James Bond: Der echte Q

Screenshot youtube.com

Bei der fiktiven Roman- und Filmfigur James Bond nimmt Q – der Quertiermeister eine Schlüsselstellung ein. Im wirklichen Leben gibt es ebenso eine Figur, die sich „Q“ nennt und ebenfalls den Geheimdienst nahe steht. Die Hintergründe hierfür, sind allerdings etwas komplizierter.

>>Bundespräsidialamt<<

„Der Bundespräsident diskutierte mit Michael Butter (Professor für Amerikanistik an der Universität Tübingen), Jeff Mason (Korrespondent der Agentur Reuters im Weißen Haus), Ulf Poschardt (Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt) und Julia Stein (Erste Vorsitzende des Netzwerks Recherche e. V.) über das Verhältnis von Wahrheit und Lüge in Politik, Gesellschaft und Medien. Dabei ging es um die Frage, wie „“gefühlte Wahrheiten““ und „“alternative Fakten““ zunehmend unsere gesellschaftlichen Debatten beeinflussen und zu unterwandern drohen. Der Streit um die Unterscheidung zwischen Fakten und Fake wird im medialen, im politischen sowie im kulturellen Diskurs nicht mehr nur auf Grundlage überprüfbarer Tatsachen ausgetragen. Vielmehr verläuft er entlang der Bruchstellen verschiedener Weltanschauungen, politischer Überzeugungen und soziokultureller Prägungen.“

 

>>Bundespräsidialamt<<

„Wir erleben auch in Deutschland, wie Populisten sich Enttäuschungen und Verunsicherungen zunutze machen. Manche Menschen fühlen sich nicht vertreten oder haben überhaupt Zweifel daran, dass unser Staat die wirklich brennenden Probleme lösen kann. Manche haben das Vertrauen in die demokratischen Prozesse und Institutionen, auch in die Medien verloren. Andere bringen Parteien und Politikern offene Verachtung und Feindseligkeit entgegen – nicht nur im Wahlkampf. Es gibt auch jene, die sich „“einfach angewöhnt haben, an eine Welt ohne Politik zu glauben““ – Christoph Möllers hat das vor einiger Zeit im „“Merkur““ wunderbar beschrieben und diagnostiziert. Ich sage: Nicht alle, die auf Distanz gehen, sind Feinde der Demokratie. Aber sie alle fehlen der Demokratie. Nicht zuletzt erleben wir, wie sich der demokratische Diskurs verändert, vor allem natürlich durch Internet und Soziale Medien. In Zeiten der Filterblasen und Echokammern scheinen immer weniger Bürgerinnen und Bürger über wirklich dasselbe zu reden. Hassbotschaften und -kommentare tragen zur Polarisierung der Öffentlichkeit bei. Die Verbreitung von Fake News hat bei manchem den Eindruck entstehen lassen, es sei doch ohnehin alles Lüge. Andere verwechseln Politik mit Klamauk und meinen, es käme auf den originellsten Tweet an. Oder darauf, möglichst schrill, laut oder respektlos zu sein.“

Es gibt eine ganze Reihe vergleichbare Veranstaltungen, die im Schloss Bellevue abgehalten wurden. Die Themen mögen unterschiedlich sein, aber im wesentlich geht es immer um dass selbe: Die entgleitende Öffentliche Meinung. Ein beträchtlicher Teil der Bürger, wird durch die klassischen Medien nicht mehr erreicht und diese suchen sich stattdessen andere öffentliche Foren.

>>Spiegel<<

„Auf einmal ragten in den Hallen selbstgemalte Plakate empor, wie man sie bei Trump so noch nie gesehen hatte. „Wir sind Q“, war darauf zu lesen, und der mysteriöse Spruch: „Wohin einer geht, werden wir alle gehen.“ Viele trugen den Buchstaben Q aus Pappe und dazu passende T-Shirts. Wer oder was ist Q? Und wohin wollen sie alle gehen? Die meisten TV-Zuschauer, die diese Szene live verfolgten, haben sich darüber wahrscheinlich kurz gewundert und es dann auch schon wieder vergessen. Andere hingegen schauderten – zu Recht. Denn Q ist ein Deckname, unter dem in Onlineforen fiebrige Verschwörungstheorien kursieren. Dieses „schwarze Loch“ („Washington Post“) aus Hirngespinsten, Rassismus, Antisemitismus, Gewaltfantasien und Obszönitäten (Sammelbegriff: QAnon) wucherte lange nur auf Plattformen wie 4chan, 8chan oder Reddit – doch vereint sich nun mit Trump, selbst ja ein fleißiger Propagandist von Verschwörungstheorien.“

Selbst nennt sich offensichtlich nur „Q“ . Er gibt sich als eine Art Mischung zwischen Whistleblower und Messias aus. Publiziert des öfteren rührende und nichtssagende Verheißungen an seine Anhängerschaft. Liefert manchmal zweideutige – selten eindeutige – Aussagen über zukünftige Ereignisse ab. Nichtsdestotrotz, bringt er aber auch konkrete Fakten und genau hier wird es unglaubwürdig.

>>Lausitzer Rundschau<<

„Am Freitag hat die Polizei Brandenburg via Facebook und Twitter mitgeteilt, dass ein „Tatverdächtiger zum Geheimnisverrat“ ermittelt werden konnte. Für die Aufklärung des Falls wurde laut Polizei eigens in der Polizeidirektion Süd eine Ermittlungsgruppe gebildet. Bei Facebook war am Mittwoch kurz nach dem Messer-Angriff eines jungen Syrers auf einen 16-jährigen Deutschen ein Foto von einem offenbar abfotografierten Computer-Monitor aufgetaucht.“

Ein abfotografierten Computer-Monitor hat offensichtlich gereicht, um die Identität aufzuklären. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die Whistleblowerin Reality Winner. Hingegen war den ehemaligen NSA-Spion Edward Snowden, das offenkundig von Anfang an klar: Denn er brachte sich bereit vor seinen Veröffentlichungen in Sicherheit. Auch Chelsea Manning musste für ihren „Verrat“ eine lange Haftstrafe im Gefängnis absitzen. Informationen anonym an die Öffentlichkeit zu geben, ist heutzutage fast unmöglich. Bestenfalls können noch einzelne Dokumente, mit einer geringen Geheimhaltungsstufe, die durch einen breiten Verteiler gingen, sporadisch an vertrauenswürdigen Quellen geschickt werden – aber selbst da lauern viele Fallstricke. Wie auch immer, unter normalen Umständen, wäre die Identität von „Q“ längst geklärt und er säße bereits im Gefängnis. Doch so einfach ist das Phänomen „Q“ nicht zu erklären: Eine breite Bevölkerungsschicht ist darauf konditioniert, irgendwem hinterher zu laufen. Da die etablierten Medien, Berühmtheiten, Sportler und Politiker für viele nicht mehr die Sogwirkung haben: Tritt in dieses Vakuum „Q“ ein. Auf diese Weise ist es möglich, einen Teil der Bevölkerung wieder einzufangen. Wer oder was auch immer hinter den Buchstaben Q stecken mag: Edward Snowden arbeitete zuletzt nicht direkt für den Geheimdienst, sondern für eine private Firma, die wiederum für die NSA arbeitete. Die Wahrheit ist manchmal doch etwas komplizierter, als ein einzelner Buchstabe des Alphabetes. Oder vielleicht ist es doch einfacher: In der fiktiven Gestalt des James Bond ist „Q“ – der Quertiermeister. Ein vollkommen loyaler Diener des Geheimdienstes.

 

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