Unheimliche Schattenprofile: Die Daten der Meldeämter

Screenshot youtube.com

Mit Daten Bürger soll Handel betrieben werden. In dem Zusammenhang wird stets betont, dass es sich hierbei nur um anonymisierte Daten handeln soll: Allerdings schon heute machen Unternehmen und Behörden mit diesen Datenbeständen munter Geschäfte und verknüpfen sie zuweilen mit anderen Informationen. Auf diese Weise entstehen Schattenprofile, über deren Existenz und dessen Ausmaß viele nichts wissen.

>>taz<<

„Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds fordert die Kommunen auf, in den Handel mit Daten einzusteigen. Für ihn sind die Informationen aus dem Leben der Bürger das „Öl des 21. Jahrhunderts“. Damit ließen sich wichtige Einnahmen erzielen, sagt er. Landsberg spricht von Daten, die nicht auf Personen bezogen werden können und nicht zuordenbar sind. … Diese Daten sollen nicht nur die Kommunen selbst stärker nutzen, sondern sie sollen sie auch an Privatfirmen verkaufen können. Etwa an Immobilienanbieter oder auch Transportunternehmen. Für diese Firmen sind die Daten viel Geld wert. Wer sich eine Wohnung kaufen will, der schaut sich wohl eher auf Portalen um, die auch Lärmwerte oder Schadstoffresultate veröffentlichen. Fahrdienste wiederum könnten gezielt in Vierteln Werbung schalten, in denen viele ältere Menschen oder Personen leben, die auf Hilfe angewiesen sind.“

 

>>Meedia<<

„Die Kommunen sollten die Daten „zum Vorteil ihrer Bürger nutzen“. Damit gemeint ist vermutlich, dass das mit dem Datenhandel erwirtschaftete Geld in die Kommunen investiert wird.“

Daten, die nicht auf Personen bezogen werden können und nicht zuordenbar sind“ Das Problem dabei: Diese Daten sind sehr wohl – nachträglich – auf reale Personen zuordenbar.

>>Netzpolitik<<

„Dabei gelangten sie an einen kostenlosen Probedatensatz mit angeblich anonymisierten Daten von drei Millionen deutschen Internetnutzern. Darin waren alle von ihnen aufgerufenen Webseiten aus dem Monat August enthalten – insgesamt mehr als zehn Milliarden. Durch die URL konnten unter anderem E-Mail-Adressen und Anmeldenamen ausgelesen und konkreten Nutzern zugeordnet werden. So ließen sich in einer Stichprobe 50 Personen identifizieren. Auch Rückschlüsse auf zum Beispiel Krankheiten, sexuelle Vorlieben und Drogenkonsum waren möglich. Die Gefahr von „anonymisierten“ Datensätzen besteht darin, dass sie dennoch relativ leicht Personen zugeordnet werden können: datenschutztechnisch sehr bedenklich.“

 

>>Stern<<

„Stattdessen sammelt das Netzwerk alle Daten, die es bekommen kann, wertet diese systematisch aus – und legt hinter dem Nutzerprofil ein zweites Profil an. Es ist für den User unsichtbar, es wird daher oft als „Schattenprofil“ bezeichnet, auch wenn Facebook den Begriff nicht mag. … Die „Gizmodo“-Redakteurin Kashmir Hill hat genauer nachgeforscht und mehr über die Schattenprofile herausgefunden, die der Grund für die zunächst unerklärlichen Verbindungen sind. Damit Facebook wachsen und Werbekunden immer genauere Zielgruppen ermöglichen kann – die Grundlage des Geschäftsmodells -, benötigt das Netzwerk nicht nur die persönlichen Daten des Nutzers, sondern auch die von dessen Freunden, Bekannten und Kollegen. Unter anderem deshalb fordert die Plattform seine Mitglieder regelmäßig auf, „Freunde zu finden“ … Durch die Daten könne Facebook eine Verbindung zu längst zurückliegenden Ereignissen herstellen, schreibt „Gizmodo“. „Ein One-Night-Stand aus dem Jahr 2008, eine Person bei der man 2010 einmal übernachtet hat, ein Vermieter aus dem Jahr 2013: Wenn sie jemals deine Nummer in ihr Telefon getippt haben oder du ihre in deins, hat Facebook die Verbindung, sobald man die Kontakte hochlädt.“ Vermutlich kenne Facebook daher jede Adresse, jeden Spitznamen und jede Telefonnummer, die man einmal benutzt hat. Und könne unabhängig vom Nutzer Kontakte miteinander vernetzen: Wenn Freund B und Freund C beide die Nummer von Person A haben – womöglich kennen sich die beiden auch persönlich?.

 

>>Cyberpsychologie: Leben im Netz: Wie das Internet uns verändert von Catarina Katzer  (Buch) <<

„Wir können auch mit Namen, E-Mail-Adresse, Telefonnummer etc. auf Facebook bereits vorhanden sein, ohne dass wir uns selbst angemeldet haben. Durch sogenannte Schattenprofile, die z. B. Facebook erstellt: Wird ein Freund von uns Mitglied und gibt er das Einverständnis zum Abgleich mit seinem Smartphone, so werden sämtliche E-Mail- oder Telefonkontakte und Namen bei Facebook gespeichert, also auch unsere Daten, ohne dass wir das wissen und obwohl wir das gar nicht wollen. Wir können somit ohne unser eigenes Zutun mit unseren Informationen in einem sozialen Netzwerk schon präsent sein und darüber mit anderen Personen in Verbindung gebracht werden.“

 

>>Rundfunkbeitrag<<

„Die von den Meldeämtern übermittelten Daten lassen keinen Rückschluss auf eine konkrete Wohnsituation zu. So können beispielsweise in einem Haus auch mehrere Wohnungen sein. Es ist für den Beitragsservice nicht erkennbar, wer zusammen in einer Wohnung lebt.“

Es gibt gefühlt unzählige Unternehmen die professionell Daten sammeln, diese Auswerten und sicherlich auch heimlich Schattenprofile anlegen. In der Regel werden bestimmte Tätigkeit an Firmen ausgelagert, die ihren Sitz in Ländern haben, wo faktisch kein Recht auf informelle Selbstbestimmung existiert.

 

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