Kunstraub im Grünen Gewölbe: Es kann nicht sein – was nicht sein darf

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Es kann nicht sein, was nicht sein darf. So ließe sich am Besten der Kunstraub im Grünen Gewölbe zusammenfassen. Hoch professionell Diebe stehlen einen schlecht gesicherten Kunstschatz: Selbst die meisten guten Juweliere sind heutzutage wesentlich besser gesichert.

Hoch professionell Diebe stehlen einen schlecht gesicherten Kunstschatz

Zweifellos hat der „Vorfall“ einen faden Beigeschmack: Das Grüne Gewölbe – inklusive der meisten Kunstschätze – befindet sich im staatlichen Besitz und logischerweise trägt Selbiger für die Sicherheit dort auch Verantwortung. Dabei sind es gerade staatliche Institutionen – wie beispielsweise die Polizei – die eine endlose Flut von „gut gemeinten Ratschlägen“ gegen Einbrecher liefern. Die Lausitzer Allgemeine Zeitung hat schon vor Jahren die unzureichenden Sicherheitsratschläge dieser sogenannten „Expertenkritisiert.

Diebstahl: Wenn „Profis“ ihre Hand anlegen

Denn neben gewöhnlichen Einbrechern, legen auch manchmal echte Profis ihre Hand bei der Wohnungstür oder am Fenster an: Die sehr genau Wissen, was sie tun. So auch augenscheinlich im Fall des Grünen Gewölbes. Nicht nur das professionelle Vorgehen beim eigentlichem Diebstahl, sondern zugleich auch das Verwischen ihrer Spuren, lässt da kaum einen anderen Schluss zu. Auf dem Überwachungskameras ist zwar der Tatablauf als solcher erkennbar, aber die vermummten Täter lassen sich damit wohl kaum identifizieren. Zudem lehrten die Täter einem Feuerlöscher im Museum aus und fackelten zusätzlich noch ihr Fluchtfahrzeug ab: Die Spurensicherung dürfte so, kaum verwertbares Material finden. Außerdem sorgt schon der gewöhnliche Museumsbetrieb für ein Kommen und Gehen: Welche DNA-Spuren sollen also nun vom Täter oder gewöhnlichen Museumsbesucher stammen?

Aufklärung des Falls dürfte höchst Unwahrscheinlich sein

Die Aufklärung des Falls dürfte also höchst Unwahrscheinlich sein: Auch wenn die Behörden später einen vermeintlichen Täter der Öffentlichkeit präsentieren sollten. Denn eine gern verwendete behördliche Masche lautet: Einen überführten Einbrecher – pro forma – verschiedene Taten anhängen, um die Statistik bei der Verbrechensaufklärung aufzuhübschenbedeutet: In der Realität läuft der Einbrecher noch frei herum, aber laut Statistik wurde er überführt. Leider klafft die behördliche „Realität über die Kriminalität“ mit echten Wirklichkeit über begangene Straftaten immer weiter auseinander.

In der Realität laufen Einbrecher frei herum: Aber in der Statistik wurden sie überführt

Ein genauso desaströses Bild zeichnet sich auch bei der Sicherheit im Grünen Gewölbe ab.

Wachschutz ist ein schlecht bezahltes Gewerbe

>>Der Tagesspiegel<<

„Einer der beiden Wachleute habe sich dafür entschieden, die 110 zu wählen und nicht den Alarmknopf zu drücken. Dieser signalisiere nur, dass etwas nicht in Ordnung sei. … Innerhalb „kürzester Zeit“ hat es laut Burghardt drei Alarmierungen gegeben, zudem habe der Täter mit „brachialer Gewalt“ auf die Vitrine eingeschlagen. Angesichts dieser Situation habe sich der Wachmann dafür entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei am Diensteingang in Empfang zu nehmen.“

Wachschutz: Todesmütig auf Basis des Mindestlohns?

Zwar wurde über das Verhalten der beiden Wachleute massive Kritik geäußert – aber andersherum gefragt: Was hätte die beiden Sicherheitskräfte schon ausrichten können? Etwa dem Einbrechern sich todesverachtend Entgegenstellen? Der Wachschutz ist häufig ein ganz schlecht bezahlter Beruf. Abgesehen von Aspekten wie Eigenschutz, würde wohl kaum ein vernünftige handelnder Mensch, für ein paar Euro an schlechten Mindestlohn – welcher kaum für die Miete reicht – sein eigenes Leben riskieren. Für solche Aufgaben gibt es zwar spezialisierte Firmen im Sicherheitsgewerbe, aber die will man wiederum offensichtlich nicht bezahlen. Ergo: Gute Sicherheit kostet nun mal richtiges Geld.

Professionelle Sicherheit kostet Geld

Alleine um eine Schusswaffe im Ernstfall einsetzen zu können, ist – neben der Lizenz –  regelmäßiges Training erforderlich. Auch das Überwältigen von gewaltbereiten Tätern will gelernt sein und muss regelmäßig geübt werden. Hinzu kommen noch viele weitere Aspekte. Kurzum: Das Sicherheitstraining und -schulung findet neben den eigentlichen Wachschutz statt und das alles kostet richtiges Geld. Aber genau diese Summen war man offensichtlich nicht bereit auszugeben. Genauso gespart wurde offenbar auch an der Vitrinentechnik.

„Angreifer locker 10, 20 und mehr Minuten davon abhalten kann“

>>Handelsblatt<<

„Dass die Dresdner Diebe am vergangenen Montag bei ihrem Jahrhundertraub so schnell an ihr Diebesgut gelangen konnten, stößt auch bei Experten auf Unverständnis. Christoph Hahn, Inhaber und Geschäftsführer eines der weltweit größten Anbieter von Sicherheits- und Panzerglasscheiben, findet klare Worte. „Es ist seit über einem Jahrzehnt State of the Art, dass man Angreifer locker 10, 20 und mehr Minuten davon abhalten kann, die Glasscheibe einer Vitrine zu zerstören“, sagt der Silatec-Chef.“

War es es überhaupt Sicherheitsglas?

Ein unzerstörbares Glas gibt es zwar so nicht, aber dafür Schutzklassen von Sicherheitsglas. Vereinfacht: Je mehr Geld man ausgibt, desto länger hält das Glas einen Angriff stand. Da das Sicherheitsglas bei den Angriff sehr schnell zu Bruch ging, ist es ohnehin fraglich: Ob es überhaupt Panzerglas war. Nichtsdestotrotz existieren auch Firmen, die sich auf genau solche Vitrinen spezialisiert haben: Die dafür nötigen DIN-Normen legen wiederum die Behörden selbst fest.

Diebstahl: Alle haben vorschriftsmäßig Gehandelt

Natürlich ist es interessant zu sehen, dass nun plötzlich Wachleute und Vitrinenhersteller beim Debakel im Grünen Gewölbe schuld sein sollen. Doch offenkundig ist es genau Andersherum: Die Wachleute haben vorschriftsmäßig Gehandelt und das Material hat genau das ausgehalten, was es sollte. Ansonsten hätten die Behörden schon längst irgendjemanden in Regress genommen. Schlussendlich: Das ganze Sicherheitskonzept basiert auf der Einfältigkeit einer staatlichen Verwaltung und das Geldsparen an der falschen Stelle.

Einen der Stiehlt und der Andere der sich Bestehlen lässt

Bei all dem wird eine wichtige Tatsache vergessen: Zu jeden Diebstahl gehören – immer – mindestens zwei Personen: Einen der Stiehlt und der Andere der so dumm ist, und sich Bestehlen lässt. Im Grünen Gewölbe lagern nun mal kostbare Kunstschätze, die fraglos Begehrlichkeiten wecken. Entsprechend hoch sollten die Sicherheitsaspekte angesiedelt sein, aber man wusste es von behördlicher Seite offenkundig besser: Wie der Diebstahl es eindrucksvoll belegt. Die Frage die sich dabei aufdrängt: Was passiert nun mit den gestohlenen Kunstschätzen?

„Banden aus Osteuropa – Die teils gewerbsmäßig solche Einbrüche organisieren“

>>T-Online<<

„Die Theorie von einem reichen Sammler, der so etwas unbedingt haben und im Keller seiner Villa verstecken will, sei eher eine Filmidee. „Mir ist aus all den Jahren kein Fall bekannt, wo sich so etwas nachweisen ließ“, sagte der Provenienzforscher, der sich mit Jahre zurückliegenden Kunstdiebstählen beschäftigt. „Bei den Juwelen würde ich einen Auftragsdiebstahl nicht ausschließen, denn sie waren meiner Meinung nach hier das Ziel.“ In den letzten Jahren habe es vermehrt Fälle gegeben mit Bezügen zu Banden aus Osteuropa, die teils gewerbsmäßig solche Einbrüche organisieren.“

„Materialwert der in Dresden gestohlenen Juwelen gar nicht besonders hoch“

>>Spiegel<<

„Dabei ist der Materialwert der in Dresden gestohlenen Juwelen gar nicht besonders hoch. Besonders macht die Stücke, dass sie aus einem vollständigen historischen Ensemble stammen, der Juwelengarnitur von Friedrich August II. „

Die geringe Beute rechtfertigt nicht den Aufwand

Selbst wenn der vermeintliche Kunstexperte etwas anderes sagen sollte: Das Alles sieht doch sehr nach einen Auftragsdiebstahl aus. Alleine das hoch-professionelle Vorgehen der Täter, lässt sich wohl kaum mit einen dummen „Zufall“ erklären. Der geringe Materialwert des Diebesgutes und die hohe mediale Aufmerksamkeit rechtfertigen mitnichten den betriebenen Aufwand. Das wahrscheinlichste Szenario dürfte wohl sein: Die Diebe wurden für ihre Tat bezahlt.

Zwielichtige Gestalten in der Unterwelt

Selbstverständlich gibt es zwielichtige Gestalten in der Unterwelt, die es zu Geld gebracht und einen Hang zu edlen Kunstgegenständen entwickelt haben. Diese ominösen Plutokraten existiert praktisch nicht im öffentlichen Bewusstsein. Aber auch das dürfte wohl ein Teil des roten Faden im Fall sein: Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

 

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