Schwere Geschütze: Wie Whistleblower entarnt werden

Screenshot youtube.com

Der Schutz von Whistleblower ist noch immer unzureichend. Die Aufdecker von Missständen riskieren bei ihren Taten, noch immer langjährige Gefängnisstrafen. Dabei werden für deren Enttarnung, schwere Geschütze aufgefahren.

>>Anatomie des Verbrechens: Meilensteine der Forensik von Val McDermid (Buch) <<

„Als Kathleens Tochter das Testament sah, war sie schockiert und fand es »unvorstellbar«, dass ihre Mutter es geschrieben hatte. Sie informierte die Polizei, die anordnete, dass die Leiche exhumiert und eine Obduktion durchgeführt wurde. Inzwischen entdeckten die Ermittler einen von Shipmans Fingerabdrücken auf dem Testament und konnten ihn mit einer abgenutzten alten mechanischen Brother-Schreibmaschine in Zusammenhang bringen, die in seiner Praxis stand. Der Serienmörder Harold Shipman und (eingefügt) ein Begleitbrief zu dem gefälschten Testament seines letzten Opfers, Kathleen Grundy. Der Brief, so wurde später festgestellt, wurde auf einer Schreibmaschine in Shipmans Praxis geschrieben.“

 

>>Bundeskriminalamt<<

„Die Untersuchung der Dokumente umfasst auch die Überprüfung der maschinell erzeugten Ausfüllschriften mit dem Expertensystem AKIM (Automatische Kodierung und Identifizierung von Maschinenschriften). Es gestattet, Maschinenschriften über Mustererkennung zu klassifizieren und die Variante einer verwendeten Schrift automatisch zu bestimmen. Durch den Vergleich der Schriftzeichen mit der elektronisch gespeicherten Mustersammlung im KTI kann festgestellt werden, mit welcher „Schreibmaschine“ der Ausweis beschriftet wurde, wobei mit Schreibmaschine neben den klassischen Modellen alle Arten digitaler Ausgabegeräte wie Nadel-, Inkjet- und Laserdrucker gemeint sind. Darüber hinaus ist es über einen Vergleich mit der Mustersammlung möglich, individuelle Merkmale einzelner Zeichen zu erkennen, die eine Zuordnung der Eintragungen zu einem bestimmten, sichergestellten Gerät ermöglichen.“

 

>>Futurezone.de<<

„NSA und deren Dienstleister verwenden seit Jahren ein System, bei dem beim Drucken unsichtbare Muster in gelber Farbe in den Weißraum von Dokumenten eingedruckt werden. So kann zweifelsfrei nachvollzogen werden, wann welches Dokument von welchem Drucker aus gedruckt worden sind. Im Fall des bei „The Intercept“ aufgetauchten Dokuments traf dies auf sechs Personen zu, die zu dem Zeitpunkt in Frage gekommen waren, weil sie das besagte Dokument ausgedruckt hatten. Doch nur eine von ihnen verschickte auch von ihrem privaten Gmail-Account aus eine Mail an „The Intercept“: Reality Leigh Winner. Ein Redakteur von „The Intercept“ hatte US-Behörden zur Überprüfung eine Kopie via Foto zukommen lassen, postet „WikiLeaks“ in einem Tweet. Daraus war nicht nur ersichtlich, dass das Dokument ausgedruckt worden war, sondern auch wo: in Georgia.“

 

>>Maclife.de<<

„Lavabit hat eine beeindruckende Geschichte hinter sich: Bevor Edward Snowden zum vielleicht berühmtesten Whistleblower der Welt wurde, griff er bereits auf den E-Mail-Provider Lavabit zurück. Lavabit warb damit, dass die E-Mails seiner Nutzer sicher verschlüsselt seien und auch die Identität des Senders und Empfängers einer E-Mail geheim bleibe. Auch Meta-Daten wie der Login-Zeitpunkt oder Login-Ort sollten niemals verraten werden. Nachdem Snowden Dokumente veröffentlichte, die belegen, dass die NSA und andere Geheimdienste jede Art von Privatsphäre missachten, versuchten US-Strafverfolgungsbehörden jedoch Einblick in sein Lavabit-Mail-Konto zu erhalten. Sie wollten deshalb den Betreiber Lavabits zur Herausgabe des SSL-Schlüssels zu zwingen. Dies hätte bedeutet, dass US-Sicherheitsbehörden Einblick in das Nutzerverhalten aller Lavabit-Anwender erhalten hätten. Ladar Levison folgte dieser Aufforderung nicht, stand zu seinen Überzeugungen, riskierte eine Gefängnisstrafe und stellte Lavabit von einem Tag auf den anderen ein. Sämtliche Schlüssel löschte er. Damit konnte niemand mehr rückwirkend in den Dienst Einblick nehmen und nachsehen, wer an wen eine E-Mail mit welchem Inhalt geschrieben hatte.“

Viele E-Mail-Anbieter und Hersteller von Druckern dürften mit den Geheimdiensten zusammenarbeiten. Ungeachtet dessen, kann auf bestimmte Informationen nur ein begrenzter Kreis an Personen zugreifen: Auch auf diese Weise kann ein Whistleblower identifiziert werden.

 

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