„Unternehmen zwei Punkte besonders wichtig: Eine stabile Energieversorgung und bezahlbare Strompreise“

Screenshot leag.de

Strukturwandel: Stabile Energieversorgung und bezahlbare Strompreise sind für Unternehmen entscheidende Standortfaktoren. Sollte diese beiden tragenden Säulen wegbrechen: Finden Investitionen in anderen Ländern statt und die schon bestehenden Firmen wandern entweder ab oder schließen für immer ihre Pforten.

>>Welt<<

„Doch in der Lausitz etwa steht beim Thema Kohleausstieg eines im Vordergrund: Tausende Industriejobs, die auf dem Spiel stehen. Die sind in der Region nicht üppig gesät. Die Gegend ist ländlich geprägt und gilt als eher strukturschwach verglichen mit der größten Braunkohleregion im Rheinland. Die Braunkohle-Industrie bringt viele gut bezahlte Jobs, was auch die Akzeptanz vieler für den fossilen Energieträger miterklärt. Beim Energieunternehmen Leag, das vier Tagebaue und mehrere Braunkohle-Kraftwerke betreibt, arbeiten rund 8000 Menschen. Viele weitere Firmen profitieren durch Aufträge von der Kohle. Gewerkschafter sprechen von einer Wertschöpfung in der Braunkohle-Industrie von rund 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Die Regierungen in Brandenburg und Sachsen, die vor Landtagswahlen im nächsten Jahr stehen, fordern vom Bund einen Ersatz für die wegfallenden Jobs – auch aus Angst vor möglichen Stimmgewinnen für die AfD. Und ebenso wie Gewerkschafter wollen sie, dass die ganze Debatte in dieser Reihenfolge geführt wird: erst den Strukturwandel in den Braunkohleregionen weiter in Gang bringen und Jobs schaffen und dann über einen Kohleausstieg reden. … Einen solchen Bruch erlebte die Region schon einmal nach dem Zusammenbruch der DDR. Binnen kurzer Zeit fielen ganze Branchen wie zum Beispiel Textil weg. Und auch bei der Braunkohle war es so: Viele der Gruben wurden dichtgemacht, Zehntausende verloren ihren Arbeitsplatz. In der Lausitz ist das präsent bis heute.“

 

>>Lausitzer Rundschau<<

„In einer Sonderumfrage zu Erwartungen und Folgen des Strukturwandels bewertet jedes fünfte Unternehmen seine künftige wirtschaftliche Entwicklung mit unbefriedigend. Die Handwerkskammern Cottbus und Dresden sind alarmiert. Das Handwerk in der Lausitz blickt vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Region sorgenvoll in die Zukunft. … Nach einer Sonderumfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden vom Dienstag sehen jedoch mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen erhebliche Auswirkungen infolge des bevorstehenden Braunkohleausstiegs auf die Betriebe zukommen. So werden der Umfrage zufolge der Verlust von Kaufkraft, die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften aus der Region und eine steigende Steuer- und Abgabenlast befürchtet. Die Sonderumfrage war im Vorfeld des Revierbesuchs der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ am Donnerstag in der Lausitz initiiert worden. Damit lenken die Kammern den Blick auch auf die erst vor wenigen Tagen vollzogene Abschaltung eines ersten Blocks im Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße), der in die Sicherheitsreserve geht. Obwohl dies bereits vor drei Jahren beschlossen worden sei, so die Kammern, hätten es der Bund und auch die brandenburgische Landesregierung nicht geschafft, Ersatz für die 600 Arbeitsplätze zu schaffen.“

Strukturwandel: Inklusive Zulieferfirmen sind es sogar 1.500 Arbeitsplätze. Weitere Stellen sollen – nach Ansicht der Bundesregierung – folgen. Alleine um diese 1.500 Arbeitsplätze zu kompensieren, wären Investitionen in Milliardenhöhe notwendig und diese – fiktiven Firmen – müssten dann über Jahrzehnte noch hier bleiben. Vergleichbare „Erfolgsgeschichten“ eines Strukturwandels lassen sich im Bochum besichtigen: Das Nokia-Werk Bochum, einst mit vielen Millionen Fördergeldern hergelockt, machte innerhalb wenige Jahre seine Pforten dicht, warf alle Mitarbeiter raus und kann heute als Industrieruine besichtigt werden. In der Realität, dürfte an Neuansiedlung von großen Firmen, in der Lausitz, wohl kaum zu denken sein. Selbst die bestehende Unternehmen, haben mit hohen Strompreisen wirtschaftlich zu kämpfen. Jenseits der Arbeitsplätze in der Braunkohle, stehen somit noch viele weitere Stellen zur Disposition.

>>Lausitzer Rundschau<<

„Neben den Standortfaktoren sind für die Unternehmen zwei Punkte besonders wichtig: Eine stabile Energieversorgung und bezahlbare Strompreise. „Diese Themen kommen in den aktuellen Diskussionen leider viel zu kurz“, sagt Peter Dreißig, Präsident der Handwerkskammer Cottbus. „Wir haben viele energieintensive Betriebe wie Metallbauer, Tischler, Fleischer oder Bäcker, die zum Teil Tag und Nacht produzieren und schon heute enorme Kosten schultern müssen.“ Da würden schnell sechs- bis siebenstellige Beträge zusammenkommen. „Das geht an die Grenzen der Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Dreißig und verweist darauf, dass mit dem Kohleausstieg in der Lausitz eine jährliche Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro ersetzt werden müsse.“

 

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