Lausitz: Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges

Screenshot freiburgs-geschichte.de

Der Dreißigjährige Krieg hat die Lausitz hart getroffen: Die Entvölkerung von ganzen Landstrichen und die die überlebten standen häufig vor den Trümmern ihrer Existenz. Ungeachtet dessen, gibt es aber auch Ereignisse, die bis heute fortwirken.

>>Lausitzer Rundschau<<

“ Nach dem Kriegsbeginn 1618 blieb die Lausitz zunächst von den Auswirkungen noch weitgehend verschont. Das änderte sich 1626, als der kaiserliche General Albrecht von Wallenstein mit seinen Söldner nach Cottbus kam. Die Stadtchronik weiß zu berichten: „Am 3. August 1626 zogen etwa 40 000 Mann unter dem Befehl des General Wallensteins in Cottbus und in der Umgebung ein. Während ihres zweitägigen Aufenthaltes richteten sie in der Stadt und den Dörfern großen Schaden an. Wallenstein selbst nahm Quartier auf dem hiesigen Schloss.“ In der Folge erlebt die Stadt wie nahezu die gesamte Lausitz Durchzüge von Armeen und Söldnern. Die eigentlichen Grausamkeiten des Krieges hätten sich nicht in den Schlachten sondern zwischen Soldaten und Bauern abgespielt, wenn geplündert, vergewaltigt und gefoltert worden sei, erläutert der Berliner Historiker Herfried Münkler. … Am 29. Juni 1631 stehen wieder Truppen vor der Stadt Cottbus. Diesmal ist es der kaiserliche Oberst Hans von Goetze. Und der ist nicht gekommen, um Quartier zu nehmen. In der Stadt stehen diesmal die protestantischen Schweden. Deren Oberst Bock versucht, die Stadt zu verteidigen, was misslingt. Schon im zweiten Ansturm werden die Mauern genommen. Bock flieht, angeblich durch einen Sprung aus dem Fenster. Oberst Goetze lässt daraufhin die Stadt plündern. Elf Bürger sterben. Zudem werden Geiseln genommen,weil die Stadt die geforderte Kontribution in Höhe von 16 000 Talern nicht aufbringen kann. Besser standhalten kann die Festung Peitz den wechselnden Belagerungen. Im Winter 1636/37 dient sie sogar dem brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm mit seinem Hofstaat kurzzeitig als Regierungssitz. … Was Ortschroniken zu berichten wissen: Ein Beispiel für das, was vielen Orten der Lausitz während des Dreißigjährigen Krieges wiederfuhr, ist das heutige Doberlug-Kirchhain: Am 8. April 1637 erschienen die Schweden unter Oberst Baner vor Kirchhain, brannten die Stadt ab und plünderten sie. In Doberlug hausten sie nicht so stark. Aber 1643 verwüsteten sie Doberlug um so gründlicher, ebenso die Umgebung. Doberlug musste den Schweden Kontributionen zahlen. 31 000 Mark bares Geld, 9268 Mark Marschunkosten, 1509 Mark Bezahlung für Wegführer und 1874 Pferde, berichtet die Chronik. Auch aus Spree-Neiße finden sich in Ortschroniken ähnliche Schilderungen. Frauen wurden verschleppt, Getreide vernichtet, Geistliche misshandelt – auch das eine Folge des Religionskonfliktes, der hinter dem Ausbruch des Krieges stand. Der Rektor Johann Seldner etwa soll durch den sogenannten „Schwedentrunk“ gestorben sein, eine damals übliche Foltermethode. Ihm wurde gewaltsam Jauche eingeflößt. Der Prediger Radochla wurde von kroatischen Söldnern mit Strohfeuer gesengt. Für das Jahr 1642 berichtet die Spremberger Chronik: „In der Niederlausitz stand mit seinen Reitern auch der sächsische Oberstleutnant Florian Stritzky. Sein Quartiermeister war mit zwei Herren von Biberstein (Herren in Forst) am 15. Februar ganz früh von Forst nach Spremberg gekommen. Ihnen setzte aber ein schwedischer Rittmeister mit 300 Dragonern nach, die früh um sieben Uhr in Spremberg eintrafen. Vermutlich aus Verbitterung, dass ihnen ihre Beute doch entkam, gingen sie mit Misshandlungen gegen die Bevölkerung vor. Selbst das Schloss wurde Schauplatz wilder Szenen. Mehrere Leute des Herrn von Spremberg, Siegfrieds von Kittlitz, wurden erschossen, das Schloss verwüstet, Gerät und sämtliche Pferde mit fortgeführt.“

 

>>Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648 von Herfried Münkler (Buch) <<

„Man hat das Heer auf dem Marsch als «wandernde Stadt» bezeichnet, weil eigentlich alles mitgeführt wurde, was zum täglichen Leben erforderlich war. Wenn aber die mitgeführten Vorräte zur Neige gingen und es für die Soldaten zu einer Frage des Überlebens wurde, wo und wie sie an Nahrungsmittel kamen, verwandelte sich das Heer in eine große Zerstörungsmaschine. Mochten die Ersten, die ein Dorf plünderten, noch allerhand Brauchbares zurücklassen, so fand doch jede Gruppe, die danach kam, immer weniger vor, und wenn auch mit Gewalt und Folter bei den Bauern nichts mehr zu holen war, nahm die Wut überhand. Die Bauern, ihre Frauen, Kinder und Knechte wurden erschlagen, ihre Höfe in Brand gesetzt. Dass die Soldaten damit sich selbst schadeten, wenn sie einige Wochen später erneut durch die verwüstete Gegend marschierten, spielte dabei keine Rolle. Was bei der Armee auf dem Marsch immer wieder vorkam, war bei Söldnerverbänden wie denen Ernst von Mansfelds die Regel; sie stehen für den dritten Versorgungstyp. Da diese Söldner ständig den Auftraggeber wechselten, gab es für sie keinen wirklichen Unterschied zwischen Feindes- und Freundesland. Längere Einquartierungen kamen nicht vor, da sie nur für den Einsatz und nicht für die Präsenz in einem bestimmten Raum besoldet wurden. Es gab für die Söldner also keinen Grund, die Bevölkerung zu schonen. Ihre Art der Kriegführung folgte den Grundsätzen der Verwüstungsstrategie, selbst wenn dabei keine strategische Devise zugrunde lag. Während der ersten Phase des Krieges gehörten die Mansfeld’schen Reiter zu den am meisten gefürchteten Söldnern. Wo sie auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Sie hinterließen eine Spur der Verwüstung, und dies hatte nicht einmal den Zweck, dem Gegner einen politischen Willen aufzuzwingen, sondern war schlichtweg das typische Verhalten dieser Söldner.“

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges waren große Teile der Lausitz verwüstet und entvölkert. Die meisten Menschen dürften nicht direkt durch Kampfhandlung ums Leben gekommen sein, sondern durch Krankheiten, mordenden Soldaten oder Söldnern und Hungersnöte infolge von Plünderungen. Formal ging die Lausitz als Lehen von Österreich an Sachsen, wobei die Hoheit beim Hause Habsburg, respektive Österreich verblieb. Als Teil des Habsburger Reiches, genoss die Lausitz immer eine umfangreiche Autonomie. Diese ist bis heute verloren gegangen.

 

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