Staatsfernsehen: „Gäste für eine Lobby-Veranstaltung der Versicherungsbranche geködert“

Screenshot laborpains.org

„Fragen ohne vorzuführen, nachhaken ohne zu verletzen – Talk auf Augenhöhe – so sieht Frank Plasberg seinen Arbeitsauftrag bei „hart aber fair“: „Jeder wird so lange Auskunft geben müssen, bis die Frage wirklich beantwortet ist“. “ So steht es auf der hauseigenen Webseite der Produktionsfirma von Frank Plasberg geschrieben. Er selbst gibt aber über seine finanziellen – Gebührengelder – Einkünfte nur ungern Auskunft. Fest steht: Ein Gespräch auf Augenhöhe dürfte er recht selten führen, denn so viele Multimillionäre gibt nun auch wieder nicht. Wenngleich: Das umtriebige und zugleich fragwürdige Geschäftsgebaren legen viele Rundfunkfunktionäre an den Tag.

>>Focus<<

„Am Montagabend ging es bei „Hart aber fair“ um die Frage, ob Hartz-IV-Bezieher arm sind. Zum Abschluss der Sendung stellte Moderator Frank Plasberg seinen Gästen noch eine letzte Frage. Hans-Werner Sinn überrumpelte den Moderator dann mit seiner Antwort. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen Tag lang eine gemeinnützige Arbeit leisten. Wen aus dieser Runde hätten Sie gerne an diesem Tag dabei?“ Schließlich kam auch Hans-Werner Sinn an die Reihe, ehemals Chef des Münchener ifo-Instituts,– und überrumpelte Plasberg sichtlich: „Ich würde wahrscheinlich Sie wählen, weil ich den nehmen würde, der in dieser Runde das höchste Einkommen hat.“ Der ARD-Moderator musste zwar lachen, wirkte aber trotzdem verdattert: „Eine unbewiesene Behauptung, die Sie morgen nicht im Faktencheck finden werden.“ Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass das Gehalt des Moderators das seiner Gäste weit übertrifft.“

 

>>Süddeutsche Zeitung<<

„20 Millionen für drei Jahre sind eine eher bescheidene Summe für dieses Genre – vor allem, wenn man als Vergleich die einstige kürzere Sonntags-Talkshow „Sabine Christiansen“ heranzieht, deren Nährwert bekanntermaßen gering war. Auch dürfte Plasberg unter dem Strich unter den Verdienstchancen von Christiansens Nachfolgerin Anne Will liegen. Für den Normalbürger bleiben es gleichwohl durchaus eindrucksvolle Zahlen. Von dem Geld der ARD für „Hart aber fair“ gehen im Einzelnen knapp 15 Millionen Euro an die Düsseldorfer Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann, eine GmbH & Co. KG, mit der Co-Gesellschafter Plasberg seit einiger Zeit seine eigene Show herstellt. Das ist üblich geworden im weiten Rund von ARD und ZDF, für die jeder Bürger jeden Monat zahlt. Für jede Show erhält Plasbergs Firma rund 120.000 Euro. … Plasbergs Gage pro Sendung liegt bei 17.000 Euro, weitere 2400 Euro bekommt er für redaktionelle Mitarbeit. Ein kleiner Gewinn als Unternehmer dürfte auch übrig bleiben.“

 

>>Bild<<

„Zum Saubermann-Image passt so gar nicht eine Geschichte, die wie eine handfeste Lobby-Affäre klingt und ihm reichlich Ärger mit seinem Haussender WDR beschert. BILD am SONNTAG liegen Briefe vor, in denen die Plasberg-Firma Ansager & Schnipselmann (A&S) Gäste zu einer Veranstaltung der Versicherungslobby einlädt – und zwar im Namen von „Hart aber fair“. In den Schreiben wird zudem mit der „bekannten ARD-Moderatorin Anne Gesthuysen“ geworben – der Ehefrau von Frank Plasberg. … In dem mächtigen Lobby-Verband sind alle großen deutschen Versicherungen (u. a. Allianz, Axa, Ergo) organisiert. „Wir haben die Firma Ansager & Schnipselmann beauftragt, Gesprächsgäste für die Podiumsdiskussion im Rahmen des Versicherungstages 2015 einzuladen“, bestätigt ein GDV-Sprecher. Zum Auftrag gehöre auch die Produktion eines Themenfilmes. Zur Höhe des Honorars wollte er keine Angaben machen. … Der Kölner Medien-Professor Hektor Haarkötter (46) ist entsetzt über den Vorgang: „Im Namen einer bekannten und seriösen ARD-Sendung werden hier Gäste für eine Lobby-Veranstaltung der Versicherungsbranche geködert“, sagt er zu BILD am SONNTAG. Das sei eine „komplette Vermischung von Redaktions- und Lobby-Arbeit, nur damit sich Herr Plasberg die Taschen vollmacht“. Auf BILD am SONNTAG-Anfrage wollte sich Plasberg nicht äußern, schickte stattdessen den Co-Geschäftsführer von Ansager & Schnipselmann, Jürgen Schulte, vor. Schulte gesteht den Fehler ein: „Leider hat ein Mitarbeiter seine ,Hart aber fair‘-Signatur verwendet und mir als Geschäftsführer ist das nicht aufgefallen.“

In Plasbergs-Portfolio gibt es zahlreiche Sendungen, die zumindest einen Anfangsverdacht auf Schleichwerbung aufkommen lassen. Aber beim staatstragenden Fernsehen kommen ohnehin andere rechtliche Maßstäbe zum tragen. Wie auch immer. Das ominöse Konsortium Ansager & Schnipselmann handelt mit den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten geheime Millionenverträge aus, um triviale Unterhaltungssendungen zu produzieren. Was genau, bei diesen endlos-langweiligen Sendungen zum sogenannten „Bildungsfernsehen“ gehören soll, ist vermutlich ebenfalls „geheim“ . Jedoch nicht selten bekommen Politiker eine mediale Bühne geboten, die sie sonst nirgendwo mehr erhalten, was mit hoher Wahrscheinlichkeit der ausschlaggebende Grund ist: Weshalb das unverständliche durcheinander Gerede und der belanglose Streit weiter Unsummen verschlingen darf.

 

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