Nigeria: Erneuter Überfall auf Schule, 42 entführt

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Gegen das Vergessen: Leah Sharibu seit drei Jahren in den Händen von Boko Haram

In Nigeria ist eine weitere öffentliche Schule überfallen worden, dabei wurden 42 Personen entführt. Unbekannte Bewaffnete stürmten am 17. Februar gegen 2 Uhr nachts das Government Science College in Kagara, Bundesstaat Niger, und zwangen einige Schüler und Lehrer, mit ihnen zu kommen. Am heutigen 19. Februar vor drei Jahren wurde auch die damals 14-jährige Leah Sharibu entführt; sie befindet sich immer noch in Gefangenschaft.

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Von Open Doors

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Entführungen und Lösegeldforderungen nehmen „unerträgliches Ausmaß“ an

Nachdem erste Berichte aus dem Bundesstaat Niger von hunderten Entführten ausgingen, gab ein Sprecher der Landesregierung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP an, dass insgesamt 42 Personen aus der Schule entführt worden seien. Darunter seien 27 Schüler, drei Lehrer und 12 Familienmitglieder von Lehrern. Ein Schüler sei getötet worden, insgesamt hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs 650 Schüler in der Schule aufgehalten. Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari hat die Sicherheitskräfte beauftragt, einen Rettungseinsatz für die Entführten durchzuführen. Wer hinter der Tat steckt, ist bislang unklar. Es wird aber vermutet, dass es sich dabei um kriminelle Banden handeln könnte. Erst im Dezember waren 340 männliche Schüler aus der Stadt Kankara entführt worden, sie kamen jedoch eine Woche später wieder frei.

Jo Newhouse*, Open Doors-Sprecherin für Subsahara-Afrika, kommentiert: „Die Entführungen von Christen und moderaten muslimischen Zivilisten durch islamische Extremisten, teils verbunden mit Lösegeldforderungen, haben im Norden Nigerias ein unerträgliches Ausmaß erreicht. […]

Zivilisten, insbesondere Kinder, sind einem äußerst besorgniserregenden Maß an Gefahr und Trauma ausgesetzt, das der nigerianischen Gesellschaft unmittelbar und langfristig schaden wird. Nigeria und seine internationalen Partner müssen entschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit seiner Bürger und den Schutz aller zu gewährleisten, unabhängig von ihrer Ethnie, ihrem Geschlecht oder ihrer Religion.“

Entführte Christen zusätzlich schikaniert

Gleichzeitig verdeutlicht der Fall von Leah Sharibu, welche zusätzliche Gefährdung Christen droht. Sie wurde am 19. Februar 2018 entführt und wenige Wochen später als einzige von über 100 entführten Schulmädchen nicht freigelassen, weil sie sich weigerte, zum Islam zu konvertieren (Open Doors berichtete). Auch von den fast 300 im Jahr 2014 entführten „Chibok-Mädchen“ sind weiterhin 112 in Gefangenschaft.

Die 35-jährige Hannatu* und ihre Familie sind nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft in den Händen Boko Harams wieder frei. Sie erinnert sich: „Sie sagten, wenn wir uns nicht von Christus lossagen, würden sie sich nicht um uns kümmern. Wir mussten uns von den Muslimen fernhalten. Sie wollten nichts mit uns zu tun haben. Sie sagten, wir seien ekelhaft. […] Sie gaben uns nicht einmal etwas zu essen; selbst wenn unsere Kinder zum Betteln gingen, schickten sie sie weg. Unsere Kinder gingen los, um Gras zu suchen, und das haben wir dann mit ihnen gegessen.“ Hannatu kann sich nur an drei Gelegenheiten während der gesamten Gefangenschaft erinnern, bei denen sie richtiges Essen bekamen.

„Die Zeit bei Boko Haram hat meine Liebe zu Gott gestärkt“

Doch auch nach der Befreiung durch die Armee hatte die Familie es nicht leicht. Das Leben bei Hannatus Schwiegermutter ist hart, und die Reaktion der Gemeinschaft auf ihre Rückkehr war gemischt: „Einige Leute haben mich willkommen geheißen, während andere mich verspottet haben“, erinnert sich Hannatu. Doch erstaunlicherweise blickt sie auch dankbar zurück: „Ich kann sagen, dass die Zeit bei Boko Haram meine Liebe zu Gott gestärkt hat und mich ihm sehr nahe gebracht hat.“

Auf dem Weltverfolgungsindex 2021 steht Nigeria an 9. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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