Sri Lanka: 200 Angreifer stürmen Treffen von Christen

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Dorfbewohner bejubeln Angriff, Extremisten wollen Christen vertreiben

Am 14. Januar 2021 wurde eine vierköpfige Gruppe von Christen während eines informellen Treffens von einem Mob angegriffen. Der Vorfall ist der bisherige Tiefpunkt einer Entwicklung in der Provinz Uva, bei der die Feindseligkeiten gegen Christen immer deutlicher zutage treten. Buddhistische Mönche und Extremisten stacheln die Bevölkerung zunehmend auf, während die Polizei nur zögerlich eingreift.

___________________

Von Open Doors

___________________

Feuerwerk nach dem Angriff

Pastor Nalaka*, seine Frau Desha* und ein junges Paar aus der Gemeinde waren bei einer privaten Zusammenkunft im Haus eines Christen im Nachbardorf. Dann bemerkten sie draußen Bewegung. „Etwa 200 Menschen umringten uns und ein Mönch aus diesem Dorf führte sie an. Die Schläge kamen von überall her, ich konnte nicht einmal genau sagen, wo es weh tat“, berichtet Pastor Nalaka gegenüber lokalen Partnern von Open Doors. Desha wurde mit einem Regenschirm geschlagen, und auch das Ehepaar, das sie begleitete, erhielt Schläge. Doch am meisten bekam ein Mann ab, der den Pastor zu dem Treffen gefahren hatte. „Sie umzingelten ihn und schlugen mit Stöcken auf ihn ein. Er hat immer noch Schmerzen“, schildert Pastor Nalaka. „Er ist nicht einmal Christ, sondern gläubiger Buddhist und ein guter Freund von mir.“ Für die Dorfbewohner war die Nachricht vom Angriff auf den Pastor und seine Familie offenbar Anlass zu großer Freude, denn sie brannten als Reaktion ein Feuerwerk ab. Desha sagt: „Sie treten uns nie offen feindlich gegenüber, aber insgeheim sind sie alle stark gegen die Kirche.“

Viele Schikanen erschweren den Alltag

Vor vier Jahren war Pastor Nalaka zusammen mit Desha und ihren zwei Kindern in das kleine Dorf in der Bergregion gezogen. Inmitten vieler Schwierigkeiten hatten sie ihren Dienst begonnen. Die wenigen Christen, allesamt ehemalige Buddhisten, erlebten Widerstand vonseiten ihrer Familien und Nachbarn. Auch die Pastorenfamilie war betroffen: „Vor etwa zwei Jahren haben Leute manchmal unsere Kleidung gestohlen, wenn wir nicht zu Hause waren – sogar die Schuluniform unserer Tochter –, während sie draußen zum Trocknen hing. Wir haben sie dann einige Zeit später im Wald gefunden“, berichtet Desha. „Selbst jetzt verkauft uns der Laden im Dorf keine Waren. Wir müssen immer noch zwei Kilometer in die Stadt fahren, um Lebensmittel zu besorgen.“

Im Dezember 2020 berief ein Mönch aus der Gegend eine besondere Versammlung ein. Dabei wies er die Dorfbewohner an, die Christen vom Besuch des Weihnachtsgottesdienstes abzuhalten. Tatsächlich versammelten sich viele von ihnen am 24. Dezember an dem Weg zur Kirche und verlangten von den Kirchgängern, ihre Ausweise vorzuzeigen. Die herbeigerufenen Polizeibeamten schickten die Menge zwar wieder nach Hause, verhielten sich aber ansonsten passiv.

Buddhistische Extremisten wollen „Kirche loswerden“

Laut Pastor Nalaka hat die extremistische buddhistische Gruppe Bodu Bala Sena (BBS) die örtlichen Mönche in der Gegend unter Druck gesetzt, sich gegen die Kirche zu stellen. „Die Mönche in dieser Gegend gehören extremistischen Gruppen an. Sie werden von BBS unter Druck gesetzt, die Kirche loszuwerden. BBS hat ihnen gesagt, wenn sie nichts tun, wird BBS kommen und sich selbst darum kümmern.“

Trotz der Herausforderungen ist Pastor Nalaka fest entschlossen, seinen Dienst weiterzuführen. Mit einem abgenutzten Exemplar der sri-lankischen Verfassung in der Hand, die allen Menschen Religionsfreiheit gewährt, fordert er weiterhin die Behörden heraus und macht auf die Vorgänge in seinem Dorf aufmerksam.

Sri Lanka zählt aktuell nicht zu den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

 

–W E R Β U Ν G–

Loading...
Scroll Up