Mehr ‚Made in Germany‘ durch stärkere Förderung der Spitzenforschung unabdingbar

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Expertenkommission liefert besorgniserregende Standortbestimmung.

Laut Jahresgutachten 2021 der „Expertenkommission Forschung und Innovation“ (EFI) haben deutsche Konzerne Schwierigkeiten, am internationalen Markt mitzuhalten. Zwar werde in Deutschland viel gute Forschungsarbeit geleistet, jedoch entstünden im Anschluss daran häufig keine marktfähigen Produkte.

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Von Joachim Paul

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Insbesondere in zukunftsträchtigen Feldern wie Halbleitern und IT, synthetischer Biologie und Nanotechnologie hat Deutschland den Anschluss an die Spitzengruppe der Welt verloren. Die EFI fordert von der Bundesregierung ein größeres finanzielles Engagement im Bereich Forschung und Entwicklung. Neue Entwicklungen müssten früher erkannt, Schlüsseltechnologien mehr gefördert, Rückstände rasch aufgeholt werden.

Dazu Joachim Paul, Mitglied des Bundesvorstandes:

„Das Jahresgutachten liefert eine Standortbestimmung, die ernste Sorgen machen muss. Tatsächlich hat die Corona-Krise radikal neue Technologien vorangetrieben und das noch im analogen Dornröschen-Schlaf liegende Deutschland – Land der Mobilfunklöcher, der Kupferkabel und ratternden Fax-Geräte – kalt erwischt.

Insbesondere die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands steht auf dem Spiel. Dass aus einer insgesamt gut aufgestellten Forschungslandschaft mit einem engen Netz an Einrichtungen zu wenige Produkte ‚Made in Germany‘ hervorgehen, bedroht in letzter Konsequenz tausende Arbeitsplätze vor Ort.“

Paul weiter:

„Es ist verständlich, dass die Unternehmen in Corona-Zeiten Risiken scheuen und Investitionen zurückhalten – allerdings muss mittelfristig ein Mentalitätswandel zu mehr digitalem Bewusstsein und mehr Risikobereitschaft erfolgen. Ich erinnere daran, dass viele im Weltmaßstab erfolgreiche Produkte durch deutsche Forschung vorbereitet wurden oder erstmals auf dem deutschen Markt eingeführt worden sind. Die anschließende Kommerzialisierung erfolgte dann allerdings im Ausland.

Beispiel soziale Netzwerke: Nicht die erfolgreichen deutschen Plattformen ‚Wer kennt wen?‘ und ‚StudiVZ‘ traten den Siegeszug an, sondern ‚Facebook‘ – heute ein Tech-Gigant – macht das Rennen. Auch weil hiesige Unternehmen noch immer zu stark analog ausgerichtet und risikoscheu sind und damals die Marktchancen nicht erblickten.“

Paul schließt:

„Angesichts der Forschungsetats von China mit 450 Milliarden und der USA mit 500 Milliarden und der Tatsache, dass die Bundesrepublik nur 3 Prozent des BIP für Forschung aufwendet, Israel und Korea hingegen 5 bzw. 4 Prozent, muss zukünftig ein viel stärkeres finanzielles Engagement erfolgen – insbesondere im Hinblick auf festvertraglich eingestelltes Personal. Das Geld muss auch in Stellen fließen, die längerfristige Perspektiven bieten und damit sichergestellt wird, das Wissen und Forschungsstände langfristig gepflegt und weitergegeben wird.

Tatsächlich muss trotz des Primats marktwirtschaftlicher Prinzipien die Rolle des Staates im Hinblick auf Innovationsaktivitäten neu definiert werden – die Gründung der ‚Agentur für Sprunginnovationen‘ 2019 in Leipzig ist daher als ein erster Schritt zu begrüßen. Angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen in Folge der Corona-Krise muss eine Debatte über ein stärkeres und zielscharfes Engagement des Staates erfolgen.“

 

–W E R Β U Ν G–

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