Postapokalypse in der Westlausitz: „Vollständigen Auslöschung“ – „Über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft“

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Westlausitz – Sogenannte „Wildhüter“ patrouillieren mit schweren Geländewagen und grimmigen Gesicht durch munitionsbelastete riesige Wälder. Aufgegriffene Zivilisten werden zwangsweise abgeführt und müssen eine saftige Geldstrafe bezahlen. Es klingt wie ein völlig abgedrehtes Zukunftsszenario nach einer Postapokalypse. Allerdings spielt sich das Szenario in der Gegenwart ab. Anders als häufig gedacht: Keinesfalls jeder Ort in der Lausitz ist zwangsweise durch die Braukohle verschwunden.

Königsbrücker Heide: Die Postapokalypse erlebbar machen

>>Stadt Forst<<

„Seit mehr als 100 Jahren dominiert der Braunkohlenbergbau die wirtschaftliche Entwicklung der ansonsten strukturarmen Lausitz und bringt den Menschen Arbeit. Zugleich hinterließen die flächenintensiven Tagebaue Mondlandschaften. Dörfer und Ortsteile die ihnen im Weg standen, wurden devastiert, d.h. abgebaggert.“

„Dörfer und Ortsteile die ihnen im Weg standen, wurden devastiert, d.h. abgebaggert“

Jedoch nicht jedes Dorf in der Lausitz musste wegen des Braunkohlenbergbaus weichen. Bei dieser sehr einseitigen Betrachtungsweise wird gerne das Militär vergessen. Der weitläufige Truppenübungsplatz Oberlausitz ist knapp 40 Quadratkilometer groß und darf durch einheimische Lausitzer nicht betreten werden. Während der Tagebau des Lausitzer Revier weiterzieht und das Gebiet – nach Rekultivierung – wieder freigibt: Bleibt hingegen der Truppenübungsplatz praktisch für alle Ewigkeit gesperrt. Anhand der Königsbrücker Heide lässt sich anschaulich aufzeigen: Der Begriff „Ewigkeit“ ist keinesfalls zu hoch gegriffen, was sich am Beispiel der Westlausitz recht eindrucksvoll zeigen lässt.

„Einst befanden sich auf dem Areal des heutigen Schutzgebietes neun Orte mit ihren Fluren“

>>NSG-Verwaltung Königsbrücker Heide<<

„Einst befanden sich auf dem Areal des heutigen Schutzgebietes neun Orte mit ihren Fluren. Die über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft veränderte sich seit der Gründung des Truppenübungsplatzes (TÜP) Königsbrück im Jahr 1907 grundlegend bis zu ihrer vollständigen Auslöschung.“

„Vollständigen Auslöschung“ – „Über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft“

Die Königsbrücker Heide war ursprünglich kein Naturschutzgebiet, sondern ein Truppenübungsplatz gewesen. Zwar ist das Militär mittlerweile verschwunden, aber das Gebiet darf heute in großen Teilen nicht betreten werden.

Königsbrücker Heide – „Jeder ist willkommen, nur einer nicht: der Mensch“

>>Der Tagesspiegel<<

„Jeder ist willkommen, nur einer nicht: der Mensch. Unterwegs in der Königsbrücker Heide – In eine Wildnis darf jeder rein, jeder ist willkommen, nur einer nicht: der Mensch, dieses missratene Tier, dieser Paria unter den Geschöpfen, der Verräter der Erde. … 1907 mussten die Otterschützer ihre Häuser verlassen und die zweier anderer Dörfer mit ihnen. Kein Stein ist mehr auf dem anderen, aber ihre Fliederbüsche sind noch da, und sie werden wieder blühen, wenn es Mai ist, ungesehen, letzte Zeugen.“

Sorbisches Siedlungsgebiet: „1907 mussten die Otterschützer ihre Häuser verlassen und die zweier anderer Dörfer mit ihnen“

Das Betretungsverbot ist keine philosophische Metapher, sondern es wird tatsächlich durchgesetzt: Sogenannte „Wildhüter“ fahren dort Streife und ein Besuch der Königsbrücker Heide kann richtig teuer werden. Das Betretungsverbot wird aus einer Mischung aus Naturschutz und Munitionsbelastung begründet. Immerhin darf die Freiwillige Feuerwehr der umliegenden Orte das Gebiet – an ausgewählten Tagen – dann doch betreten.

Königsbrücker Heide: Warum die Freiwillige Feuerwehr eine Splitterschutzweste braucht?

>>Blaulicht-Magazin.net<<

„Gebiet in der Königsbrücker Heide brennt wieder! … Das Stichwort lautete wieder: Waldbrand. Nachdem das verheerende Feuer vom September für gelöscht gehalten wurde, stehen derzeit wieder 5.000 Quadratmeter in Flammen. „Eine aktive Brandbekämpfung ist aufgrund der Munitionsbelastung nicht möglich“, so die Feuerwehr Königsbrück auf ihrer Facebook-Seite.“

„Eine aktive Brandbekämpfung ist aufgrund der Munitionsbelastung nicht möglich“ 

Ein kleiner – eigentlich harmloser – Waldbrand kann sich schnell zum Himmelfahrtskommando entwickeln. Die letzten Soldaten haben bereits Anfang der 1990er Jahre das Gebiet verlassen, aber es können dort theoretisch immer noch scharfe Granaten aus der Kaiserzeit liegen. Offenbar fühlt sich für die Munitionsbeseitigung keine Behörde zuständig und die Freiwillige Feuerwehr sollte sich lieber Splitterschutzwesten und eine gute Lebensversicherung zulegen. Aber damit längst nicht genug: Um das eigentliche Naturschutzgebiet wurde noch zusätzlich eine „Pufferzone“ angelegt.

„Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes“ – „Es dient als Pufferzone“

>>Alles-Lausitz.de<<

„Ein weiteres großes Vorhaben bildet die geplante Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) „Königsbrücker Heideland“, das sich wie ein Gürtel rings um das NSG herum erstrecken soll. Es dient als Pufferzone und sichert den Erhalt der vorhandenen Kulturlandschaft. „Für die Bevölkerung ist das kaum mit Einschränkungen verbunden“,  … Wie in der gesamten Westlausitz … in der Königsbrücker Heide große Mengen an Bruchholz hinterlassen.“

„Pufferzone“ – Sperrgebiet wächst weiter: „Für die Bevölkerung ist das kaum mit Einschränkungen verbunden“

Der ursprüngliche Truppenübungsplatz aus dem Jahr 1907 wächst selbst in moderner Zeit immer weiter. Die Interessen der einheimishen Bevölkerung nehmen bestenfalls eine untergeordnete Statistenrolle ein. Ursprünglich war die Königsbrücker Heide mehrheitlich durch Sorben besiedelt.

 

–W E R Β U Ν G–

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