„Pädokriminelle“ und „Volkes Zorn“ (2)

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Schätzungen der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs gehen davon aus, dass in Deutschland rund eine Million Mädchen und Jungen Opfer sexueller Übergriffe sind.

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Von Guido Grandt

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Dennoch gab es in Deutschland jüngst Streit über die richtige Bestrafung. Erst im letzten Moment ruderte die Justizministerin zurück, dass Kindesmissbrauch – nicht wie bisher – ein „Vergehen“ ist, sondern ein „Verbrechen“.

Ganz anders in den USA: Dort werden Sexualstraftäter hart bestraft. Am 17. Mai 1996 unterzeichnete der damalige US-Präsident Bill Clinton ein Gesetz („Megans Law“), das besagt, dass die örtliche Polizei jedes US-Staates umgehend alle Nachbarn eines Bezirks informieren muss, wenn ein Sexualstraftäter sich dort niederlässt.

Brandmarkung von Pädokriminellen?

Kritiker weisen unermüdlich daraufhin, dass dadurch die Öffentlichkeit nicht nur vor einer möglichen Gefahr gewarnt würde, sondern die entlassenen Häftlinge gebrandmarkt, gedemütigt, ja gar zu Gejagten werden würden.

Fälle aus den Bundesstaaten Washington, New Jersey und Michigan seien bekannt geworden, in denen Häuser von ehemaligen Sexualverbrechern von aufgebrachten Nachbarn niedergebrannt wurden. So würden viele ihnen nur noch einen Ausweg sehen: Selbstmord.

Ungewöhnliche Auflagen gegen Pädokriminelle

Auch Richter Manuel Banales aus dem texanischen Corpus Christi griff damals hart durch. Er versah etwa fünfzig auf Bewährung entlassene Sexualstraftäter mit ungewöhnlichen Auflagen.

So mussten vierzehn von ihnen vor ihrem Haus ein Schild aufstellen mit der Aufschrift: „Gefahr! Hier lebt ein registrierter Sexualstraftäter. Verdächtige Beobachtungen bitte umgehend an die nächste Polizeistation melden.

Andere wurden angehalten Aufklärungsbriefe an die Nachbarn zu schreiben oder ihre Fahrzeuge mit entsprechenden Aufklebern zu versehen.

Dieses drakonische Vorgehen wurde von vielen Bewohnern und Politikern bejubelt, von Bürgerrechtsorganisationen und Juristenverbänden allerdings abgelehnt. Sie reichten Klage gegen den Richter ein.

Bestrafung oder Resozialisierung?

Die Rechtssysteme in den Vereinigten Staaten und Deutschland unterscheiden sich also drastisch. Während es hierzulande auf Rehabilitierung und Wiedereingliederung der Straftäter in die Gesellschaft ausgelegt ist, geht es in den USA um nicht Täterorientierte „Bestrafung“. Auch der „Resozialisierungsgedanke“ ist dort fremd.

Wie auch immer: Es ist geradezu schändlich für jedes Opfer, vor allem für Kinder, die sexuell missbraucht wurden, dass dies nach wie vor in Deutschland als „Vergehen“ gilt!

Pädokriminelle wegsperren – für immer?

Vielleicht sollte man es doch mit den Worten des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder halten, der im Juli 2001 diesbezüglich sagte:

„Was … die Behandlung von Sexualstraftätern betrifft, komme ich mehr und mehr zu der Auffassung, dass erwachsene Männer, die sich an kleinen Mädchen vergehen, nicht therapierbar sind. Deswegen kann es da nur eine Lösung geben: wegschließen – und zwar für immer!“

Und weiter: „In diesen Fällen ist die Wiederholungsgefahr nie ganz auszuschließen. Und deswegen gibt es nur ein Gebot: Die Kinder müssen geschützt werden. Deshalb bin ich in dieser Frage weniger liberal, als ein Gutachterkartell den Richtern nahe legt. Dafür habe ich kein Verständnis.“

 

–W E R Β U Ν G–

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