Freiwillige Feurwehr: Das moderne Himmelfahrtskommando

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Notruf – Acht Minuten: Danach soll die Feuerwehr eigentlich vor Ort sein. Jedoch den freiwilligen Brandschützern, fällt es immer schwerer, das Gesetz einzuhalten. Das hat Folgen: Besonders auf dem flachen Land, wo es keine Berufsfeuerwehr gibt. Dabei sind die Probleme hausgemacht: Wie Staat sich aus seiner Verantwortung stiehlt.

>>Lausitzer Rundschau<<

„Dabei hat die Feuerwehr ein Problem. „Seit Mitte der 90er-Jahre bewegt sich unserer Mitgliederzahl konstant nach unten“, weist Wehrführer Rico Nowka hin. Während es im Jahr 1995 noch 143 aktive Mitglieder gab, geht heute bei einem Brand nur noch bei 80 Kameraden der Pieper los. „Nicht im aktiven Dienst sind außerdem 20 Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung sowie 41 Mitglieder der Jugendabteilung“, sagt Rico Nowka. „Es gab Jahre, da haben wir bis zu acht aktive Kameraden verloren.“ … In der Gemeinde Schenkendöbern bewegt sich die Mitgliederzahl auf einem relativ konstanten Niveau. „Aber im Vergleich zu vor fünf Jahren, sind heute deutlich mehr Mitglieder in der Ehrenabteilung“, sagt Jörg Fischer. Er ist der Hauptbrandmeister für die Feuerwehren Taubendorf, Groß Gastrose, Kerkwitz, Atterwasch und Grabko. Insgesamt verfügt die Gemeinde über 488 Kameraden: 226 im aktiven Dienst, 46 in der Jugendabteilung und 216 in der Ehrenabteilung. „Durch unser Rendezvous-Prinzip, bei dem mehrere Ortsteile alarmiert werden, sind wir am Einsatzort einsatzfähig“, so Fischer. Neue Mitglieder werden auch in Schenkendöbern gebraucht. „Die meisten Kameraden arbeiten außerhalb, daher hilft jeder Feuerwehrmann mehr, die Einsätze besser abzudecken“, so Fischer. … Obwohl sich die Gubener Feuerwehr stark um die Jugend bemüht, könne Nowka die Ruheständler nicht durch die Nachwuchsfeuerwehr auffüllen. „Viele Jugendliche ziehen zum Studium oder für die Lehre weg und nur wenige kommen wieder“, weiß der Lebensretter.“

Hier kommen auch ganz andere Probleme zum Tragen: Da viel verarbeitende Industrie zerstört wurde, sind viele Menschen abgewandert. Durch den Wegfall von Arbeitsplätzen, wurde Vielerorts in der Lausitz das soziale Gefüge in den Ortschaften auseinandergerissen.  Einige Weggezogene unterhalten – aus unterschiedlichen Gründen – formal noch einen Wohnsitz, in einer Gemeinde der Lausitz. Stehen demzufolge der Freiwilligen Feuerwehr, nicht zur Verfügung. Im Gegensatz zu anderen Vereinen, ist der Beruf(ung) des Feuerwehrmanns, keineswegs ohne Risiko.

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Aus den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg: Vor allem in Oranienburg und Potsdam liegt viel Munition im Boden. An der Oder-Neiße-Linie und südlich von Berlin, wo die Front zwischen Sowjetunion und Wehrmacht verlief, liegt zudem noch Artillerie- und Infanterie-Munition. Also genau dort, wo jetzt der Wald brennt. Betroffen sind in diesem Gebiet außerdem die ehemaligen Militärarsenale Forst Zinna und der Truppenübungsplatz Jüterbog, wo Munitionsreste aus NS-Zeit und DDR liegen.“

Screenshot nordkurier.de

Neben den klassischen Gefahren, die der Feuerwehrberuf so mit sich bringt. Lauern bei jeden Waldbrand, noch scharfe Blindgänger im Boden. Besonders die Splitterwirkung dieser Granaten ist nicht zu unterschätzen und kann potentiell tödlich sein. Ein harmlosen Schwelbrand im Wald, kann so schnell zu einen Himmelfahrtskommando mutieren. Für die Beseitigung von Weltkriegsmunition, ist eigentlich der Bund zuständig: Nur dieser tut auf diesen Gebiet, so gut wie gar nichts. Nur wenn ein Blindgänger zufällig gefunden wird, rücken die Sprengmeister aus. Eine systematische Beseitigung, der kontaminierten Flächen findet praktisch nicht statt, obwohl die Schwerpunkte sehr wohl bekannt sind. Neben alten Weltkriegsschrott, kommen noch neuzeitliche Gefahrenquellen hinzu. Elektroautos stellen eine potentiell lebensgefährliche Gefahr bei Unfällen da. Die übergroße Batterie gibt eine potentiell tödliche Ladung ab, die Rettungs– und Bergungsarbeiten fast verunmöglichen. Auch Löschen ist nur unter schwierigen Bedingungen möglich, obwohl die Brände bei diesen Fahrzeugen, viel stärken – wegen der Batterie – ausfallen. Selbst die genau Identifikation des Fahrzeugtyps, bei einen deformierten brennenden Fahrzeug ist schwierig, bis unmöglich. Solche Fragen entscheiden dann, über Leben und Tod. Zu allen Überfluss bieten einige Hersteller, die selben Fahrzeuge, einmal als Elektromobil und ein andermal mit konventionellen Antrieb an. Nur ein kleines Kürzel am Heck – sofern vorhanden – verrät, deren genaues Innenleben. Anderes Thema: Die modernen Schaumstoffisolierungen bei Häusern neigen dazu, als unkontrollierter Brandbeschleuniger zu wirken. Manchmal sind noch zu allen Überfluss Photovoltaikanlagen verbaut, die bei Feuer – in ihren letzten Atemzügen – noch mal so richtig Strom liefern und das Löschen mit Wasser, zur tödlichen Angeleinheit geraten lassen.

>>Der Tagesspiegel<<

„Die Klage eines Feuerwehrmannes auf Schadenersatz und Schmerzensgeld, die erste Zivilklage zu der Katastrophe vor fünf Jahren, wurde vom Landgericht Duisburg als unbegründet abgewiesen. Der Grund: Es habe ein typisches Berufsrisiko vorgelegen. Zudem zähle der 53 Jahre alte Feuerwehrmann nicht zu den unmittelbar Geschädigten. Anzeige Anzeige Für das Gericht war es eindeutig, dass nur der unmittelbar Verletzte Ansprüche habe, nicht aber derjenige, der die Verletzung oder den Tod anderer lediglich miterlebe, heißt es in der Begründung des Urteils. Insbesondere habe der Feuerwehrmann nicht die Verletzung oder den Tod naher Angehöriger erleben müssen, so das Gericht. Gerade für Rettungskräfte gehöre es zum Beruf, im Rahmen von Einsätzen mit dramatischen Ereignissen konfrontiert zu werden.“

Das Urteil ist deswegen Entscheidend: Das Gericht stellt süffisant fest, die weit verbreitete Posttraumatische Belastungsstörung, gehört zum gewöhnlichen Berufsrisiko. Viele Veteranen der Bundeswehr, können davon, ebenso ein Liedchen singen. Selbstverständlich: Auf freiwilliger Basis verpflichten ist leicht. Sollte dann – widererwarten – etwas passieren, steht man als Einzelkämpfer, einen riesigen staatlichen Behördenapparat gegenüber. Auch ansonsten zeigt sich Ämter für gewöhnlich von ihrer unschönen Seite. Kaum verwunderlich, weshalb Bundeswehr und Feuerwehr die Freiwilligen ausgehen. Hinzu kommt: Es mutet angesichts der hohen Abgaben-,  Gebühren- und Steuerlast schon reichlich befremdlich an, weshalb der Staat auf eine Freiwillige Feuerwehr angewiesen sein soll.

 

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