Dunkle Zeiten: „Journalismus eine der größten Entlassungswellen seit Jahren drohe“

Screenshot vimeo.com

Der klassische Journalismus steckt in einer Krise. Genauer gesagt in einer existenzgefährdenden Krise. Immer mehr Redaktionen werden zusammengelegt oder ganz geschlossen. Grund: Vielen Medien läuft die Kundschaft davon – in manchen Fällen sterben sie aus Altergründen auch einfach weg. Für die Misere, wurde auch ein etwas ungewöhnlicher „Feind“ scheinbar ausgemacht.

Ein Scheinproblem wird zur staatsbedrohenden Krise aufgeblasen

>>Europäisches Journalismus-Observatorium<<

„Angesichts dieses Aktionismus mag überraschen, dass bisher nur wenig empirische Evidenz für einen starken Einfluss von „Fake News“ spricht. Selbst im Falle der Trump-Wahl: Eine Studie der Ohio State University kam zwar zum Schluss, dass vor allem solche Wähler, die aus dem demokratischen in das republikanische Lager wechselten, Clinton-kritischen „Fake News“ Glauben schenkten. Eine umfangreiche Analyse der Stanford University zeigte jedoch, dass die Reichweite von „Fake News“ während des Wahlkampfs insgesamt sehr gering war – insbesondere im Vergleich zum Konsum harter Nachrichten. Auch eine Analyse rund um die letzten Bundestagswahlen 2018 unter dem Titel „Fakten statt Fakes“ konnte keinen maßgeblichen Einfluss von „Fake News“ feststellen. Ganz ähnlich eine Untersuchung des Reuters-Instituts über die Reichweite von Fake-News in Europa: In den französischen und italienischen Medienmärkten erreichten selbst die besucherstärksten Fake-News-Seiten im Netz maximal 3,5 Prozent der Bevölkerung.“

Ein Scheinproblem Namens „Fake News“ wird zur staatsbedrohenden Krise aufgeblasen. Aber die eigentliche Frage lautet: Was genau sollen den „Fake News“ eigentlich sein?

Selbst die Definition von sogenannten „Fake News“ ist unklar

>>Bundeszentrale für politische Bildung<<

„Fake-News setzt sich aus zwei Begriffen zusammen. „Fake“ heißt „gefälscht“ und „news“ heißt „Nachrichten“. Es sind also gefälschte Nachrichten. Mit reißerischen Schlagzeilen, gefälschten Bildern und Behauptungen werden so Lügen und Propaganda verbreitet.“

Viele Titelbilder in der heutigen Zeit sind ohnehin nur Beispielbilder und dienen mehr dazu, eine Sache auf den Punkt zu bringen. Außerdem wacht über allen das Urheberrecht, Datenschutzgrundverordnung und noch vieles mehr. Die Verwendung von „echten“ Bildern ist deshalb von vornherein schon als problematisch anzusehen. Gefälschte Beweisfotos, die tatsächlich eine Relevanz haben sind in Wahrheit sehr rar gesät.

„Reißerische Schlagzeilen“ sind per Definition Falschnachrichten

Es sind also gefälschte Nachrichten. Mit reißerischen Schlagzeilen, gefälschten Bildern und Behauptungen werden so Lügen und Propaganda verbreitet.“ Nun ja, „Propaganda“ und „reißerische Schlagzeilen“ müssen nicht zwingend aus gefälschten Nachrichten bestehen. Es sind Tendenzen den schwammigen Begriff „Fake News“ auf alles mögliche auszuweiten erkennbar. Und selbst der Begriff „gefälschten Nachrichten“ – oder anders gefragt: Was soll denn eine „echte Nachricht“ oder wahlweise die Wahrheit sein? Das klassische Beispiel ist dafür ein hypothetischer Autounfall mit vier unbeteiligten Zeugen, Ergebnis: Jeder dieser Zeugen erzählt dann seine „Version“ der Wahrheit. Ähnliches Ergebnis bei unscharfen Überwachungsvideos: Jeder will darauf etwas anderes gesehen haben.

Das fiktive Wahrheitsministerium wird sukzessive zur Realität

Schon der Autor George Orwell hat diesen Phänomen aufgegriffen und in einen seiner Roman als Wahrheitsministerium verarbeitet – verkürzt formuliert: Eine staatliche Behörde wacht darüber, was die „Wahrheit“ sei und diese ist auch nicht festgeschrieben, sondern ändert sich regelmäßig. Das Scheinproblem Namens „Fake News“ dürfte in „Wahrheit“ nur ein andere „Wahrheit“ übertünchen.

>>Hubert Burda Media<<

„Huff Post Deutschland wird eingestellt “

 

>>Welt<<

„Manchmal lebt ein Unternehmen in den Köpfen der Menschen weiter. So ein Beispiel ist die Ende 2012 vom Markt genommene „Financial Times Deutschland“, deren ehemalige Redakteure überall präsent sind.“

 

>>taz<<

„„Wir werden nicht in Schönheit sterben“ … Die Abonnements der gedruckten Ausgabe sinken seit Jahren konstant. Gleichzeitig nehmen die Kosten für den Vertrieb und den Druck zu – Faktoren, die die Zeitung nur bedingt beeinflussen kann. Zeit also, um sich auf ein hypothetisches – wenn auch nicht zwingendes – Ende der Papierausgabe vorzubereiten.“

Publikationen wandert ab und Redaktionen schließen 

Vornehm geht die Welt zugrunde – oder so ähnlich. Vielen Publikationen läuft schlicht die Leserschaft davon. Neben der kompletten Einstellung von Zeitungen, wurden zahlreiche Redaktionen zusammengelegt und wiederum andere, haben praktisch gar keine redaktionelle Heimat mehr. Dafür sollen angeblich die schlimmen „Fake News“ verantwortlich sein, jedoch bei genauer Betrachtung greift das Argument zu kurz: Einerseits, haben die etablierten Medien selber mit ein Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen. Anderseits, gelingt es ihnen immer schlechter, sich gegen andere Mitbewerber zu behaupten.

>>Meedia<<

„Abomodelle, die Umsatzverluste durch den marktübergreifenden Verfall der Werbepreise im Internet eigentlich aufhalten sollen, könnten laut den Prognosen des Reports an ihre Grenzen stoßen. Sie stehen zwar bei über der Hälfte der Befragten ganz vorne auf der Agenda – noch vor der Displaywerbung und Native Advertising. … Ein Großteil der Internet-Nutzer sei laut Reuters nicht bereit, für ein Abo einer einzigen Nachrichtenseite im Netz mehr auszugeben als für ein Netflix-Abo. … Das Problem sei so akut, dass dem Journalismus eine der größten Entlassungswellen seit Jahren drohe.“

Tatsächlich wurden Abo-Modelle auch schon wieder eingestellt. Auch findet man hinter den Bezahlschranken, recht selten eine inhaltliche Substanz.

 

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