Falsche Etikettierung: Wohin wirklich Agrarsubventionen fließen

Screenshot vimeo.com

Agrarsubventionen fließen in die Landwirtschaft? Zum Teil ist es richtig, aber das meiste Geld landet auf ganz anderen Konten. Neben weltweit agierenden Lebensmittelkonzernen profitieren auch Ämter und Behörden von den Geldsegen, obwohl sie diese Subventionen sogar öffentlichkeitswirksam Kritisieren.

>>Umweltbundesamt<<

„Zugleich hat die Bundesregierung jedoch auch neue umweltschädliche Subventionen eingeführt oder bereits bestehende umweltschädliche Subventionen ausgeweitet. Dies betrifft z.B. die Steuervergütung für Agrardiesel, die Energiesteuerbegünstigung von Arbeitsmaschinen und Fahrzeugen, die ausschließlich dem Güterumschlag in Seehäfen dienen und die Zuschüsse an stromintensive Unternehmen zum Ausgleich emissionshandelsbedingter Strompreiserhöhungen. Ein systematischer Abbau umweltschädlicher Subventionen ist daher in den letzten Jahren nicht zu erkennen.“

Im Allgemeinen fällt es schwer zu glauben, dass das Umweltbundesamt eine Behörde und keine Vereinigung extremistischer Umweltschützer sei. Auch die beklagten Subventionen existieren in Wirklichkeit nur in der Phantasie des Ministeriums: Der Kauf von Strom und Diesel wird nirgendwo in Deutschland subventioniert. Allenfalls können einige Unternehmen steuervergünstigte Energie kaufen. Unter diese Regelung fallen auch Binnenschiffe, aber dazu schweigt sich das Ministerium dann doch lieber aus.

>>top agrar online<<

„Neun der größten deutschen Empfänger von EU-Agrarmitteln 2017 sind in öffentlicher Hand. Darunter sind Ministerien, Umweltämter und eine Naturschutzstiftung. Sie erhalten Geld vor allem für Hochwasser- und Küstenschutz, ländliche Entwicklung und Naturschutz. Das zeigt eine aktuelle Auflistung von Spiegel und NDR auf Basis der Daten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Landwirte erhalten etwa Direktzahlungen aus dem EGFL und auch Zahlungen aus dem ELER. Staatliche Stellen erhalten vor allem Geld aus dem ELER-Topf, weil sie Umweltschutzmaßnahmen und Strukturpolitik umsetzen.“

 

>>Spiegel<<

„Nach Recherchen der „Initiative für Transparenz bei EU-Agrarsubventionen“, zu der Umwelt-, Entwicklungshilfe- und Landwirtschaftsorganisationen gehören, erhielt zum Beispiel im Wirtschaftsjahr 2005 Deutschlands größter Fleischvermarkter, Vion in Düsseldorf, für Rindfleisch-Exporte 6,7 Millionen Euro aus Brüsseler Töpfen, der Bayer-Konzern bekam mehr als drei Millionen Euro für die Zuckerverarbeitung, und die Firma Cerestar in Krefeld, deren Mutterkonzern Cargill weltweit zu den Top Drei der Lebensmittelbranche gehört, erhielt zwei Millionen Euro für Getreide-Exporte. Einer der größten Profiteure ist Nestlé: Der Schweizer Nahrungs-Multi hat 2005 mindestens 48 Millionen Euro über europäische Töchter kassiert. „Steuergelder gehen an wettbewerbsfähige Konzerne, deren Dumping-Exporte Millionen von Kleinbauern weltweit in die Armut abdrängen“, kritisiert Marita Wiggerthale von der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam.“

Agrarsubventionen: Statt kleinen Bauernhöfen finanziell unter die Arme zu greifen, landet die Masse der Beihilfen auf den Konten von internationalen Konglomeraten, Ministerien, Umweltämtern und eine Naturschutzstiftungen. Kleinbauern werden von Markt gedrängt und ohnehin schon große Konzerne können ihre Marktmacht noch weiter ausbauen.

 

Werbung

Loading...
Bild: nordvpn.com
Scroll Up