Verschenkt und Veruntreut: Das Ausgabenproblem der Bundeswehr

Screenshot youtube.com

Die Bundeswehr kämpft mit defekter oder nicht vorhandener Ausrüstung. Diese Tatsachen müssen häufig für die Erhöhung des Wehretats herhalten. Dabei liegen die Ursachen ganz woanders.

>>Augen geradeaus<<

„Es war ein Routineflug, am 2. Dezember vergangenen Jahres: Zwei Hubschrauber vom russischen Typ Mi-17, betrieben von einem zivilen Unternehmen, flogen wie schon oft Soldaten der NATO-geführten Resolute Support Mission (RS) von Kundus im Norden Afghanistans zurück nach Masar-i-Scharif.“

 

>>Steffen Kahl<<

„Die Mil Mi-24 (NATO-Codename: Hind, deutsch Hirschkuh ) ist ein russischer (ehemals sowjetischer) Kampfhubschrauber der Firma Mil. Gebaut in großen Stückzahlen, wurde sie zum Standard-Kampfhubschrauber der Warschauer Vertragsstaaten. Eingesetzt unter anderem im Afghanistankrieg, der militärischen Intervention der Sowjetunion in Afghanistan zwischen 1979 und 1989. In der NVA waren einige Mi-24D bei den Kampfhubschraubergeschwadern KHG-3 Ferdinand von Schill in Cottbus und KHG-5 Adolf von Lützow in Basepohl bei Stavenhagen (Bezirk Neubrandenburg, damals) stationiert. Von der weiterentwickelten Ausführung Mi-24P (das P in der Typenbezeichnung steht für Puschka = Kanone) mit einer starr an der rechten Rumpfseite installierten 30-mm-Zwillingskanone 9-A-623K (GScha-30-II) statt des Kinnturm mit 12,7-mm-MG der Mi-24D, gelangten 12 Stück noch im Jahr 1989 in den Bestand der NVA.“

Die Mil Mi-24 gingen im Zuge der Wiedervereinigung in den Bestand der Bundeswehr über und waren erheblich leistungsfähiger, als die später angemieteten Mil Mi-17 Hubschrauber.

>>Focus<<

„Mit dem Abzug des Gebirgsjägerbataillons 571 und der Versorgungskompanie 370 verliert die Kleinstadt Schneeberg (17000 Einwohner, 20 Prozent Arbeitslose) den größten Arbeitgeber in der Region. … Der Bürgermeister kann eine Schließung aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht verstehen. „65 Millionen Euro sind seit 1990 in den Standort investiert worden“, schimpft der 51-Jährige: „Steuerverschwendung“.

Bis unmittelbar kurz vor der Schließung herrschte rege Bautätigkeiten in der Kaserne und die selben Gegebenheiten mussten vielfach an den „neuen“ Standorten erstmal – erneut – kostenaufwenig geschaffen werden.

>>Welt<<

„Der Andrang war groß im Luftraum über der Wüste von Nevada. Alle wollten sie sehen, alle wollten gegen sie fliegen – gegen die Maschine aus dem untergegangenen Reich des Bösen, gegen den „Wundervogel“, den „Superjäger“, jenes Flugzeug, das die meisten bis dahin nur aus Spionageromanen und Hollywoodfilmen des Kalten Krieges kannten: gegen die MiG-29. Sechs Jagdflugzeuge des russischen Herstellers Mikojan-Gurewitsch, die die Bundeswehr 1990 von der Nationalen Volksarmee (NVA) übernommen hatte, waren die Stars der Luftkampfübung „Red Flag“ auf der Nellis Air Force Base im vergangenen Herbst. Rund 100 Kampfjets aus den USA und verbündeten Staaten trainierten Luftkampfmanöver. Die Neugierde ihrer Fliegerkameraden überraschte die MiG-Piloten nicht. „Wir sind daran gewöhnt, die Bösen zu spielen“, sagt Major Georg Pepperl, Codename“Peppy“. … „Die MiG-29 eröffnet einem Kampfpiloten ganz neue Perspektiven“, sagt der 33-jährige Regensburger Pepperl, der sich von der F-4 auf die MiG hat umschulen lassen. Sie ist, sagen Piloten, außerordentlich agil, hat leistungsstarke Triebwerke und eine hervorragende Aerodynamik. Sie benötigt eine minimale Startstrecke von nur 250 Metern und hält, theoretisch, eine Belastung von bis zu neun G – das neunfache der Erdbeschleunigung – aus. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa Mach 2.3, mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit. … So kostet eine einzige Flugstunde auf einer MiG-29 nach internen Berechnungen des Bundesverteidigungsministeriums von 1997 insgesamt 49 000 Mark – das beinhaltet Treibstoff-, Wartungs- und Materialkosten.“

Eine Flugstunde des Kampfflugzeugs Tornado kostet 43.000 Euro und des neuen Eurofighter 74.000 Euro. Alle Flugzeuge des Typs MiG-29 wurden an Polen verschenkt. Alle diese Vorfälle zeigen: Die Bundeswehr steckt massiv Geld in Standorte, nur um sie dann später aufzugeben und verschenkt funktionstüchtiges Material, was dann wiederum teuer neu gekauft werden muss. Diese Gelder fehlen dann an anderen Stellen.

 

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