Eritrea: 27 Christen aus jahrelanger Haft entlassen

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Hunderte weiterhin in Gefängnissen / Trauma durch die Haftzeit

Die eritreische Regierung hat einem BBC-Bericht zufolge Anfang September 27 Gefangene gegen Kaution freigelassen. Sie waren zuvor jahrelang wegen ihres christlichen Glaubens inhaftiert gewesen.

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Von Open Doors

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Die Folgen ihrer Haftzeit machen ehemaligen Häftlingen eine Rückkehr ins normale Leben denkbar schwer, wie das Beispiel des Christen Shiden* zeigt.

Menschenunwürdige Haftbedingungen

Die 19 Männer und acht Frauen durften das Mai-Serwa-Gefängnis in der Nähe der eritreischen Hauptstadt Asmara am 4. und 8. September verlassen. Während einige Berichte ihre Freilassung in Verbindung mit Covid-19 bringen, konnten lokale Kontakte von Open Doors dies nicht bestätigen. Die 27 Christen gehören evangelikalen und Pfingstkirchen an und waren ohne Gerichtsverfahren zu Haftstrafen zwischen vier und 16 Jahren verurteilt worden.

Es ist fast unmöglich zu ermitteln, wie viele Gefangene in Eritrea derzeit aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen festgehalten werden. Hierzu existieren keine offiziellen Statistiken, und die Häftlinge werden nie angeklagt. Lokalen Quellen zufolge verbüßen Hunderte wegen ihres Glaubens langjährige Haftstrafen, Tausende weitere werden in Wellen für kürzere Zeiträume inhaftiert; die Haftbedingungen sind dabei oftmals menschenunwürdig. Im vergangenen Jahr berichtete Open Doors von einer Verhaftungswelle, bei der die Festgenommenen in unterirdischen Tunneln gefangen gehalten wurden. Häufig dienen auch Schiffscontainer als Gefängniszellen.

Leiden auch nach der Entlassung

2017 wurde Shiden* nach über zehnjähriger Haftzeit entlassen. Er ist heute Mitte 30 und fand als Teenager zum Glauben an Christus. Mit Anfang 20 wurde er bei geheimen Gottesdiensten erwischt und mit etwa 40 anderen Christen verhaftet. Shiden verbrachte mehr als ein Jahrzehnt in verschiedenen Gefängnissen, bevor er schließlich ohne jede Erklärung freigelassen wurde. Seine Mutter berichtet, dass ihr Sohn völlig abgemagert nach Hause zurückgekehrt sei. „Er stotterte, wenn er sprach, und hatte immer wieder mit starken Depressionen zu kämpfen.“ Sein Bruder John* ergänzt: „Wir mussten ihn ständig beobachten, auch nachts, um sicherzustellen, dass er sich nichts antut.“

„Die Gebete haben viel bewirkt“

Mittlerweile geht es Shiden besser. John berichtet: „In letzter Zeit ermutigt er mich oft, indem er mich an die Väter des Glaubens in Hebräer 11 erinnert. Er sagt: ‚Ich will dem Herrn dienen, bis ich sterbe; ich will auch ein Held des Glaubens sein und eines Tages in der Zukunft die Krone der Gerechtigkeit empfangen, die mir der Herr an jenem Tag verleihen wird.‘ Die Gebete haben viel bewirkt“, schließt John. „Bitte betet weiter für ihn: Ich glaube, Gott wird Shiden weiterhin helfen.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Eritrea an 6. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name geändert

 

–W E R Β U Ν G–

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