Lausitzer Geschichte: Als die Hussiten in der Lausitz brandschatzten

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Ein gewaltiges Heer fällt in der Lausitz ein und ist fest entschlossen ganze Landstriche zu verwüsten. Herbeigeeilte Ritterheere und sogar ganze Kreuzzüge werden vernichtend geschlagen. Wie konnte einer einfachen Bauernarmee solch ein Husarenstück gelingen?

Hussitenkriege: Wie konnte eine Bauernarmee ganze Ritterheere besiegen?

Die Hussiten-Bewegung hat ihren Anfang mit der Hinrichtung des Theologen Jan Hus genommen. Daraufhin wurden seine Anhänger verhaftet und eingesperrt. Bei einer Befreiungsaktion ist es zum „Prager Fenstersturzgekommen und ab diesem Zeitpunkt nahm der Hussitenkrieg seinem Lauf.

„Prager Fenstersturz steht für den Anfang der Hussitenkriege“ 

>>Der Dreißigjährige Krieg: Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648 von Herfried Münkler (Buch) <<

„Am 30. Juli 1419 waren Anhänger des vier Jahre zuvor auf dem Konstanzer Konzil verbrannten Theologen Jan Hus in das Rathaus der Neustadt eingedrungen, um dort inhaftierte Glaubensgenossen zu befreien. Im Zuge dieser Befreiungsaktion hatten sie den Bürgermeister, mehrere Ratsherren und Richter sowie einige Gemeindeälteste, insgesamt zehn Personen, aus dem Fenster geworfen, die dann im Hof von einer aufgebrachten Menge mit Hiebwaffen totgeschlagen wurden. Dieser erste Prager Fenstersturz steht für den Anfang der Hussitenkriege, in denen sich die Böhmen gegen die Ritterheere des Kaisers militärisch behauptet hatten; zuletzt trotzten sie ihren Widersachern eine Reihe religionspolitischer Zugeständnisse ab.“

„Hussitenkriege – In denen sich die Böhmen gegen die Ritterheere des Kaisers militärisch behauptet“

Die Hussiten sind vom Erfolg zu Erfolg geeilt. Zweitweise ist das damalige Land Böhmen kaum mehr zu regieren gewesen. Aus Rom wurden ganze Kreuzzüge gegen die Hussiten in Marsch gesetzt.

„Insgesamt vier Kreuzzüge werden aus Rom gegen die hussitischen Rebellen geschickt“

>>Radio Prag<<

„Insgesamt vier Kreuzzüge werden aus Rom gegen die hussitischen Rebellen geschickt. Die katholische Propaganda verbreitet ein sehr negatives Bild von Böhmen. Seit dem Konzil in Konstanz gilt es als ein barbarisches Land, das eine Gefahr für die seine Umgebung darstellt und das man am besten meiden sollte. Tatsächlich plündern die Hussiten viele Städte und gehen weit über die Grenzen Böhmens hinaus auf ihre Raubzüge.“

„Tatsächlich plündern die Hussiten viele Städte und gehen weit über die Grenzen Böhmens hinaus“

Tatsächlich machten die Hussiten sogar die Lausitz unsichter. Innerhalb der Hussiten hat es eine kleine – regelrecht fanatische – Gruppe die Taboriten gegeben. Diese kleine Gruppe hat aber bis in die Gegenwart das Bild über die Hussiten geprägt.

„Auf ihrem Weg nach Guben vernichteten sie in ihrem Wahn alles“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Entlang von Spree und Neiße zogen die Taboriten. Auf ihrem Weg nach Guben vernichteten sie in ihrem Wahn alles, was sich ihnen entgegenstellte, vor allem die katholische Kirchenherrlichkeit. Aufgrund seiner bereits erkennbaren städtischen Fakten war die taboritische Gier danach groß. … Das Heer unter dem Herzog v. Sachsen erzwang mit dem Aufheben der Bautzener Belagerung zugleich den Rückzug der Hussiten aus der Lausitz für immer.“

„Aufheben der Bautzener Belagerung zugleich den Rückzug der Hussiten aus der Lausitz“

Im allgemeinen haben sich die Hussiten aus dem gewöhnlichen Volk rekrutiert. Daher waren es keine flächendeckenden Plünderungen, sondern es wurde gezielt gegen reiche Klöster und Herrschaftssitze vorgegangen. Militärisch konnten die gut ausgerüsteten Ritterheere die Hussiten kaum besiegen. Aber durch die radikalen Taboriten wurde die Gruppe der Hussiten gespalten und viele Anhänger haben sich deswegen abgewandt. Das dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit das eigentliche Ende der Hussiten gewesen sein. Natürlich sind viele heutige Zeitgenossen über die Gewaltaten der Hussiten angewidert: Aber man sollte sich vorher ein Bild über die damalige Zeit machen. Die Umständes des Todes von Jan Hus sprechen dabei für sich selbst.

„Anhänger des 1415 in Konstanz verbrannten Jan Hus, an den Schwanz eines Pferdes gebunden und zur Richtstätte geschleift“

>>Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens von Horst Herrmann (Buch) <<

„1420 wird in Breslau J. Krasa, ein Anhänger des 1415 in Konstanz verbrannten Jan Hus, an den Schwanz eines Pferdes gebunden und zur Richtstätte geschleift. Der Halbtote wird anschließend verbrannt. – Die Constitutio Criminalis Carolina (→ Folterregeln) bestimmt 1532, dass die → Todesstrafe bei Verrätern „durch schleyffen oder zangenreissen gemert“ werde (Artikel 124).“

„Artikel 124“- „Todesstrafe bei Verrätern „durch schleyffen oder zangenreissen gemert“ werde“

Diese „Form der Hinrichtung“ ist keiner abartigen Laune des Henkers heraus entstanden, sondern es war gesetzlich geregelt. Je nach „Verbrechen“ wurden ganz unterschiedliche „Formen“ der Todesstrafe vollstreckt. Jedoch vielmehr interessant ist die Frage: Was Jan Hus so schreckliche Dinge eigentlich getan haben soll? Sehr Vereinfacht: Er wollte die Christentum wieder zu einer Religion machen. Jan Hus prangerte vorwiegend die weltliche Macht der Kirche an.

„In Hus‘ Vorstellungen von der Kirche als der geistlichen Braut Christi“

>>Geschichte der Reformation in Deutschland von Thomas Kaufmann (Buch) <<

„Der theologische Lehrer, der dies schrieb, war Jan Hus (um 1370-1415), der zwei Jahre später durch das Konzil von Konstanz (1414-18) als Ketzer verurteilt und verbrannt wurde. … In Hus‘ Vorstellungen von der Kirche als der geistlichen Braut Christi, nicht als Rechts-, Verwaltungs- und Machtapparat, wirkten Anregungen fort, die von dem Oxforder Theologieprofessor John Wyclif (um 1330-1384) ausgegangen waren. Dieser hatte, anknüpfend an den wichtigsten Kirchenvater des Abendlandes, Augustinus, der irdischen Gestalt der römischen Papstkirche die Idee einer wahrhaft umfassenden, universalen Kirche, deren einziges Haupt Christus sei, entgegengesetzt.“

Jan Hus: „Durch das Konzil von Konstanz (1414-18) als Ketzer verurteilt und verbrannt“

Letztendlich ist Jan Hus dort gescheitert, wo Martin Luther ein Erfolg vergönnt sein sollte. Allerdings hat sich Martin Luther – für seine Zeit – vorsichtiger ausgedrückt. Außerdem konnten sich Luthers Gedanken – im Gegensatz zu Jan Hus – durch den kurz zuvor erfundenen Buchdruck viel weiter verbreiten. Aus theologischer Sichtweise haben sich Jan Hus und Martin Luther kaum voneinander unterschieden.

 

–W E R Β U Ν G–

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