Kasachstan: Zwei Gemeinden kämpfen um ihre Kirchen

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Verwaltungschef ordnet Beschlagnahmung von Gebäuden samt Grundstück an

In Kasachstans Hauptstadt Nur-Sultan droht zwei christlichen Gemeinden die Beschlagnahmung ihrer Kirchengebäude. Betroffen sind die Presbyterianische „Gnadenkirche“ und die „Agape Pfingstgemeinde“, deren Kirche sich noch im Bau befindet.

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Von Open Doors

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Laut Behörden wird das Land, auf dem die beiden Gebäude stehen, für einen neuen Kindergarten benötigt. Die Christen haben gegen die behördliche Anordnung Rechtsmittel eingelegt, doch das Verfahren stockt.

18 Jahre auf das eigene Gebäude hingespart

Wie die Menschenrechtsorganisation Forum 18 berichtet, erließ Verwaltungschef Altai Kulginov bereits am 14. Februar 2020 die Anordnung, das Grundstück und die darauf befindlichen Gebäude zu beschlagnahmen. Laut offizieller Begründung war diese Maßnahme erforderlich, „um Untersuchungs- und Planungsarbeiten für einen Kindergarten durchzuführen“. Die 500 Mitglieder starke Gnadenkirche bemühte sich zunächst vergeblich um außergerichtliche Klärung; inzwischen geht sie gerichtlich gegen die behördliche Anordnung vor. Aufgrund einer Erkrankung des zuständigen Richters ist jedoch ungewiss, wann das Verfahren wieder aufgenommen wird. Gleichzeitig deutet einiges darauf hin, dass Korruption eine Rolle bei dem Bescheid gespielt haben könnte. Lokale Medien berichteten Mitte Juli, dass gegen einen ehemaligen leitenden Mitarbeiter der zuständigen Abteilung wegen der Veruntreuung von umgerechnet 400.000 Euro ermittelt wird.

Dmitry Kan, Pastor der Gnadenkirche, betonte: „Wir wollen einfach weiterhin unser Eigentum für den Gottesdienst nutzen.“ Die Stadtverwaltung habe den Gemeinden zwar eine Ausgleichzahlung in Aussicht gestellt. Diese würden jedoch noch einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes entsprechen, den das zentrumsnah gelegene Grundstück habe. Pastor Igor Tsay von der Agape Gemeinde zeigte sich schockiert von der Behördenentscheidung: „Seit 18 Jahren träumen wir davon, ein eigenes Gebäude zu haben. Wir haben gerade erst mit dem Bau begonnen – und jetzt das!“ Mit Hinweis auf den unfertigen Bau hätten ihm die Beamten lediglich angeboten, den Wert der bislang verwendeten Baumaterialien zu ersetzen. „Uns geht es nicht um Geld, aber dieses Geld haben wir seit 2002 in 18 Jahren mühsam gesammelt“, betonte Tsay. „Sie versuchen, uns sogar das wegzunehmen.“

Regierung schränkt Glaubensfreiheit immer stärker ein

Von den 18,6 Millionen Einwohnern Kasachstans sind knapp 26% Christen. Die Religionsfreiheit wird durch Gesetzte beschnitten, die der Regierung mehr gesellschaftliche Kontrolle verschaffen sollen. Seit 2015 hat der Druck durch die Behörden spürbar zugenommen.

Einheimische Kirchenvertreter haben gegenüber Open Doors erklärt, dass ihre Glaubensfreiheit allmählich abnimmt. Registrierte Kirchen werden immer häufiger kontrolliert und sehen sich zunehmenden Einschränkungen ausgesetzt.

Auf dem Weltverfolgungsindex steht Kasachstan an 35. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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