„Todesschüsse in der Lausitz!“ – „Staatsanwalt schweigt“ – Die verschwiegene Kriminalität in der Lausitz

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Todesschüsse in der Lausitz! – Die Bevölkerung werde um Mithilfe bei der Aufklärung des Angriffs in der Innenstadt gebeten … “ – So eine kurze Meldung, die in der täglichen Nachrichtenflut schnell in Vergessenheit gerät. Doch hinter solchen – beinahe schon alltäglichen – Fällen steckt ein viel größeres Problem dahinter.

Einbrüche – Diebstähle – Schutzgelderpressung

Einbrüche, Diebstähle, Schutzgelderpressung und noch viel mehr: Die staatlichen Sicherheitskräfte haben schon längst vor der organisierten Kriminalität ihre Kapitulation eingereicht. Lediglich 2,6 Prozent aller Einbrüche werden tatsächlich aufgeklärt. Forscher gehen von 1.200 unentdeckten Tötungsdelikten pro Jahr aus. In genau jenen Kontext fallen auch die „Todesschüsse in der Lausitz“ hinein.

„Todesschüsse in der Lausitz!“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Staatsanwalt schweigt – Schwierige Ermittlungen nach Schießerei in Cottbus … Bei der Schießerei hatte es sich um mehrere Täter gehandelt. Die Tat hatte sich auf dem Cottbuser Klosterplatz ereignet. Zeugen hatten Schüsse gehört, der schwer verletzte Mann wurde dann in der Mönchsgasse gefunden. Dort erlag er trotz Reanimationsversuchen durch Rettungsdienst und Notarzt seinen Verletzungen. Der zuständige Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon will sich derzeit nicht zum Stand der Ermittlungen äußern. „Die Arbeit gestaltet sich schwierig“

„Bei der Schießerei hatte es sich um mehrere Täter gehandelt“

Die Arbeit gestaltet sich schwierig“ – Es handelt sich vermutlich um keine spontane Einzeltat, sondern dort ist eine gewisse „Struktur“ zu finden: Zu der Behörden keinen Zugang haben. Denn in Wirklichkeit ist der staatliche Sicherheitssektor stark politisch eingefärbt und das zeigt sich Exemplarisch: Am Begriff der sogenannten „No-Go-Areas“ .

„Wenn sich Menschen bei Dunkelheit nicht mehr in bestimmte Straßen trauen“

>>SPD-Fraktion (PDF-Datei) <<

„Der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert stellte fest: „Wenn sich Menschen bei Dunkelheit nicht mehr in bestimmte Straßen trauen, ist und bleibt das für mich eine No-Go-Area.“

GdP-Landesvorsitzende: „Für mich eine No-Go-Area“

>>Kölnische Rundschau<<

„Gefährliche Orte in Köln und NRW „Es handelt sich nicht um No-Go-Areas“ – „Wichtig ist: Es handelt sich nicht um sogenannte No-Go-Areas“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums und bestritt zugleich, dass es solche Gegenden in NRW gibt. „Die Definition als ‚gefährlicher Ort‘ gibt der Polizei aber die Rechtsgrundlage, die Identität der Menschen festzustellen, die sich dort aufhalten“, sagte der Ministeriumssprecher.“

Innenministerium: „Wichtig ist: Es handelt sich nicht um sogenannte No-Go-Areas“

Gibt es nun „No-Go-Areas“ ? – Kommt darauf an, wer die Antwort hierauf gibt. Ganz Praktisch wurden bereits ganze Stadtteile der organisiertem Kriminalität überlassen. In der real gelebten Wirklichkeit traut sich die Polizei in manche Gebiete nur noch in Mannschaftsstärke hinein: Die dort-lebende Bevölkerung muss sich also den hiesigen kriminellen Banden unterordnen. Die einzelnen Kriminellen gehören für gewöhnlich einer größeren Bande – wahlweise Familie – an und zeichnen sich durch strikte Arbeitsteilung aus.

„Die Rockerbanden kombinieren Zuhälterei mit Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Waffenschiebereien“

>>Rotlichtkrieg von Gianni Sander & Marc-André Rüssau (Buch) <<

„Die Rockerbanden kombinieren Zuhälterei mit Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Waffenschiebereien. … Damals war es die »GMBH«, benannt nach ihren Chefs Gerd, Mischa, Beatle und Harry. Sie organisierten das Rotlichtgeschäft wie ein mittelständisches Unternehmen, mit strikt getrennten Aufgabenbereichen. Gerd kümmerte sich um die Finanzen, Mischa, auch »der schöne Mischa« genannt, warb neue Huren an und betreute die Frauen. Beatle war zuständig für die Sicherheit und Harry verwaltete die Immobilien. So konnten vier Männer knapp 90 Zuhälter und 1000 Huren kontrollieren.“

„Sie organisierten das Rotlichtgeschäft wie ein mittelständisches Unternehmen, mit strikt getrennten Aufgabenbereichen“

Für Außenstehende ist es praktisch unmöglich in solche Organisationen hinein zu kommen. Verdeckte Ermittler gelangen so gut wie niemals in die inneren Strukturen hinein. Beispiel: Die einschlägigen Rockerclubs zeichnen sich durch eine fest Hierarchie aus. – Bis die Vollmitgliedschaft erreicht ist: Da können schon mal mehrere Jahre vergehen. Besonders Leute – wie verdeckte Ermittler – die scheinbar aus dem „Nichts“ auftauchen, genau jene wecken natürlich enorm viel Misstrauen und die gelangen fast nie an den inneren Kern heran. Denn die inneren Strukturen sind normalerweise gegen Infiltration extrem gut abgesichert. Dabei gehen die Rockerclubs noch als verhältnismäßig liberal durch.

„Schutzgeld an die »Ehrenwerte Gesellschaft« bezahlen musste“

>>Deutschland, Verbrecherland? – Mein Einsatz gegen die organisierte Kriminalität von Egbert Bülles & Axel Spilcker (Buch) <<

„Anfang der 80er Jahre übernahm ich als junger Staatsanwalt einen Fall, bei dem es um Schutzgelderpressung ging. Schon damals lagen Anhaltspunkte dafür vor, dass ein Großteil der italienischen Gastwirte in Köln wie auf Sizilien oder in Kalabrien Schutzgeld (»Pizzo«) an die »Ehrenwerte Gesellschaft« bezahlen musste. Aus Angst vor Repressalien traute sich kaum ein Gastronom, die Polizei einzuschalten. Die deutschen Strafverfolger waren seinerzeit geradezu blind und taub, wenn es um mafiöse Umtriebe hierzulande ging. Kölns damaliger Polizeipräsident kanzelte das Gerede über die Mafia in Deutschland gar als Hirngespinst ab. Dabei hatten italienische Clans längst ihre Arme weit nach Deutschland ausgestreckt. Bereits in jenen Jahren operierten Ableger aus Sizilien, Kampanien oder Kalabrien in Metropolen an Rhein und Ruhr oder in Bayern. Drogen- und Waffenhandel, Schwarzarbeit auf dem Bau sowie Schutzgelderpressung gehörten zu den beliebtesten Betätigungsfeldern von Cosa Nostra, ’Ndrangheta oder Camorra.“

„Italienische Clans längst ihre Arme weit nach Deutschland ausgestreckt“

Die verschiedenen Einwandergruppen brachten nicht nur ihre eigene Lebensweise, sondern auch ihre kriminellen Banden mit. Die italienische Mafia ist auf Basis von Familien organisiert. Außenstehenden bleibt der Zugang fast immer verwehrt. Über Jahrhunderte war die italienische Mafia nur ein lokales Phänomen, doch im Zuge der massenweisen Einwanderung ist sie heute Global aufgestellt. Schon italienische Behörden beißen sich an den undurchsichtigen und komplizierten Strukturen die Zähne aus. Zudem sind die Familienmitglieder der „ehrenwerten Gesellschaft!“ auch in staatlichen Behörden zu finden. Für deutsche Ermittler stellen solche und vergleichbare Organisationen tatsächlich „No-Go-Areas“ da. Deshalb sollte sich eigentlich niemand über die niedrigen Aufklärungsquoten bei Kriminalität wundern.

 

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