Kamerun: Christen fliehen vor Boko Haram

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Nach tödlichen Angriffen suchen viele Zuflucht unter freiem Himmel

Drei weitere Angriffe durch Boko Haram haben die Christen im Norden Kameruns erschüttert. Dabei wurden zwischen dem 27. Juli und dem 8. August drei Männer getötet. Die Kämpfer raubten zahlreiche Häuser aus und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Seit 2014 haben die gewaltsamen Aktivitäten von Boko Haram in den nördlichen Provinzen des Landes deutlich zugenommen.

___________________

Von Open Doors

___________________

„Sie suchen nach den Männern, um sie zu töten“

Der erste in dieser Serie von Angriffen ereignete sich am 27. Juli im Dorf Kiriwa-Mafa nahe der nigerianischen Grenze. Ein über siebzigjähriger Mann namens Gazawa Chokwe wurde in seinem Unterschlupf in den Bergen getötet. Pastor Abdias*, der in dieser Region tätig ist, berichtet: „Als sie kamen, durchsuchten sie sein Haus und fanden niemanden vor. Sie plünderten es und nahmen alles Wertvolle mit, dazu auch alle Kleidung … Dann gingen sie auf den Berg und brachten ihn um.“ Anschließend plünderten die Angreifer sieben weitere Häuser aus, da zu diesem Zeitpunkt keine Männer anwesend waren. Kontakte von Open Doors in der Region beschreiben das übliche Vorgehen der Angreifer so: Wenn sie in einem Haus nur Frauen vorfinden, plündern sie es aus und suchen woanders nach den Männern, um sie zu töten.

In der folgenden Woche, am 5. August, kehrten die Kämpfer zurück. „Vusher Malama (45), ein Katechet, schlief in den Bergen nicht weit von seinem Haus entfernt. Als er sie bemerkte, ergriff er die Flucht, aber sie verfolgten ihn“, schildert Pastor Abdias das Geschehen gegenüber Open Doors. Schließlich holten sie Malama ein und töteten ihn.

„Ein Wunder, dass die anderen überlebt haben“

Am 8. August erfolgte ein weiterer Angriff auf eine Gruppe von Kirchenleitern aus dem nahe gelegenen Dorf Kassa Darra. Die Männer hatten beschlossen, zur eigenen Sicherheit im Busch statt in ihren Häusern zu schlafen. Pastor Amos* berichtet: „Als wir hörten, wie sie in Kanuri [der von vielen Boko-Haram-Mitgliedern verwendeten Sprache] schrien und begannen zu schießen, erwachten wir alle, und jeder floh zur Sicherheit in eine andere Richtung.“ Ein nahe gelegenes Maisfeld bot ihnen Schutz. „Nachdem die Angreifer gegangen waren, kamen wir zusammen und stellten fest, dass nicht alle von uns es geschafft hatten.“ Ein Kirchenältester, Jonas Vigue (46), wurde getötet, und ein weiterer, namens Marava Keda (56), wurde an der linken Hand getroffen und ins Krankenhaus gebracht. „Ich bin Gott dankbar, dass er die meisten von uns bewahrt hat, auch wenn wir um unseren Bruder Jonas Vigue trauern. Seine Frau, Rebecca, ist untröstlich“, meint Pastor Amos. Ein anderer Überlebender betont: „Es ist wirklich ein Wunder, dass die anderen überlebt haben. Wir danken Gott!“

Friedvolle Beziehungen zwischen Christen und Muslimen gefährdet

Auch wenn Kamerun allgemein ein Land ist, in dem religiöse Toleranz gelebt wird, sind die Folgen des von Fulanis geführten Dschihad in vergangenen Jahrhunderten in den nördlichen Regionen noch zu spüren. Damals wurde die einheimische Bevölkerung gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Die Gewalt von Boko Haram ruft diese Erinnerungen wieder wach und untergräbt die Geschichte friedvoller Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im modernen Kamerun. „Christen bleiben eines der bevorzugten Ziele von Boko Haram, aber auch viele Muslime, die nicht ‚auf ihrer Seite‘ sind, fallen ihnen zum Opfer. Am Ende zwingen die Zerstörung und die Angst, die die Gruppe verbreitet, die Menschen in der Region dazu, sich ihnen entweder zu unterwerfen oder wegzuziehen“, erklärt Jo Newhouse, Sprecher von Open Doors für die Region Subsahara-Afrika.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Kamerun an 48. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert

 

–W E R Β U Ν G–

Loading...
Scroll Up