Land schafft Verbindung: „Wir Landwirte möchten in erster Linie, dass MIT uns gesprochen wird und nicht ÜBER uns“

Screenshot twitter.com Screenshot twitter.com

Interview – Der Verein >>Land schafft Verbindung<< ist eine Vereinigung von Landwirten, die vor allem durch die Aktion mit dem Grünen Kreuzen viele Schlagzeilen machte. Sie setzt sich für die Zukunft des ländlichen Raums ein.

 

Wie werden heutzutage Landwirte in den Medien dargestellt?

Land schafft Verbindung: „Das ist nicht einfach zu beantworten, da gibt es verschiedene Ausprägungen von sehr positiv bis sehr negativ. Generell fällt uns auf, dass die Tendenz zu einer ökologisch ideologisierten Berichterstattung geht und die Realität ein wenig auf der Strecke bleibt. Wir wünschen uns, dass die Berichterstattung neutral ist und Vor- und Nachteile ALLER Bewirtschaftungsformen – von konventionell bis ökologisch – berücksichtigt. Die Gesellschaft hat nicht zuletzt durch die einseitige Berichterstattung ein idyllisches Bild der Landwirtschaft vor Augen, das nicht dem „wahren Leben“ entspricht. Die Bäuerin, die leichtfüßig mit einer Weidenrute in der Hand die Gänse auf der Wiese hütet, wird es wohl nur noch in den seltensten Fällen geben. Landwirtschaft ist im Hier und Jetzt angekommen und nutzt moderne Technik – dadurch sind wir in der Lage umweltschonend, nachhaltig und nicht zuletzt auch wirtschaftlich Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu produzieren.“

Wie stark hat die Bürokratie zugenommen?

Land schafft Verbindung: „Der bürokratische Aufwand hat deutlich zugenommen und viele Landwirte verbringen fast mehr Zeit im Büro als auf dem Acker oder im Stall. Da sind dann auch häufig die Partner/innen gefragt, die den Landwirten administrative Aufgaben abnehmen, oft auch neben Job, Familie und Haushalt.“

Viele Lebensmittel kommen aus dem Ausland her, wie sieht Ihre Position zu Handelsabkommen wie Mercosur aus?

Land schafft Verbindung: „Die deutschen und europäischen Landwirte produzieren die benötigten Lebensmittel mit höchsten Standards und klimaschonender durch kürzere Transportwege als wenn sie aus Übersee nach Europa verschifft werden müssen. Handelsabkommen wie MERCOSUR sind daher auch aus ökologischen Gesichtspunkten äußerst kritisch zu betrachten. Wegen uns muss der Regenwald nicht brennen! Sicher gibt es Lebensmittel, die hier nicht sinnvoll angebaut werden können, aber die Regionalität ist aus unserer Sicht eines der wichtigsten Themen. Warum beispielsweise im Winter Äpfel aus Neuseeland essen, wenn wir eine wunderbare deutsche Ernte haben?“

Nimmt nicht durch fallende Importschranken die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft ab, da im Ausland ganz andere wirtschaftliche Bedingungen vorherrschen?

Land schafft Verbindung: „Ein Außenschutz ist in gewissem Maße sicher notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu erhalten.“

Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern?

Land schafft Verbindung: „Wir Landwirte möchten in erster Linie, dass MIT uns gesprochen wird und nicht ÜBER uns. Wenn wir an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, werden sich Lösungen finden lassen, die nachhaltig für Umwelt, Klima, Gesellschaft und auch die Landwirte sind.“

 

–W E R Β U Ν G–

Loading...
Scroll Up