Lausitzer Sorben: Warum die Sprache auf dem Rückzug ist

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Die Lausitzer Sorben blicken auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Trotzdem befindet sich die Sorbische Sprache und Kultur in der Lausitz auf dem Rückzug. Über die Gründe: Schweigt man sich lieber aus.

Vielleicht noch 30.000 Sorben?

>>Märkische Allgemeine<<

„In der Lausitz gibt es offiziell 60 000 Sorben. 40 000 davon leben in Sachsen, rund 20 000 in Brandenburg. Die Zahl derjenigen, die die Sprache noch aktiv im Alltag anwenden, wird auf 30 000 geschätzt.“

Widersprüchliche Schätzungen zu der Anzahl der Sorben

Allerdings gibt es zu dem Thema sehr widersprüchliche Schätzungen. Niemand kann genau sagen: Wieviele Sorben es gibt und wie weit die Sprache verbreitet ist. Einrichtungen – wie das Sorbisches Institut – führen zwar Forschungen durch, aber Abseits abstrakt-akademischer Fragestellungen, fällt der Erkenntnisgewinn doch sehr mager aus.

Arnošt Muka: Forschungen in der Praxis

Hierbei handelt es sich um kein neuzeitliches Phänomen, sondern dieser Bereich durchzieht sich wie ein roter Faden in der Geschichte. Arnošt Muka führte Ende des 19. Jahrhundert umfangreiche Untersuchungen rund um die Sorbische Sprache und deren Dialekte durch. Seine akribische Arbeit führte ihn von Dorf zu Dorf und er ermittelte so, die Verbreitung der Sorbischen Sprache. Seine Arbeit gilt noch heute als Standardwerk. Als Resümee bleibt aber der fade Beigeschmack, dass niemand vor – und auch nach ihm – eine vergleichbare Arbeit abgeliefert hat. Schon damals befand sich die Sorbische Sprache auf dem Rückzug. Und heute? Weder die Domowina, noch das Sorbische Institut halten es für nötig, die Arbeit von Arnošt Muka fortzusetzen.

Die Forschungen von Arnošt Muka

>>Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde<<

„Hervorzuheben ist die „Statistika Serbow“ (Statistik der Sorben, 1884-1886, in Nachträgen 1894-1900), die z.T. auf eigenständigen Forschungen während der Wanderungen M.s und seiner Mitarbeiter durch beide Lausitzen beruht. Sie spiegelt das gesamte damalige Leben der Sorben wider und war seinerzeit die genaueste Darstellung der Verhältnisse, wodurch sie im In- und Ausland viel Beachtung fand. Sie beinhaltet nicht nur statistische Daten, sondern auch Beschreibungen zur materiellen Volkskultur wie etwa der Bauweise oder den Trachten.“

Sprache und Kultur der Sorben

Von offizieller Seite war das Wirken von Arnošt Muka – aus damaliger Sicht – nicht gern gesehen. Zwar wurde das slawische Volk geduldet, aber ernsthaft beschäftigt, hat sich mit der Sprache, Kultur und den gelebten Traditionen eigentlich niemand. In der wissenschaftlichen Forschung war das eine Art Niemandsland. Die Forschungen von Arnošt Muka führten auch dazu, die Minderheit zu schützen..

Der vergessene Wendische Nationalausschuss

>>Sorbe.de<<

„Nach Beendigung des ersten Weltkrieges wurde in der Weimarer Verfassung festgelegt, die „fremdsprachigen Volksteile des Reiches“ weder durch die Gesetzgebung noch durch die Verwaltung in ihrer volkstümlichen Entwicklung und im Gebrauch ihrer Muttersprache zu hindern. Im Jahr 1918 wurde der Wendische Nationalausschuss gegründet, dessen Verhandlungen mit der sächsischen Regierung über zahlreiche Maßnahmen zur Verwirklichung sorbischer Rechte und sorbischer Autonomiebestrebungen aber scheiterten.“

„Sorbischer Autonomiebestrebungen“

Autonomiebestrebungen sind weder Heute, noch Damals gern gesehen. Bestrebungen in dieser Richtung wurden von offizieller Seite schon immer mit viel Misstrauen begegnet. Sicherlich aus gutem Grund. Die Sorbische Sprache und Kultur blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück, während staatliche Gebilde kaum auf eine nennenswerte Tradition verweisen können.

Sorbische Sprache und Kultur auf den Rückzug

Die Lausitz stand eine Zeitland unter Polnischer Herrschaft. Bis ins 17. Jahrhundert übte Habsburg-Österreich die Hoheit über die Lausitz aus. Danach kamen die Königreiche Sachsen, später Preußen und im Anschluss das Kaiserreich hinzu. Die Weimarer Republik und die NS-Herrschaft dauerten nur ein paar Jahre. Die DDR hielt etwas länger durch. Auch das jetzige staatliche Gebilde löst sich bereits in der Europäischen Union auf. Auf eine echte Tradition, konnte sich bisher noch niemand berufen. Die Sorbische Kultur in der Lausitz wirkt daher wie ein Gegenentwurf.

Die Rechte der Sorben bis heute nicht verwirklicht

Bis heute sind die Rechte der Sorben nicht verwirklicht. Die Domowina und das Sorbische Institut sind als eingetragene Vereine, völlig Abhängig von der staatlichen Verwaltung. Deshalb ist es wenig verwunderlich: Trotz Rückgang der Sorbischen Sprache, ist von dort kaum Kritik zu hören. Jede Forderung nach Autonomie der Sorben wird reflexartig zurückwiesen. Forschungen zur Sorbischen Kultur, wie sie einst Arnošt Muka betrieben hat, finden faktisch nicht statt. Selbst auf dieses Nachrichtenportal, wird von staatlicher Seite Druck über den Umweg über Suchmaschinen und sozialen Netzwerken ausgeübt. So sieht also die gelebte Förderpolitik für das sorbische Volk in der Lausitz aus.

 

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