Feuer im Tagebau Reichwalde

Screenshot leag.de

Ein unkontrolliertes Feuer hat im Braunkohletagebau Reichwalde große Schäden angerichtet. Für Anwohner des Tagebaus führte der Brand zu einer Rauchbelästigung.

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In den letzten Tagen hielt ein Brand im Tagebau Reichwalde die LEAG und Freiwillige Feuerwehren aus Brandenburg und Sachsen in Atem. Was war passiert? Wir sprachen mit dem stellvertetenden Leiter der LEAG Werkfeuerwehr, Ralf Geracik. Am Mittwochnachmittag hatte sich im Tagebau Reichwalde auf der Arbeitsebene der Kohleförderung auf einer Fläche von zehn mal zehn Meter ein zunächst kleiner Brand entzündet. Die Werkfeuerwehr der LEAG war sofort vor Ort. „Gemeldet wurde uns gegen 14 Uhr ein Brand in der Größe von zehn mal zehn Metern. Doch unsere Wachabteilungsleitung in der Feuerwache Boxberg hat nach Eintreffen vor Ort gleich weitere Kräfte und Mittel angefordert“, erzählt Ralf Geracik. „Ich selbst war privat in Dresden. Auf der Fahrt nach Reichwalde habe ich schon den Funkverkehr abgehört. Als ich gegen 19 Uhr an der Einsatzstelle angekommen bin, war mein erster Eindruck vom Brand: erschreckend. Unser Werkfeuerwehrleiter Hartmut Bastisch hatte die Einsatzleitung übernommen. Er hatte vier Einsatzabschnitte gebildet und den Hubschrauber der Bundeswehr angefordert. Durch den Wind, der teilweise mit Stärke Acht heftig war, hatte sich der Brand auf eine Brandfläche von 800 mal 50 Meter und nach kurzer Zeit über 1000 Meter ausgedehnt.“

Stürmische Böen fegen durch die Grube

Die stürmischen Böen fachten den Brand weiter an. Später war das Kohleflöz auf einer Länge von 2000 Metern betroffen. Schließlich griff das Feuer auch auf die Bandanlage zum Transport der Kohle über. Die Werkfeuerwehr der LEAG sowie weitere rund 30 Feuerwehren waren mit mehr als 200 Einsatzkräften zu diesem Zeitpunkt vor Ort im Einsatz. Die dichten Rauchschwaden alarmierten die Bevölkerung und die Medien. Die aufsteigenden Rauchschwaden sind in einer Entfernung von 500 Metern durch die Verdünnung mit normaler Luft nicht mehr gesundheitsschädlich, dennoch geht aufgrund der Rauchbelästigung der Rat an die Anwohner, Türen und Fenster geschlossen zu halten. In den Abendstunden konnte der Brand zunächst eingedämmt werden. Geracik: „Gegen 23 Uhr war der Brand weitestgehend unter Kontrolle. In den Nachtstunden erfolgten die Löscharbeiten durch die Werkfeuerwehr. Die kommunalen Wehren konnten aus dem Einsatz ausgelöst werden.“ Die Nacht blieb ruhig. Doch der am Donnerstagvormittag erneut aufkommende starke Wind fachte die Glutnester erneut an.

Teamwork vor Ort

„Wir hatten großflächig Brandherde. Wir haben einen Hubschrauber der Bundespolizei angefordert, der einen Kollegen am Kraftwerk Boxberg vom Hubschrauberlandeplatz aufnahm. Er war den Abend zuvor schon vor Ort und konnte koordinieren, wo der Hubschrauber das Wasser abzuwerfen hat.“ Auch der Hubschrauber der Bundeswehr, ebenfalls mit einem Werkfeuerwehrmann an Bord, blieb im Einsatz. Pro Flug wurden bis zu 5.000 Liter Wasser über dem Kohleflöz verteilt. Das kühlte und löschte zugleich. Des Weiteren unterstützten zwölf Freiwillige Feuerwehren die Werkfeuerwehr. „Die Zusammenarbeit hat super funktioniert“, schildert Geracik. „Wir hatten am ersten Tag bis zu 240 Einsatzkräfte vor Ort, am zweiten waren es mehr als 60. Auch die Kollegen aus dem Bergbau haben uns mit Technik und Ausrüstung unterstützt. Das war ein sehr gutes Zusammenspiel. Da kann man sich drauf verlassen.“ Am Ende stand die Hoffnung, den Brand endgültig im Griff zu haben. Ein Übergreifen auf noch intakte Teile der Bandanlage oder eine in der Nähe liegende Antriebsstation konnte verhindert werden. Übernacht blieben die Wehren im Einsatz, um Glutnester zu bekämpfen. Der Brand konnte am Freitag auf eine Länge von rund 500 Meter eingegrenzt werden. Mit den Bergleuten vor Ort wurde parallel über weitere Maßnahmen beraten. Bald stand fest: die Förderbrücke F60 soll unterstützen. „Am ersten Tag drehte sich alles um den Schutz, vor allem der nicht betroffenen Bereiche. Am zweiten Tag hatten wir einen besseren Überblick. Der Einsatz der F60 ermöglichte es, gewisse Bereiche des Brandes abzudecken.“

Brandwache rund um die Uhr

Abraummassen wurden über dem betroffenen Teil des Kohleflözes abgeschüttet. Am Samstag haben sechs Planierraupen weitere Erdmassen auf die Glutnester geschoben, um die Flammen zu ersticken. Die Maßnahmen zeigten schnell den gewünschten Erfolg, so dass am Sonntag keine Brandherde mehr an der Oberfläche zu sehen waren, also kein Qualm mehr aufstieg. „Wir haben im Tagebau eine automatische Brandüberwachung“, erzählt Geracik. „Die Kamera läuft in unserer Feuerwache in Boxberg auf. Anhand der Temperaturanzeige können wir sehen, in wie weit Glutherde vorhanden sind. Am Donnerstag und Freitag war der komplette Bereich noch rot eingefärbt. Sonntag früh habe ich auf die Kamera geguckt und keinen roten Punkt mehr entdeckt. Das war ein gutes Gefühl.“ Am Sonntag begannen die Bergleute bereits mit dem Abbauen einzelner Segmente aus der abgebrannten Bandanlage. „Seit Sonntag sind wir als Werkfeuerwehr alleine vor Ort, ohne Unterstützung anderer Wehren“, so Geracik. Die Kollegen sind in drei Schichten mit 5 Fahrzeugen vor Ort. Eine Ruhepause ist noch nicht in Sicht. Auch am Tag der Arbeit, während andere Feiern, herrschte im Tagebau Reichwalde reger Betrieb. Bereits in der kommenden Woche soll die Bandanlage wieder betriebsbereit sein. Der Brand im Tagebau Reichwald wird noch länger nachwirken.

 

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