„Propagandaarbeit gegenüber Lehrkräften staatlicher Schulen“

Screenshot schoolbusads.org

Aufgrund der Schulpflicht sind Eltern gezwungen ihre Kinder in eine Schule zu schicken. Eine Weigerung kann sogar Gefängnisstrafen nach sich ziehen. Allerdings, manche Bildungsveranstaltungen sind in Wirklichkeit reine Werbeaktionen. Eltern werden darüber kaum informiert und auf diese Weise hinters Licht geführt.

>>Spiegel<<

„An einer Bielefelder Grundschule übernimmt ein Möbelhaus die Verkehrserziehung. „Am 22. September war die Firma Porta Möbel mit dem Projekt ‚Helm auf!‘ zu Gast“, heißt es auf der Seite der Schule. In einer „lehrreichen und anschaulichen Unterrichtsstunde“ erfuhren alle Dritt- und Viertklässler, wie wichtig es ist, einen Fahrradhelm zu tragen. Das Möbelhaus hatte auch welche zu verschenken – natürlich mit deutlich sichtbarem Firmenlogo. Die Helme bekamen die Kinder allerdings nicht ausgehändigt, sondern nur einen Gutschein – einzulösen im nächstgelegenen Porta Möbelhaus. Die Werbeidee dahinter ist klar: Die Eltern holen den gratis Fahrradhelm für den Nachwuchs ab, und wenn sie schon mal da sind, schauen sie sich vielleicht noch nach einem neuen Sofa oder Esstisch um. In der Nähe der Filialen fahren Dutzende Schüler mit Porta-Helmen herum. Ihre Köpfe werden zu Werbetafeln. Die Aktion in Bielefeld ist kein Einzelfall. … Sponsoring an Schulen gibt es bereits seit Langem. Was erlaubt ist und was nicht, regelt in jedem Bundesland das jeweilige Schulgesetz. In den meisten Fällen ist Sponsoring okay, wenn der Lerneffekt deutlich größer ausfällt als der Werbeeffekt. Politiker zweifeln, dass das bei der Aktion „Helm auf“ der Fall ist. In Hessen regt sich deshalb Widerstand. „Die Aktion hätte definitiv nicht stattfinden dürfen“, kritisiert der bildungspolitische Sprecher der SPD im Hessischen Landtag, Christoph Degen. Die SPD fragte bei der Schwarz-Grünen Landesregierung nach, was sie von der Aktion halte. In der Antwort, die dem SPIEGEL vorliegt, steht, es sei unzulässig, wenn Schüler „während oder ausgelöst durch eine schulische Veranstaltung zum Aufsuchen von Geschäftsräumen eines Unternehmens aufgefordert werden, um dort mittels Gutschein kostenfreie Produkte bedruckt mit einem Firmenlogo zu erhalten“. Das Ministerium warnte daraufhin in einer Rundmail an alle Schulleiter vor Werbeaktionen, die Schüler in Geschäftsräume von Sponsoren locken sollen. Porta wird darin jedoch nicht explizit genannt.“

 

>>Lobbycontrol<<

„Vor Kurzem machte uns eine LobbyControl-Unterstützerin aus Leipzig auf eine Schul-Aktion der Krankenversicherung Barmer aufmerksam, die uns aufhorchen ließ. Ein Laufwettbewerb in der Schulzeit, an dessen Ende ein Finale in einem Einkaufzentrum stand. Ein ähnliches Projekt hatte vor einigen Jahren für heftige Kritik gesorgt: Bei „Speed4“ hatten Kinder im Unterricht Markenlogos von Unternehmen gesammelt, um diese am Finaltag in Geschenke einzutauschen. Damit kamen Firmenlogos direkt ins Klassenzimmer beziehungsweise in die Sporthalle der Schulen.“

 

>>Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<<

„Mit Sorge beobachtet die GEW, dass sich die Bundeswehr in letzter Zeit verstärkt um größeren Einfluss in den Schulen bemüht. Es wurden Fälle bekannt, in denen Waffenschauen und Informationsveranstaltungen auf Schulhöfen und in Turnhallen stattfanden. Kooperationsabkommen mit Landesregierungen unterstützen das offensive Vorgehen der Bundeswehr.“

 

>>German Foreign Policy<<

„Die Bundeswehr verstärkt ihre Propagandaarbeit gegenüber Lehrkräften staatlicher Schulen. … Wie die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) mitteilt, hatte sie unlängst angehende Lehrerinnen und Lehrer des Staatlichen Studienseminars aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz zu Gast. Thema der Zusammenkunft seien die „zentrale[n] Herausforderung[en] des schulischen Alltags“ in den Fächern Politik und Sozialkunde an Gymnasien gewesen, heißt es. Diskutiert wurde laut BAKS unter anderem, wie es gelingen kann, „die Inhalte des Lehrplans mit der Aktualität zu vernetzen“ und „Realität didaktisch soweit (zu) reduzieren, dass sie in eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten hineinpasst“. Die Bundesakademie lieferte den Referendaren dabei nach eigenem Bekunden „zahlreiche Impulse“ für den pädagogischen Umgang mit „aktuellen Brennpunkten internationaler Politik“ – und konnte selbst die „wertvolle Gelegenheit“ nutzen, „Einblicke in die schulische Vermittlung außen- und sicherheitspolitischer Themen und das diesbezügliche Interesse der Schülerinnen und Schüler zu erhalten“.

 

>>20 Minuten<<

„Am Donnerstag ist eine Berner Berufsschullehrerin im Nikab im Unterricht erschienen. Sie wollte so den Schülern «kulturelle Vielfalt» und den Islam näher bringen. «Sie kam ohne Ankündigung voll verschleiert in die Klasse und begann, aus dem Koran vorzulesen», heisst es aus der Schülerschaft der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (Gibb). Am Donnerstagmorgen überraschte eine Lehrerin im Fach Allgemeinbildung rund zwanzig Schüler einer Klasse mit Fachrichtung Architektur mit ihrem ungewöhnlichen Auftritt. «Sie meinte es ernst. Es ging darum, den Koran als gut darzustellen», so die Version aus Schülersicht. Die Lehrerin las deshalb daraus vor und liess rund zwanzig Minuten lang «Gebetsmusik» laufen.“

 

>>Welt<<

„Die Weigerung eines Schülers aus Rendsburg in Schleswig-Holstein, eine Moschee zu betreten, beschäftigt zurzeit die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Der 13-Jährige war am 14. Juni dem Schulausflug seiner Erdkunde-Klasse aus weltanschaulichen Gründen ferngeblieben. Wegen des „Schulschwänzens“ sollten seine Eltern Bußgelder von jeweils 150 Euro bezahlen.“

Alleine die Weigerung der Eltern ihre Kinder von bestimmten Schulveranstaltungen fern zu halten, kann teure Busgelder und langwierige Gerichtsverfahren nach sich ziehen.

 

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