Vergiftete Geschenke: Wie sich Journalisten mit der Politik gemein machen

Screenshot youtube.com

Wer hier „Lügenpresse“ ruft, hat nicht verstanden, was Meinungsfreiheit bedeutet. Journalisten sollten sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ So titelt ein Journalist selbst. In Wahrheit sind viele Journalisten doch sehr unruhig. Viele Bürger treten ihnen skeptisch, bis offen feindselig gegenüber und eine sinkende Reichweite tut ihr übriges. Denn nicht wenige Pressehäuser stehen vor den finanziellen Kollaps. Allerdings vieles davon ist selbst verschuldet, denn in Wahrheit: Lassen sich viele Journalisten bereitwillig – mit ganz einfachen Tricks – einwickeln.

>>Der Tagesspiegel<<

„Andrea Nahles ist eine typische Politikerin. Sie hat 20 Semester lang studiert, dann zog sie in den Bundestag ein. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, aber kennt seit Langem nichts anderes mehr als die Welt einer Hochschule und die Welt eines Parteiapparats mit seinen Gremien. Der Lebenslauf von Annegret Kramp-Karrenbauer liest sich ähnlich. Langes Studium, Magisterexamen, dann die Partei. Der erste Job, mit 29, hieß „Grundsatzreferentin der CDU Saar“. AKK hat mehr mit Nahles gemeinsam als mit Merkel. … Man entwickelt einen Jargon, eigene Regeln, bewegt sich auch in der Freizeit oft unter Seinesgleichen, und man grenzt sich manchmal ab gegen andere Gruppen. … Das Sonderproblem beim Politikerberuf besteht darin, dass Politiker für uns handeln sollen, ihre Wähler. Aber unsere Stellvertreter kennen uns kaum mehr, allein schon wegen ihres vollgepackten Terminkalenders. … Soziale Monokultur. Ausnahmen fallen auf. … Die Krise der Demokratien hängt, glaube ich, auch mit der Herausbildung dieser relativ geschlossenen Politikerschicht zusammen, einer Herrschaftselite. Früher gab es erfahrene Arbeiter, Unternehmer, Lehrer und Handwerker im Bundestag, heute kaum noch. Wer in die Elite aufsteigt, bleibt, falls er oder sie will. Ein Posten findet sich immer.“

Die „Soziale Monokultur“ findet bei nicht wenigen Journalisten ihre Fortsetzung.

>>Meedia<<

„Journalisten sind ein sensibles Völkchen, das mit dem, was es am meisten auszeichnet, nur selten selbst wirklich gut umgehen kann: mit Kritik. Das erleben wir Medienjournalisten, die gerne als fiese, unfaire Pöbler abgetan werden, ziemlich häufig. Umso empfindlicher reagiere ich möglicherweise wiederum auf Veranstaltungen, in denen sich Journalisten meiner Ansicht nach unangemessen überhöhen – wie nicht selten im Kontext der Verleihung von Journalistenpreisen. Von einer Leistungsschau des redaktionellen Handwerks sind gerade einige der renommiertesten Wettbewerbe zu einer Selbstbeweihräucherung mit sektenhaften Zügen mutiert. … Zu der Realität gehört auch das: Womöglich interessiert es nur eine winzige Minderheit auf diesem Planeten, wieviele Preise die Branche auslobt und vergibt: uns Medienschaffende selbst. Kümmert es den Leser, ob ihn ein Journalist oder ein ausgezeichneter Journalist betrogen hat? Wohl kaum, möglicherweise findet er es blamabel für die gesamte Branche. Es ist schwer, die Übersicht darüber zu behalten, welche Branche aus Film, Musik und Journalismus sich am meisten Preise zuwirft – auch, weil man sich gegenseitig gerne auszeichnet. Dem Deutschen Informationsdienst Wissenschaft zufolge gibt es allein in Deutschland 500 Journalistenpreise. Die Website Journalistenpreise.de zählt mehr als 700. Das ist Wahnsinn. Daran sind aber nicht die Veranstalter schuld, sondern jene, die sich auf die Preise bewerben – die Nachfrage bestimmt das Angebot. Die Gefahr ist groß, dass Preise nach außen – wenn sie nach außen überhaupt etwas bewirken – eher schaden. Nur die wenigsten Preise kann man als wirklich unabhängig bezeichnen, oftmals stecken Verbände, privatwirtschaftlich finanzierte Stiftungen oder direkt Konzerne dahinter. “Wenn ich [das] glaubwürdig tun will, dann kann ich mich nicht auf einer solchen Veranstaltung gemein machen mit der Politik und dann kann ich auch keinen Preis annehmen von einer Bank”, erklärte die Journalistin Laura Meschede dieses Jahr bei der Verleihung des Ing Diba finanzierten Helmut-Schmidt-Preises. Sie hatte ihn abgelehnt, weil der Preis eine “PR-Veranstaltung” sei. … Manche Auszeichnungen füllen gleich eine ganze (günstig produzierte) Ausgabe – wenn man sich überhaupt noch Druckkosten leisten will. Die Jurybegründungen zählen oftmals nicht einmal drei Sätze. Nicht selten muss, wer gewinnt, gleich ein paar Tickets für die Verleihung kaufen. Nicht selten lächeln Gelistete die “Auszeichnung” bei Nachfrage einfach nur weg. Geklüngel? Will man zumindest nicht ausschließen.“

Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung wirbt Journalistenpreise aus. Wobei es hier nicht um explizit um die Konrad-Adenauer-Stiftung per se geht. Schon alleine die Tatsache, dass eine politische Stiftung Preise an Journalisten vergibt, „Brandmarkt“ gewissermaßen die Preisträger. Für kritische Berichterstattung, würden viele – nach gesunden Menschenverstand – eben genau diese Auszeichnungen wohl nicht bekommen. Und genau bei diesem Preisverleihungen sind Politiker und Journalisten unter sich, sozusagen ganz intim. Selbst Ehen kommen so zustande. Die Soziale-Monokultur wird auf diese Weise emsig gepflegt. Neben Preisverleihungen gibt es eine ganze Reihe ähnlicher Veranstaltungen: Pressebälle in ausgewählten Luxushotels oder ein Flug im Regierungsflieger, direkt neben den fiktiven Minister „Seine Durchlaucht“ Herr Oberwichtig. Ein paar kritische Zeilen und Glanz und Gloria sind ganz schnell vorbei. Nicht wenige lassen sich – mit ganz einfachen Tricks – einseifen und sind  noch mächtig Stolz darauf: Bei den „Ganz Großen“ Mitspielen zu dürfen. Nur in Wahrheit sind sie keine Spieler, sondern eher nützliche Idioten, die für Außenstehende ziemlich arrogant daher kommen. Im Geheimdienst gibt es dafür einen Begriff: Non-Official Cover (NOC). Nur die Allerwenigsten, die diesen Titel tragen sind sich dessen Tragweite bewusst oder kennen überhaupt deren Bedeutung.

 

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