgen) um 2,6 Prozent. Ein zweiter Knackpunkt ist die Qualität. Während die Ämter bei Qualitätsverbesserungen (zum Beispiel bei Computern) die Preise nach unten korrigieren und so geringere Inflationsraten errechnen, setzen sie bei schlechterer Qualität die Preise nicht nach oben. Doch da der Preisdruck groß ist, nimmt bei vielen Gütern die Qualität ab. Einige ältere Bürger glauben, dass Obst und Gemüse nicht mehr so gut schmecken wie früher. Kinderspielzeug ist zunehmend aus Plastik statt aus Holz. Die Kleidung verschleißt schneller. Auch bei Dienstleistungen sinkt die Qualität. Die Hausmeister sind aus den Mietshäusern verschwunden. Bei Vapiano und Starbucks bedienen wir uns selbst. Möbelhäuser laden zur mühsamen Selbstmontage ein. Fahrkarten buchen wir selbst im Internet ohne Preisnachlass. In den Supermärkten werden Fleischtheken abgebaut. Verkaufspersonal ist vielerorts rar geworden. Dazu kommt eine wachsende Zahl an Staus und Staukilometern auf den Straßen. … Es fehlen Pfleger, Erzieher, Kita-Plätze – für ihre Steuern bekommen Bürger also weniger oder schlechtere Leistungen. Doch all das taucht in der offiziellen Messung der Kaufkraft nicht auf. Die Inflation ist also versteckt!“

 

>> Rettet unser Geld! Deutschland wird ausverkauft – Wie der Euro-Betrug unseren Wohlstand gefährdet von Hans-Olaf Henkel (Buch) <<

„Entweder akzeptiert man einen »Staatsbankrott« des überschuldeten Landes – oder man bekommt eine »gemeinschaftliche Inflation«. Bei Letzterem schauen alle in die Röhre, bei Ersterem allein die Gläubiger, die nur einen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Genau so wäre es im Fall Griechenland auch gewesen.“

Ein großer Teil der Inflation wird durch die Banken- und Staatsrettungsaktionen verursacht, die seit der Euro-Einführung so regelmäßig kommen, wie das Oster- oder Weihnachtsfest. Weil gleichzeitig eine Deflation existiert, fehlt den Bürgern das Geld in der Tasche, weshalb die Preise nicht einfach steigen können. Die Preissteigerungen erfolgen deshalb über diverse Umwege: Hersteller von Produkten reduzieren einfach Inhalt oder Rezeptur und halten dafür den Preis scheinbar stabil. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Inflation. Durch Massenfertigungen und steigende Produktivität müssten viele Produkte eigentlich preisgünstiger werden. Stattdessen wird dieser Effekt, meist von der Inflation einfach einkassiert, ohne dass die Bürger davon etwas mitbekommen.

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up