Rundfunkgebühr – Ideologie der Pharaonen-Herrschaft: Warum die Beitragszahler nicht mehr zu Wort kommen dürfen

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Tendenziöse Berichterstattung ist vermutlich so alt, wie die Schrift selbst. Schon die Pharaonen ließen ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Heldentaten in Hieroglyphen verewigen. Das erhaltene WerkDer Gallische Krieg“ von Gaius Julius Caesar kommt weniger als objektiver Tatsachenbericht, sondern wohl eher als Propagandawerk daher: Praktisch alle seine Feinde wurden darin abgewertet und Gaius Julius Caesar selbst als eine Art von Übermensch gepriesen. Sicherlich sollte es seiner späteren Karriere im antiken Machtzentrom von Rom hilfreich sein.

„Der Gallische Krieg“ – Wie Gaius Julius Caesar in der Antike Propaganda machte

Doch durch das Aufkommen des Buchdrucks im 15. Jahrhundert hatte diese Form der Beeinflussung weitestgehend ausgedient. Kritische Gedanken wurden in Büchern und Flugschriften – eine Art von Zeitung – geäußert. Ein gewisser Paolo Sarpi aus Venedig hat bereits im 16. Jahrhundert eine Strategie dagegen entwickelt.

Propaganda im 16 Jahrhundert: „Machte aus einer Versammlung göttlich inspirierter Kirchenväter einen erdennahen Diplomatenkongreß“

>>Der Morgen der Welt von Bernd Roeck (Buch) <<

„Historiker ersten Ranges war Paolo Sarpi (1552–1623), ein asketischer, gleichwohl umfassend gebildeter Servitenmönch. Seine Darstellung des Trientiner Konzils machte aus einer Versammlung göttlich inspirierter Kirchenväter einen erdennahen Diplomatenkongreß. Man mußte wohl Venezianer sein wie Sarpi und daher mit eingeborener Abneigung gegenüber allem römischen Wesen gesegnet, um ein solches Werk zustande bringen zu können.“

Über Paolo Sarpi: „Mit eingeborener Abneigung gegenüber allem römischen Wesen gesegnet“

Die mannigfaltig auftretende Kritik an Venedig sollte durch eigene – hauptsächlich harmlose – kritische Verlautbarung begegnet werden. Ansonsten wurden die eigenen Erfolge betont und alle Widersacher gnadenlos niedergeschrieben. Dieses Grundkonzept wurde auch in späterer Zeit in Form des Films adaptiert.

Vom Paolo Sarpi zur NS-Wochenschau

>>Der Pakt Hollywoods Geschäfte mit Hitler von Ben Urwand (Buch) <<

„Die Wochenschau. Hier bot sich ihm eine Gelegenheit, seine rednerischen Fähigkeiten mit einer Art von Film zu verknüpfen, der von Kunst unbelastet war. … Eines Abends sah er eine der vom Propagandaministerium geplanten Wochenschauen und reagierte recht heftig darauf. Zunächst erhob er Einwände gegen die Darstellung der regulären Nachrichten: „Ich wünsche nicht, dass bei Veranstaltungen nur Aufnahmen von meiner Person gemacht werden. Die Veranstaltungen müssen in ihren Einzelheiten besser erfasst werden. Die Wochenschau muss über die Entstehung der neuen Bauten, technischer Werke, sportlicher Veranstaltungen mehr bringen. Der Bau der neuen Kongresshalle in Nürnberg ist z.B. noch nicht einmal erschienen.“

Wie Hitler höchstperönlich der NS-Wochenschau den letzten Schliff verlieh

In Zeiten des Internets wollen die bewegten Bilder der Wochenschau einem ganz anderen Eindruck vermitteln. Tatsächlich waren Fernseher zu dieser Zeit wenig verbreitet und die winzigen Flimmerkisten – mit abenteuerlicher Auflösung – waren zur Massenbeeinflussung wohl kaum geeignet. Die Wochenschau wurde deshalb – wie der Name bereits andeutet – nur einmal in der Woche produziert und vorwiegend in Kinos – vor den eigentlichen Spielfilm – gezeigt. Zu dieser Zeit konnten noch – weltweit – Radio und Zeitung die Oberhand zur Massenkommunikation verteidigen. Aber auch bei der NS-Wochenschau ist – im übertragenen Sinn – die „Handschrift“ von Paolo Sarpi durchaus erkennbar.

Haltung zeigen! – So lautet die neue herausgegebene Parole

Doch in der heutigen Zeit ist man eher zur Ideologie der Pharaonen-Herrschaft zurückgekehrt. Kritik an Regierungspolitik ist zur seltenen Ausnahme geworden und umstrittene Portale wie Faktenfinder haben die absolute „Wahrheit“ für sich reklamiert. Absolut nichts soll mehr in die eigene Filterblase hineinkommen und ganz bewusst will man kein öffentliches Forum für andere Gedanken mehr bieten. Haltung zeigen! – So lautet die herausgegebene Parole und ein ganz Buch will die vergebene Denkrichtung vorgeben. Vermeintlich soll damit Desinformation und Falschnachrichten bekämpft werden, aber selbst nimmt man es mit der Wahrheit nicht so genau.

Haltung zeigen! im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk – Warum deren Glaubwürdigkeit längst verspielt wurde

>>Der Tagesspiegel<<

„Eine Journalistin des WDR ließ sich über eine Website Komparsen für Dokumentationen vermitteln. Diese traten unter mehreren Identitäten auf. … Unter anderem seien zwei Mitwirkende in Filmen der Reihe „Menschen hautnah“ über eine Komparsenvermittlung gewonnen worden. … Filmen berichten Menschen über ihre Beziehungen, etwa unter dem Aspekt „Vernunftehe“ oder „Affären“.

„Eine systemische Fehlentwicklung beim Dokumentarfilm und in den für ihn zuständigen Redaktionen gäbe“

Komparsen erzählen fiktive Geschichte und das ganze „Machwerk“ geht als öffentlich-rechtliche Dokumentation durch? – Leider stellt es kein Einzelfall dar und dahinter ist durchaus eine tieferes System zu erkennen.

„Der Film „Lovemobil“ hat Preise gewonnen“ – Genauso wie einst Claas Relotius

>>Übermedien<<

„Der Film „Lovemobil“ hat Preise gewonnen, wurde nominiert, wurde gefeiert. … Rollberg betreute als Professorin den Diplomfilm von Lehrenkrauss. Sie sagt, dass es eine systemische Fehlentwicklung beim Dokumentarfilm und in den für ihn zuständigen Redaktionen gäbe: „Und dieser Film ist ein Symptom dieser Fehlentwicklung.“ … Filme müssten heute vorab viel zu sehr durchgescriptet werden, … „

„Und dieser Film ist ein Symptom dieser Fehlentwicklung“

Die Ergebnisse solche „Dokumentarfilme“ werden bereits lange im Voraus festgelegt. Also müssen Recherche und Sammlung von Fakten weitestgehend ausbleiben. Schließlich, was würde passieren: Sobald recherchierte Fakten nicht mehr zum vorher festgelegten Ergebnis des Dokumentarfilms passen würden? Zeitdruck und ein knappes Budget vieler freier Redakteure lassen kaum einen Spielraum übrig. Oder anders ausgedrückt: Solche Reportagen sind – aus Sicht der Sendeanstalten – erwünscht, was die verliehenen Preise recht deutlich belegen. Claas Relotius dürfte hierfür das beste Beispiel sein: Über seine frei erfundenen Geschichten konnte er reihenweise Journalistenpreise abräumen.

Wie frei erfundenen Geschichten zu Journalistenpreisen führen

Solche Phänomene sind auch aus der modernen Wissenschaft bekannt. Vereinfacht: Es werden Fakten verdreht und Erkenntnisse weggelassen, um sie der vorher festgelegten Theorie anzupassen.

Gebührengelder: Wie Filterblasen von Sendeleitungen eine neue Realität erschaffen wollen

Immerhin legen solche Art von „Dokumentationen“ eine andere Form der „Wahrheit“ offen: Durch Mangel an Austausch mit der übrigen Bevölkerung und die üppig fließende Gebührengeldern hat diese selbst-erschaffene Filterblase eine ganz eigene „Sichtweise auf die Welt“ entwickelt: Die Reportagen spiegeln wohl eher die geistige Einfältigkeit der Sendeleitungen wider, was gewiss auch eine Form der unfreiwilligen „Wahrheit“ sein kann.

 

–W E R Β U Ν G–

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