Irak: Weihnachten wird zum offiziellen Feiertag

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Schiitenführer setzt sich für Rückgabe von Eigentum an vertriebene Christen ein

Die Lage der Christen im Irak hat sich im vergangenen Jahr spürbar verschlechtert – das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2021 hervor. Umso mehr lassen zwei aktuelle Entwicklungen aufhorchen, die in eine andere Richtung deuten. Zwei einflussreiche Politiker – Präsident Barham Salih und der schiitische Milizenführer Muqtada al-Sadr – setzten Zeichen, die Christen neue Perspektiven in ihrer Heimat eröffnen könnten.

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Von Open Doors

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Präsident Salih: Christen „ein großer und wichtiger Teil des irakischen Volkes“

Am 16. Dezember verabschiedete das irakische Parlament ein Gesetz, das den Weihnachtstag zu einem jährlichen Nationalfeiertag in dem mehrheitlich muslimischen Land macht. Im Jahr 2018 hatte die Regierung einen nationalen Feiertag für Weihnachten alljährlich neu festgelegt. „[Jetzt] ist es nicht länger eine vorübergehende Maßnahme, die jedes Jahr erneuert werden muss. Das ist eine Botschaft von großem Wert und großer Hoffnung für die Christen“, sagte Basilio Yaldo, Weihbischof der chaldäisch-katholischen Kirche in Bagdad gegenüber AsiaNews.

An Heiligabend besuchte der irakische Präsident Barham Salih, selbst sunnitischer Muslim, einen Gottesdienst in der St.-Josephs-Kathedrale in Bagdad. In seiner Ansprache in diesem Rahmen sagte er, die Regierung müsse „ernsthafte Anstrengungen unternehmen, um den irakischen Christen die Rückkehr zu ermöglichen und ihnen ein sicheres und würdiges Leben in ihrer Heimat zu ermöglichen“. Und weiter: „Ihre religiösen und kulturellen Rechte müssen geschützt werden. Wie die Geschichte des Landes zeigt, sind sie ein großer und wichtiger Teil des irakischen Volkes.“

Rückkehrwillige Christen vor großen Herausforderungen

Seit 2003 haben eine Reihe von Kriegen sowie das Vordringen des Islamischen Staates und gezielte Gewalt mehr als 80 Prozent der irakischen Christen gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Ihre langsame Rückkehr wird durch die prekäre Sicherheitslage und oft fehlende Grundversorgung erschwert. Es gibt Berichte über ein Wiederaufleben des Islamischen Staats und lokaler Milizen, die um die Kontrolle kämpfen. Manchmal, wenn die Häuser der Christen nicht zerstört wurden, finden sie sie von Fremden besetzt vor. „Mit der Zunahme ethnischer und religiöser Spaltungen beobachten wir [auch] die Besetzung von christlichem Eigentum im Irak, besonders in der Hauptstadt Bagdad“, sagte eine lokale Quelle zu Open Doors. „Diejenigen, die sich diese Besitztümer aneignen, wissen sehr gut, dass ein Christ als Angehöriger einer Minderheit es nicht riskieren kann, sich zu beschweren.“

Komitee soll Christen zu ihrem Eigentum verhelfen

Ein populärer und mächtiger schiitischer Geistlicher und Politiker, Muqtada al-Sadr, hat nun angekündigt, ein Komitee zu gründen, das sich mit diesen Fällen befassen wird. Es soll dafür sorgen, dass Christen Wiedergutmachung erhalten und Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Am 3. Januar übermittelte er dem chaldäischen Patriarchen, Louis Raphael Sako, die Namen und Kontaktdaten der Ausschussmitglieder. Christen können sich an sie wenden, wenn ihr Eigentum in den letzten Jahren enteignet wurde. „Maßnahmen zur Lösung dieses weit verbreiteten Problems würden das Recht der Christen auf Eigentum schützen, zur Versöhnung beitragen und bessere Lebensbedingungen ermöglichen – alles Dinge, die für Christen wesentlich sind, um im Irak zu bleiben und zu gedeihen“, sagte ein Sprecher von Open Doors für den Nahen Osten. Es sei jedoch nicht verwunderlich, dass die irakischen Christen zunächst abwarten wollen, was aus diesen Versprechen wird. „Wir fordern die irakische Regierung auf, dieses Komitee im Jahr 2021 voranzutreiben.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht der Irak an 11. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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