Staatsfunk: Das gekaufte Publikum

Screenshot vimeo.com

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen soll laut Rundfunkstaatsvertrag die Meinung der Bevölkerung widerspiegeln. Allerdings diese hat kaum noch die Möglichkeit zu Wort kommen. Selbst das Publikum bei Fernsehsendungen sitzt kaum zufällig auf seinen Stühlen.

>>Welt<<

„Seine Firma heißt Rent-A-Fan, doch der Name ist missverständlich: Seine Leute, die Chef und Inhaber Klaus Bernhard in Konzerte, Festsäle oder auch auf einsame Beerdigungen schickt, nehmen zwar lautstark oder auch betretend schweigend Anteil. Aber nicht aus innerer Bewegung – sondern gegen Honorar. Sie sind eine Art Versicherungsvertreter, die peinliche und angstvolle Situationen retten können: das Rockkonzert mit nur zehn verkauften Karten, das Firmenfest einer frustrierten Belegschaft, die Beerdigung eines unbeliebten Patriarchen.“

Auch wenn die Firma über ihre Kunden stillschweigen bewahrt, dürfte sehr wohl das öffentlich-rechtliche Fernsehen als ungeliebter Patriarch bei der Bevölkerung gelten. Anders sind Sendungen mit Publikum keineswegs mehr zu produzieren und der Trommelwirbel an Applaus kaum zu erklären.

>>Rent-a-Fan<<

„Mieten Sie sich ihre Fans, ihre Gäste, ihr Publikum um mit absoluter Sicherheit den gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn von Beginn an geklatscht, gejohlt, geschrien, gejubelt und diskutiert wird, wissen Sie das die Stimmung passt! Sichern Sie sich von Anfang an, durch engagierte Gäste, die volle Aufmerksamkeit der Besucher und locken Sie die zufällig vorbeikommenden Passanten an. Gemietete Fans kümmern sich um Konversation und entfachen Diskussionen. … Mit Rent-a-Fan können Sie den Zeitpunkt der Stimmung ganz bewusst festlegen. Mieten Sie Ihre Fans! Mieten Sie Ihr Publikum! Mieten Sie Ihre Akteure! Mieten Sie sich Sicherheit!“

 

>>Torsten Dewi<<

„Ich hatte es angekündigt und habe es durchgezogen: gestern war ich zu Gast in der relativ neuen SWR-Talkshow „mal ehrlich…“. Die ganze Sendung kann man sich die nächsten Monate noch in der Mediathek ansehen. Wem die 60 Minuten zuviel verschwendete Lebenszeit sind: meine Beiträge sind 14:30, 43:10 und 54:35 zu sehen. An dieser Stelle möchte ich erzählen, wie so ein Besuch eigentlich abläuft. Es gehört zu den Besonderheiten dieser Sendung, dass es genau genommen drei Sorten Gäste gibt: Prominente zum Thema, interessierte Bürger zum Thema, und einfaches Publikum. Die interessierten Bürger werden unter das Publikum gemischt und kommen dann immer wieder selektiv zu Wort. Das ist ein bisschen schwierig, weil es vermutlich für den Zuschauer daheim nicht sofort ersichtlich ist. Ich persönlich würde es für ein wenig zielführender halten, die interessierten Bürger in einen eigenen Bereich zu setzen. Wie wird man denn interessierter Bürger? In meinem Fall: durch den Wortvogel. Die Redakteurin der Produktionsfirma (von Bettina Böttinger) hatte zum Thema Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegoogelt und war u.a. auf diesen Beitrag gestoßen. Sie rief mich an und wir plauderten über meine Ansichten. Dabei ging es primär um die Frage, ob ich in die Mischung passe. Was nützt es, wenn alle Gäste der gleichen Meinung sind? Es stellte sich schnell heraus, dass ich zwischen den Stühlen sitze: ich bin einerseits ein glühender Verfechter des „Staatsfunks“, andererseits Befürworter einer radikalen Reform desselben. Es gab insgesamt 3 Telefonate mit der Redakteurin, dann eine Email des Produktionsmanagers. Darin befanden sich Wegbeschreibung, Erklärungen zum Ablauf und eine recht simple Kleiderordnung: Keine Werbung, keine schreienden Muster, eher „casual“. Kleiden, aber nicht verkleiden. … Im diskreten Umschlag und gegen Unterschrift bekomme ich die Aufwandsentschädigung für den Abend: 150 Euro. Yay!“

Bei der SWR-Talkshow „mal ehrlich…“ blieb die Ehrlichkeit leider auf der Strecke. Der Staatsfunk lässt sich die eine Stunde Selbstlob so einiges kosten. Die einzigste Gegenposition bei der Sendung nahm dabei Jörg Meuthen ein, obwohl sich 70 Prozent der Bevölkerung gegen den Rundfunkbeitrag aussprechen.

 

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