Ende der konventionellen Landwirtschaft: Das patentierte Saatgut

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Zwar sind Patente auf Pflanzensorten formal verboten: Doch dieses Verbot wird über einen juristischen Kniff ausgehöhlt. Bestimmte Eigenschaften von Pflanzen lassen sich sehr wohl Patentieren.

Saatgut in der Hand weniger Konzerne

Fast nur große Konzerne melden Patente an: Denn diese Firmen sind nicht nur in der Lage den aufwendigen Patentierungsprozess durchzustehen, sondern zugleich auch ihre „Patentrechte“ juristisch durchzusetzen.

Teure Urheberrechtsklage: Wegen den selbstbezogenen Tomatenstrauch 

In letzter Konsequenz sind davon nicht nur Landwirte betroffen: Der selbstbezogene Tomatenstrauch im heimischen Garten könnte durchaus eine teure Urheberrechtsklage nach sich ziehen: Verunreinigtes Saatgut und darauf folgende Urheberrechtsklagen gehören andernorts bereits längst zum Alltag.

„Patent für die flavonolhaltige Tomate“ 

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„Professor Michael Stephan ist Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Marburg und beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Patenten. Der Schutz von Neuheiten sei zwar wichtig, sonst gebe es keine Innovationen, aber das Patent für die flavonolhaltige Tomate findet er problematisch: „Patente könnten in der konventionellen Züchtung zu Blockaden führen. Das heißt, Züchter hätten nicht mehr unbeschränkt Zugriff auf das Pflanzenmaterial, wie das früher beim Sortenschutz der Fall war. Und die Patentinhaber könnten sozusagen hier eine marktbeherrschende Stellung erhalten, weil Patente einfach einen viel breiteren Schutz entfalten und folgende Züchtungen blockieren können.“ Doch warum werden solche weitreichenden Patente überhaupt erteilt … ?“

„Patente könnten in der konventionellen Züchtung zu Blockaden führen“

Die Antwort darauf dürfte verhältnismäßig einfach sein: Die betreffenden Industrieverbände sind durch ihre Lobbyverbände im EU-Parlament omnipräsent.

Lobbyverbände im EU-Parlament

Grundsätzlich spricht nichts gegen neue und fortschrittliche Sorten. Moderne Pflanzensorten wachsen schneller, sind Resistenter und haben häufig sogar noch mehr Vitamine. Doch der Patentschutz auf Pflanzen wird – über kurz oder lang – zu Monopolen führen. Zudem stellt sich die Frage: Wie lange eine gewöhnliche Tomate noch frei angebaut und gezüchtet werden darf? Denn die Natur ist keineswegs so steril, wie Beamte des Patentamtes es sich allgemein vorstellen. Der Pollen einer Pflanze kann – bei günstigen Witterungsbedingungen – viele Kilometer weit fliegen. Außerdem können Insekten das Pollernmaterial forttragen. Zusätzlich fressen Tiere gerne Früchte und verschleppen dadurch die Pflanzensamen: Viele Samen überstehen nämlich dem Verdauungstrakt und bleiben somit keimfähig.

Warum der Patentschutz auf Pflanzenzu Monopolen führen wird?

Da Pflanzen normalerweise „keine Beine“ haben – haben sie sich ihre eignen Verbreitungsmethoden geschaffen. Für gewöhnlich wachsen die patentierten Pflanzen in keinen sterilen Labor, sondern draußen in der freien Natur oder in wenig geschützten Gewächshäusern. Somit kann es also leicht zu versehentlichen Einkreuzungen zwischen genfreien und genveränderten Pflanzen kommen und damit liegt eine klare Patentverletzung vor. Kurzum: Der private Tomatenanbau im heimischen Garten könnte also eine teure Urheberrechtsklage nach sich ziehen. Das es hierbei um keine akademische Schwarzmalerei handelt, zeigt das Beispiel USA: Wo schon länger gentechnische Sorten angebaut werden.

„Rechte und Gewohnheiten in der Landwirtschaft werden insbesondere durch deren Patentschutz für illegal erklärt“

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„Über die Situation der nordamerikanischen Bauern und ihren Alltag ist bei uns so gut wie nichts zu lesen. Dabei hat die Einführung der gentechnischen Saaten … die Landwirtschaft in den USA tief greifend verändert. Alte Rechte und Gewohnheiten in der Landwirtschaft werden insbesondere durch deren Patentschutz für illegal erklärt und verboten. … Die Bilanz und das Ausmaß der juristischen Verfolgung ist erschreckend: Bis Anfang 2004 hat Monsanto über 90 Klagen eingereicht.“

„Bilanz und das Ausmaß der juristischen Verfolgung ist erschreckend“

Von der Wahlfreiheit zwischen gentechnisch-veränderten und gentechnischen-freien Saatgut kann bei vielen Landwirten keine Rede mehr sein. Schon alleine um das Risiko eine teuren Klage zu entgehen, greifen viele – gezwungenermaßen – auf gentechnische Sorten zurück. Damit geht faktisch ein schleichendes Verbot von konventionellen Pflanzensorten einher.

 

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