Lausitzer Revier: „Ich war ein Arbeitsplatz – und Besucher im Theater, Kino, Stadion … !“

Screenshot leag.de

Thomas Haß, seit 1988 Leitstandfahrer im Kraftwerk Jänschwalde. Wie viele Kollegen ist er dabei, als der erste Kraftwerksblock in der Lausitz vom Netz in die Sicherheitsreserve abgefahren wurde. Die Kraftwerker-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin/war ein Arbeitsplatz – und ein Beitragszahler im Verein“ haben die Auszubildenden der Lausitz Braunkohle Kraftwerke Aktiengesellschaft (Leag) am Donnerstag auch den Landtagsabgeordneten des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg präsentiert.“ Genau genommen steht auf den T-Shirt: „Ich bin war ein Arbeitsplatz – und Besucher im Theater, Kino, Stadion … !“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Die von der Braunkohle geprägte Lausitz soll aus Sicht von Energieexperten jährlich 100 Millionen Euro vom Bund extra für den Strukturwandel erhalten. … Das Impuls-Papier regt zudem an, die Lausitz als Energieregion dauerhaft zu erhalten und jede schwindende Kohlestrom-Leistung durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Auch der Breitbandausbau wird erwähnt, um die Region attraktiver zu machen. Außerdem könnte eine Stiftung kulturelle Impulse geben.“

Gefühlt im Stundentakt, geistern immer neue Ideen zum „Strukturwandel“ für die Lausitz durch die Presselandschaft. Bei genauer Betrachtung, lösen sich die meisten dieser „Geistesblitze“ in heißer Luft auf. Beispielsweise die angedachten „jährlich 100 Millionen Euro vom Bund extra für den Strukturwandel“ : Diese sind als Fördergelder konzipiert und wiederum an Bedingungen, sowie häufig einen Eigenanteil geknüpft. Selbst wenn diese Summe irgendwann bereit stehen sollte, ist fraglich: Ob jemals davon – auch nur einen Euro – das Regierungsviertel in Berlin verlässt. Ähnlich Förderprogramme wurden einst aufgelegt, um den „Strukturwandel“ rund um die Wiedervereinigung zu bewältigen. Rückblickend betrachtet: Der Erfolg solcher Fördermaßnahmen ist doch sehr Ernüchternd, in Anbetracht der Abwanderungen von zahllosen Lausitzern und unzähligen industrieller Ruinen. Nun werden alte – eigentlich überlebte – Konzepte neu verpackt und an die Öffentlichkeit ein Zweites mal verkauft. Einer dieser Fabrikanten von Ideen für den Strukturwandel, ist die Denkfabrik “ Agora Energiewende“ in Berlin.

>>Agora Energiewende<<

„Mehr Erneuerbare und weniger Kohle liefern Klimaschutz und niedrige Stromkosten“

So lautet die Schlagzeile einer Pressemitteilung: Die erneuerbaren Energien sorgen für sinkende Strompreise. Die reale Praxis zeigt zwar das genaue Gegenteil, aber die Realität stört ohnehin nur den Fortschritt. Im Artikel selbst, wird das vollmundige Versprechen dann recht schnell relativiert: „Eine Verringerung der Kohleverstromung um zwei Drittel bis 2030 wird sich bei gleichzeitigem Ausbau der Erneuerbaren Energien auf 65 Prozent kaum auf die Strompreise auswirken.“ Nun lässt sich vortrefflich über die Aussage streiten, was mit kaum Auswirkungen auf den Strompreis gemeint ist.

 

>>Manager Magazin<<

„Was kostet die Ökostromförderung die Verbraucher? Legendär ist dazu der Satz von Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) aus dem Jahr 2004: „Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.“

Damals phantasierte irgendein Parteifunktionär von einer Kugel Eis und in Zukunft sollen die Stromkosten – Dank der Energiewende – sogar sinken. Jenseits dieses politischen Märchenlandes, ist die Finanzierung der Denkfabrik “ Agora Energiewende“ recht interessant.

>>Agora Energiewende<<

„Agora Energiewende verfügt für den Zeitraum 2012 bis 2017 über ein stiftungsfinanziertes Kernbudget von rund 14 Millionen Euro. Für den Zeitraum von 2017 bis 2021 stehen hier 15 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen Drittmittel zur Finanzierung einzelner Projekte.“

Die Wissenschaft ist heutzutage nur sofern frei: Wie sie Drittmittel – sprich Fördergelder – beantragen kann.

>>Forschung & Lehre<<

„Wissenschaftler mit Forschungsvorhaben abseits des Mainstreams finden oft nur schwer eine Förderung.“

So schließt sich auch der Kreis, mit den viel-beschworenen Fördergeld für den „Strukturwandel“ in der Lausitz. Die „Agora Energiewende“ mag recht gut darin sein, Forschungsgelder zu beantragen und Expertisen für den Strukturwandel in der Lausitz auszuarbeiten. Nur der Lausitz, und die dort lebenden Menschen profitieren davon kaum.

 

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