Fundmunition: Wenn vermeintlicher Schrott auf den Acker explodiert

Screenshot youtube.com

Immer wieder tauchen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen in der Lausitz explosive Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit auf. Betroffen sind aber auch andere Gebiete. Die Frage, die sich bei vielen Bürgern stellt: Warum wurden die kontaminierten Flächen nicht längst geräumt? Die Antwort darauf, lässt in tiefe bürokratische Abgründe blicken.

>>Stadt Senftenberg<<

„Immer wieder wird über gefundene Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg in unserer Region berichtet. … Als Kampfmittel werden gewahrsamlos gewordene zur Kriegsführung bestimmte oder ehemals bestimmte Munition oder Munitionsteile (insbesondere Gewehrpatronen, Granaten, Bomben, Minen, Zünder, Spreng- und Zündmittel), bei denen nicht ausgeschlossen ist, dass sie

  • Explosivstoffe oder Rückstände dieser Stoffe enthalten oder aus Explosivstoffen oder deren Rückstände bestehen oder
  • Kampfstoffe, Nebelstoffe, Brandstoffe, Reizstoffe oder Rückstände oder Zerfallsprodukte dieser Stoffe enthalten,

bezeichnet (Definition Kampfmittelverordnung für das Land Brandenburg).

Die gefundenen Munitionsstücke sind vom Laien oftmals nicht auf den ersten Blick zu erkennen, da diese mit Rost und Erde verkrustet sind. Häufig werden diese Blindgänger/ Bomben daher für normalen Schrott gehalten. Durch Unkenntnis, Neugier und Unterschätzung der Wirkung passieren immer wieder Unfälle, die im schlimmsten Fall tödlich enden können.“

 

>>Freiwillige Feuerwehr Klein Gaglow<<

„Bei Bauarbeiten wurde eine Mörsergranate freigelegt. Die Polizei errichtete bereits einen Sperrkreis. Dieser wurde von den Wehren aus Hänchen und Klein Gaglow bis zum Eintreffen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes überwacht. Mit Abtransport der Munition durch die Spezialkraft konnte auch der Einsatz beendet werden und betroffenden Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren.“

Der Zweite Weltkrieg liegt gewiss schon länger zurück, aber die Bomben, Granaten und Explosivstoffe dieser Zeit, sind deswegen keineswegs ungefährlicher, sondern in der Regel noch viel gefährlicher geworden. Die Zünder sind in der Regel noch funktionstüchtig, lassen sich aber immer schwerer entfernen. Gefährlich: Die lange Zeit im Boden, lassen viele Bomben von außen immer Unkenntlicher erscheinen. Außerdem gab schon zu Zeiten des Zweite Weltkriegs, gefühlt zahllose Typen von Kampfmittel. Um es noch kompliziert zu machen: Hinzu kommen zahlreiche Sonder- und Spezialentwicklungen von Bomben und Granaten. Zu allen Überfluss, hatten manche Fliegerbomben einen Langzeitzünder, der beispielsweise durch Erschütterungen – selbst noch heute – wieder in Betrieb gehen kann. Neben den Deutschen Truppen, setzte die Sowjetunion wiederum eigene Munitionstypen ein und die westlichen Alliierten hatten wieder ganz andere Typen. Im Allgemeinen gibt es nicht „Die klassische Bombe“ . Selbst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde weiter geschossen und gebombt. Neben der Nationalen Volksarmee, unterhielten auch die Sowjetischen Streitkräfte umfangreiche Militärlager und weitläufige Truppenübungsplätze. Die militärische Geschichte der Königsbrücker Heide reicht bis in die Kaiserzeit zurück.

>>Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe (gekürzt) <<

„Dieses Gesetz regelt den Umgang und den Verkehr mit sowie die Einfuhr und die Durchfuhr von explosionsgefährlichen Stoffen und Sprengzubehör.“

Zynismus in Reinstform: Ein Land wo der Besitz einer Patrone oder weniger Gramm Sprengstoff mit drakonischen Strafen geahndet wird. Jedoch bei der Fundmunition im eignen Garten, da gelten wiederum irgendwie ganz andere Regeln. Nach offizieller Lesart geht es bei diesen Gesetzen um die Sicherheit der eignen Bevölkerung. Also die 250-Kilogramm-Bombe im Garten ist in Ordnung, der vergessene Silvesterknaller in der Garage eine Straftat? Die behördliche Logik in dieser Hinsicht, spricht für sich selbst. Besonders wenn bedacht wird: Der Zweite Weltkrieg und die Wiedervereinigung liegen viele Jahrzehnte zurück. Seit dieser Zeit ist relativ wenig – in Hinsicht der Kampfmittelräumung – geschehen. Die Stadorte ehemaliger Truppenübungsplätze sind genauso bekannt, wie die Stellen wo Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg stattfanden. An Wissen herrscht – eigentlich – kein Mangel: Nur finden praktisch – keine konsequenten Räumungen – dieser kontaminierten Gebiete statt.

Screenshot sondengaenger-deutschland.de

Nur wenn durch einen Zufallsfund eine Bombe entdeckt wird, kommt der Kampfmittelräumdienst notgedrungen vorbei gefahren. Manchmal wird noch die nähere Umgebung abgesucht und danach verschwindet der Fall für gewöhnlich in den Akten. Die Folgen dieses Vorgehens: Bei Waldbränden kann die Feuerwehr zusehen, wie es mit ihrer Sicherheit bestellt ist. Kaum besser geht es Landwirten oder Bauarbeitern: Immer wieder tauchen Bomben bei Erdarbeiten auf und häufig hat es nur mit Glück zu tun, dass niemand zu Schaden kommt. Die Verantwortlichen verschließen bei diesen Thema ihrer Amtstüren und belassen es mit allgemeinen Binsenweisheiten: Das nicht jeder Klumpen Schrott ungefährlich sei. Und für alles andere sei der Gleichstellungsbeauftragte zuständig – oder so ähnlich.

>>Staatsfunk „Rundfunk Berlin-Brandenburg“<<

„Granaten auf dem Kartoffelacker … Wie ein Slalom-Parcour sieht ein Kartoffelacker in der Nähe von Forst gerade aus. Spezialisten suchen nach alten Granaten und anderen Blindgängern, die seit dem Zweiten Weltkrieg in der Erde liegen. Mehr als 100 Stäbe markieren mögliche Fundstellen. … Aber was auf dem Kartoffelacker in Forst noch im Boden schlummert, finden selbst die Experten extrem.“

Und hier zeigt sich auch die Regierungslinie des – vermeintlich – Staatsfernen Rundfunks. Keine einzige Silbe wird darüber verloren, warum Flächen mit Blindgängern nicht konsequent geräumt werden. Oder, warum dies nicht schon längst geschehen ist. Aber dazu wäre Kritik am der amtierenden Regierung nötig und genau daran fehlt es.

>>Niederlausitz Aktuell<<

„Der Vision einer Löschflugzeugstaffel in Welzow hat die Landesregierung vorerst eine Absage erteilt. Zumindest sieht die Landesspitze keinen Bedarf für die Anschaffung von Löschflugzeugen. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Péter Vida hervor.“

Für gewöhnlich tauchen nach umfangreichen Waldbränden, wo Löscharbeiten wegen explodierender Munition kaum möglich sind, plötzlich „Visionen“ von Löschflugzeugen auf. Alleine schon die riesigen Waldflächen in der Lausitz sprechen für die Anschaffung solcher Flugzeuge. Zahlreiche Staaten unterhalten eigene Verbände von Löschflugzeugen und zwar aus genau den selben Gründen. Aber wie bei der Beräumung von alter Munition, ist kein politischer Wille vorhanden.

 

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