Shift6m: Das nachhaltige Smartphone

Screenshot shiftphones.com

Das Unternehmen >>Shift<< entwickelt ein Smartphone, das >>Shift6m<< , was den Grundsätzen der Nachhaltigkeit, als auch Langlebigkeit und gerechte Löhnen entsprechen sollen.

>>Golem.de<<

„Bereits seit ein paar Jahren baut das Team der Shift GmbH Smartphones, deren Produktion auf Nachhaltigkeit und Recycling basieren soll. Die Business-to-Business-Messe Cebit war für das Unternehmen eine Gelegenheit, um das seit einigen Wochen erhältliche 5,7-Zoll-Gerät Shift6m und die kommende kleinere 5-Zoll-Version vorzustellen. Golem.de konnte sich das Gerät genauer anschauen und einen Einblick in die Firmenphilosophie bekommen, die an Fairphone erinnert. Die Shift GmbH kooperiert mit einem chinesischen Fertigungspartner und der ebenfalls chinesischen Organisation für faires Arbeitsrecht Taos. Die zehn Werksarbeiter in der Fabrik werden mit wesentlich höheren Löhnen als üblich bezahlt – in einem mittlerweile etwas älteren Bericht von 2016 spricht Shift von Löhnen von umgerechnet 430 Euro monatlich. Das ist etwas mehr als der doppelte Durchschnittslohn in der Region. Auch die Anzahl der Urlaubstage soll hoch und eine 40-Stunden-Woche üblich sein, sagen uns die Entwickler persönlich und im erwähnten Bericht. Finanziert wird das alles über Crowdfunding und Vorbesteller. Shift will von großen Geldgebern unabhängig bleiben. Interessant ist, dass sie dabei niemals überheblich wirken. Im Gegenteil: Sie wollen sich nicht einmal mit der Konkurrenz vergleichen, sondern sehen sich zusammen mit dem niederländischen Unternehmen Fairphone nach eigenen Aussagen als „gemeinsame Kämpfer für dieselbe Sache“. Dabei versucht Shift genau wie die Entwickler des Fairphones, eine möglichst transparente und nachhaltige Herstellungskette aufzubauen. Das fängt bei der Auswahl der Rohmaterialien an: Statt auf den umstrittenen Werkstoff Coltan zu setzen, verbaut Shift Kondensatoren aus Keramik. Der Grund: Coltan wird unter menschenunwürdigen Bedingungen in Minen im Kongo gefördert. Die Nutzung solcher Konfliktmaterialien will der Hersteller nicht unterstützen. Auch das verwendete Lötzinn soll aus fairer Produktion stammen. Dabei eine transparente Produktionskette aufzubauen, ist für die Hersteller eine schwierige Aufgabe. Als Problemfaktor sehen die Gründer Samuel und Carsten Waldeck die Politik in China. Dort würden Informationen oft nicht weitergegeben, da sie als Betriebsgeheimnis angesehen werden. Geduld und diplomatisches Verständnis seien deshalb Pflicht, heißt es. Auf den ersten Blick fühlt sich das Shift6m wie ein etwas älteres Nexus-Smartphone an. Es hat einen gummierten Rücken, wodurch es fest und sicher in der Hand liegt. Auf der Vorderseite befindet sich das 5,7 Zoll große Full-HD-OLED-Panel des Gerätes. Es kann hier kein Full-Screen-Design erwartet werden, was das Gehäuse etwas größer macht als aktuelle Topmodelle von Herstellern wie Samsung, Huawei oder Apple. Das ist aber auch nicht der Anspruch des Produktes. Es soll einfach unter gerechten Umständen gebaut werden. Das Shift6m wirkt auch nicht wie eine Kopie eines anderen Herstellers. Das wird auch an der ungewöhnlichen Anordnung der Knöpfe deutlich: Der Power-Schalter befindet sich nahe der oberen rechten Ecke, darunter sind die Lautstärkeregler positioniert. Geladen wird das Smartphone über einen USB-Typ-C-Anschluss. Ein USB-Kabel wird mitgeliefert. Ein passendes Netzteil wurde aus Kostengründen weggelassen. Dafür erhalten Käufer eine schwarze Schutzhülle aus recyclebarem Gummi. Auf der Rückseite des Telefons befinden sich ein Fingerabdrucksensor und eine 21-Megapixel-Kamera, die von einer 13-Megapixel-Linse an der Front ergänzt wird. Das schwarze Gehäuse des Telefons ist aus Polycarbonat gefertigt, das ebenfalls zu 90 Prozent wiederverwertbar sein soll. Das Recyclingkonzept präsentiert Shift als recht durchdachtes System mit einem interessanten Plus: Sollten Nutzer ihr Gerät nicht mehr brauchen oder sollte es zerstört sein, dann können sie den Rest für eine Erstattung von 22 Euro beim Hersteller eintauschen. Noch brauchbare Teile kann das Unternehmen nämlich wiederverwenden. Gebrauchte Geräte werden zudem aufbereitet und erneut verkauft oder für Hilfsprojekte eingesetzt. Beim verwendeten SoC handelt es sich um einen Mediatek MT6797X (Helio X27). Das ist ein Multikernprozessor, der unter Last mit zwei ARM-Cortex-A72-Kernen bei 2,6 GHz arbeitet. Der Chip integriert allerdings noch einmal vier Cortex-A53-Kerne mit 2,0 GHz und vier Kerne gleichen Typs mit 1,6 GHz Takt. Insgesamt ist diese CPU nicht ganz so flott wie ARM-Chips von Qualcomm. Aus diesem Grund will das Unternehmen eine Variante mit Snapdragon 821 oder besser anbieten. Die höheren Lizenzkosten bedeuten allerdings auch einen höheren Preis, den Shift mit 777 Euro angibt. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, der Massenspeicher beträgt 64 GByte. Diesen Speicher können wir mit einer Micro-SD-Karte erweitern. Außerdem passen über dem Akkufach zwei Nano-SIM-Karten in das Gerät. Das Shift6m wird mit einem angepassten Android-Betriebssystem ausgeliefert. Die eigens entwickelte Custom ROM Shift OS basiert momentan auf Android 8.0 und erinnert sehr an das unmodifizierte Android – allerdings mit Unterschieden bei den Animationen und anderen kleinen Details. Es gibt auch ein Shift OS, das ohne Google-Play-Dienste ausgeliefert wird, für Kunden, die das nicht brauchen oder Google gegenüber misstrauisch sind. Die Shift-Entwickler arbeiten dabei mit der Community um das Custom ROM Lineage OS zusammen, um ihre Software stetig zu entwickeln. Das 550 Euro teure Shift6m soll in Zukunft auch als Fünf-Zoll-Variante erscheinen: dem Shift5me. Das sei ein Resultat aus dem Nutzerfeedback, das das Team erhalten habe, heißt es auf dem Stand. Vielen Nutzern ist das 5,7-Zoll-Modell zu groß und die einhändige Bedienung zu schwierig. Das Fünf-Zoll-Gerät ermöglicht dies und wird aus fast identischen Bauteilen, etwa einer baugleichen Hauptplatine, hergestellt. Nur das Display nutzt die IPS-Technik statt OLED. Das sei einfach preiswerter, erklärt der Hersteller. Der Preis für das kleine Smartphone soll um 450 Euro liegen. Es kann aber für 350 Euro vorbestellt werden. Zusätzlich ist ein 12,5-Zoll-Notebook mit Windows 10 und Stift für einen Vorbestellerpreis von 1.000 Euro bereits in Arbeit. Wir sind gespannt. In einer Rückmeldung per E-Mail versichert Shift-Entwickler Daniel Rauh Golem.de, dass Mitarbeiter in der Herstellung seit dem Bericht im Jahr 2016 mittlerweile etwa 1.000 Euro monatlich verdienen. Außerdem gibt er einen Grund für das Fehlen eines Netzteils an: Es werde davon ausgegangen, dass Kunden bereits einen passenden Adapter besitzen. Ein weiteres Teil, das nur herumliege, sei also unnötig und daher Verschwendung. Das zeigt, wie weit der Gedanke der Nachhaltigkeit beim Shift-Team und der Entwicklung der Smartphones geht.“

 

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