Schattenwelt: Wenn Geheimdienste mit Flugzeugen fliegen

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Viele zivile Großraumflugzeuge sind mit überdimensionierten Firmenlogos verziert, haben eine Webpräsenz und machen reichlich Werbung für die eigene Sache. Aber von diese Regel gibt es Ausnahmen. Flugzeuge mancher Geheimdienste fallen in der Regel durch ihre übertriebene Unauffälligkeit auf: Kein Firmenlogo auf den Flugzeug und keine oder eine bescheidene Webpräsenz im Internet. Die Anfänger der Geheimdienstfliegerei, können wohl ungefähr im Jahr 1916 festgemacht werden. Mit der Escadrille La Fayette, flogen amerikanische „Freiwillige“ bereits ein Jahr vor den offiziellen Kriegseintritt der USA für die Entente.

>>Pearl Harbor von Takuma Melber (Buch) <<

„Nachdem Chennault den Dienst im US-Army Air Corps, dem Vorläufer der US-Air Force, quittiert hatte, stand er ab 1937 als Luftwaffenberater in den Diensten der chinesischen Regierung Chiang Kai-sheks. Diese entsandte Chennault in der Folgezeit nach Washington, um die USA um Freiwillige und Flugzeuge zur Neuformierung der im Laufe des Krieges gegen Japan zusammengebrochenen chinesischen Luftverteidigung zu bitten. Ab dem Sommer 1941 trainierte Chennault schließlich die «Flying Tigers», eine Fliegerstaffel amerikanischer Freiwilliger für einen Kampfeinsatz gegen Japan. Tatsächlich autorisierte US-Präsident Roosevelt nach Japans Intervention in Französisch-Indochina am 23. Juli 1941 ein von Chennault initiiertes militäroperatives Vorhaben durch seine Unterschrift: 66 leichte Bomber sollten japanische Industriestädte bombardieren, um die Produktion von Waffen und Gütern zu behindern, die für Japans Wirtschaft von essentieller Bedeutung war.“

Erst am 8. Dezember 1941 traten die USA offiziell in den Zweiten Weltkrieg ein und zwar genau einen Tag, nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Aber schon Jahre zuvor, wurden bereits Tatsachen geschaffen, indem sogenannte „Militärberater“ nach China entsandt wurden. In der Realität dürften die sogenannten „Militärberater“ wohl Agenten des Geheimdienstes sein – alleine schon die Biographie der Protagonisten spricht für sich selbst. Ein maßgeblicher Akteur jener Jahre, war ein gewisser General Claire Lee Chennault. Dieser machte auch nach den Zweiten Weltkrieg munter weiter Karriere.

>> Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel von Alfred W McCoy  (Buch) <<

„Nicht nahm das OPC Trumans Befehl einer Invasion Südchinas in Angriff, auch die Idee dazu hatten die Geheimdienstler vermutlich zwei Jahre zuvor selbst ersonnen. Als kommunistische Kräfte im Mai 1949 nach Süden vorstießen und ihr Sieg sicher schien, kam General Claire Lee Chennault, während des Zweiten Weltkriegs Kommandeur der berühmten Flying Tigers in China, nach Washington, um sich für eine Geldspritze zugunsten des sterbenden Guomindang-Regimes einzusetzen. Mit »einer kleinen Schar entschlossener Männer, die das Gelände kennen«, und großzügiger Luftunterstützung könnten die Amerikaner den chinesischen Nationalisten und ihren Provinzkriegsherren helfen, sich entlang der chinesischen Westgrenze von den Wüsten im Norden bis zu den Bergen Yunnans im Süden einzugraben. Das Außenministerium wies Chennaults Pläne als »nicht praktikabel« von der Hand, aber er fand einen überzeugenden Fürsprecher in Helliwell. Auf dessen Vermittlung hin traf General Chennault im Hotel Washington OPC-Direktor Frank Wisner und überzeugte ihn, den Plan durch die Subventionierung der Civil Air Transport (CAT) zu unterstützen. Die CAT war General Chennaults eigene Chinafluglinie, die damals auf den Bankrott zutorkelte. Mit Helliwells entschiedener Unterstützung stimmte das OPC einer jährlichen Subventionierung von einer Millionen Dollar für die chinesischen Operationen der CAT zu und entsandte seinen Guerillaexperten, OSS-Veteran Alfred T. Cox, um mit CAT durch China zu fliegen und Geld und Munition an überlebende Kriegsherren zu verteilen. Trotz der OPC-Unterstützung in letzter Minute setzte sich der Zusammenbruch des nationalistischen Regimes fort. Innerhalb von vier Monaten stießen die Kommunisten an die Westgrenze vor, und die letzte CAT-Maschine verließ China mit einem Kriegsherrn als Passagier, der seinen Schatz von 1,5 Millionen Dollar in Goldbarren mit sich führte. Obwohl im höchsten Maße donquichottesk, lieferte dieser Versuch, den Lauf der chinesischen Geschichte mit einer Flotte alternder Flugzeuge umzukehren, sowohl die Inspiration als auch die Infrastruktur für die späteren Infiltrationsversuche von OPC/CIA. Nach dem Verlust seiner Chinarouten vor dem sicheren Bankrott stehend, verkaufte Chennault im August 1950 mit freundlicher Hilfe des OPC seine Fluglinie CAT für 950 000 Dollar an die CIA. Mit dem Kauf der Civil Air Transport, später umgetauft in Air America, hatte die CIA die Lufttransportfähigkeit erworben, die ihre verdeckten Operationen, Versuche zur Invasion Chinas eingeschlossen, im folgenden Vierteljahrhundert tragen sollte.“

Air America – als Tarnunternehmen der CIA, ist mittlerweile aufgelöst, aber an den Modus Operandi, hat sich in all den Jahren eigentlich nicht viel geändert.

>>Galileo<<

„Irgendwas stimmt nicht mit diesem Flugzeug. Warum steht der Name der Airline nicht drauf? Und wieso darf kein normaler Passagier einsteigen? Ganz einfach: Eigentlich soll niemand von der Airline JANET wissen. Die Flieger heben zwar vom McCarran International Airport ab, genau wie Flugzeuge der Airlines Delta oder US Airways. Doch einen Flug mit JANET kann man nicht buchen. Die Fluggesellschaft hat auch keinen öffentlichen Abfertigungsbereich. Trotzdem fliegen 12 Mal täglich etwa 1.000 Passagiere mit JANET. Jetzt fragst du dich, wie das geht? Und wieso so ein Geheimnis um die Airline gemacht wird? Weil alle Passagiere in geheimer Mission unterwegs sind. Trotzdem: So geheim konnte man die Fluglinie nicht halten — sie hat einen Wikipedia-Eintrag. Daher weiß man, dass JANET unter anderem zu Luftfahrtstützpunkten und nuklearen Testzonen fliegt. Außerdem befördert sie ausgewählte Passagiere in militärische Sperrgebiete wie die sagenumwobene Area 51. Erst 2013 wurde die Existenz der Airline vom amerikanischen Geheimdienst CIA bestätigt.“

 

>>Europäisches Parlament (PDF-Datei) <<

„Im Zusammenhang mit den außerordentlichen Überstellungen hat die CIA für die Anmietung von Flugzeugen oft private Unternehmen und Charterdienste benutzt. Mit Zivilflugzeugen können Orte erreicht werden, an denen eine Landung von Militärflugzeugen Verdacht erregt hätte. Durch den Einsatz von Zivilflugzeugen umgeht die CIA die Verpflichtung, die von einigen Staaten geforderten Informationen über den Einsatz von Regierungs- oder Militärflugzeugen zu liefern. Die meisten dieser Unternehmen sind so genannte „shell companies“ (Strohfirmen): Diese bestehen nur auf Papier (beispielsweise aus Postfächern) bzw. nur aus einem einzigen Angestellten (in der Regel einem Rechtsanwalt). Diese Strohfirmen erscheinen als Eigner von Flugzeugen, die systematisch gekauft und gleich wieder verkauft werden. Nach jeder Transaktion werden die Flugzeuge neu registriert, um ihre Herkunft zu verschleiern. Ein gutes Beispiel eines solchen Scheingeschäftes ist die Geschichte von Premier Executive. Diese Firma hat als Geschäftsadresse ein Postfach außerhalb von Washington. Premier Executive besaß zwei Flugzeuge: Einen Gulfstream V und eine Boeing 737, die von der CIA für außerordentliche Überstellungen benutzt wurden. Beide Flugzeuge gehörten Steven Express, einer weiteren Strohfirma. Steven Express hat eine Geschäftsadresse in Tennessee, jedoch keine entsprechenden Geschäftsräume. Steven Express wurde im Namen von Devon Holding, einer weiteren Strohfirma, von einem Rechtsanwalt übernommen. Dieser Rechtsanwalt war der alleinige Vertreter/Angestellte von Devon Holding. Durch diese Art von Scheingeschäften lassen sich die Spuren der CIA-Flugzeuge vertuschen, und somit werden auch alle Hinweise auf illegale Operationen in Verbindung mit den Flugzeugen zerstört. … Aero Contractors wurde 1979 von Jim Rhyne, einem ehemaligen Piloten von Air America gegründet, deren Maschinen die CIA während des Vietnamkrieges benutzt hatte. Die Piloten von Aero Contractors si nd nach Angaben der New York Times „die diskreten Busfahrer des Kampfes gegen des Terrorismus, die routinemäßig auf Geheimmissionen nach Bagdad, Kairo, Taschkent und Kabul geschickt werden“. Die New York Times führt weiter aus: „Aero Contractors ist in der Tat ein wichtiger nationaler Dreh- und Angelpunkt für die Geheimflüge des amerikanischen Geheimdienstes“. So mietete Aero Contractors gemäß den Aufzeichnungen der amerikanischen Flugsicherungsbehörde seine Flugzeuge von Premier Executive Transport (Strohfirma) an, und zwar Boeing 737-Maschinen ( N 4476S , vormals N313P ). Aero Contractors hat keine Webseite und betreibt auch keine Werbung für seine Tätigkeit. Alle Ressourcen kommen von der CIA, von der US-Armee und anderen Regierungsstellen. Gleichwohl blei bt Aero Contractors eine tatsächlich existierende Firma mit Geschäftsräumen und 80 Beschäftigten.“

 

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