„Wagenburg-Mentalität wappneten – sei es aus Glauben an die eigene Unfehlbarkeit“

Screenshot wien.info

“ … in einer Pressekonferenz in Leipzig die Glaubwürdigkeit der Medien als zentrales Thema und als unverzichtbare Grundlage für die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesetzt. Dazu hat die MDR-Intendantin den früheren Direktor des Grimme-Instituts und ehemaligen verantwortlichen Redakteur von epd medien, Uwe Kammann, um eine Expertise zum Thema gebeten, die jetzt öffentlich vorgelegt wurde.“ So der staatliche Rundfunk in seiner Eigendarstellung. Bei dieser gut 30 Seiten starken Expertise, muss dann doch irgendetwas gehörig schief gelaufen sein.

>>Staatsfunk „Mitteldeutscher Rundfunk“ <<

„Paradox: Explodierende Vielfalt, thematische Verengung im Mainstream Der erfahrene Publizist Tom Schimmeck – der 2010 in seinem Buch „Am besten nichts Neues“ mit den großen Publikationen Deutschlands scharf ins Gericht gegangen war, weil sie in vielem einem Hang zur Herdenbildung folgten – hat in einer Kritik („warum immer mehr Medienkanäle immer mehr Einfalt produzieren“) eine These zugespitzt. Danach seien wir per Internet mit aller Welt verbunden und verfügten über ein „explodierende Vielfalt medialer Abspielstätten – und erleben trotzdem – oder gerade deshalb? – eine thematische Verengung.“ … Der bereits zitierte Dietrich Leder verbindet seine Kritik an konformistischer Einengung herkömmlicher Medien mit der Beobachtung, dass sich gerade etablierte Institutionen gegenüber der neuen Art von Kritik, wie sie sich vor allem im Internet ausgebildet habe und dabei erstmals mit dem Material der zu kritisierenden Gegenstände argumentiere, mit einer Wagenburg-Mentalität wappneten – sei es aus Glauben an die eigene Unfehlbarkeit, sei es als Reaktion auf empfundenen Druck und daraus folgendem Freund/Feind-Denken. Aufschlussreich bei Fragen zur Glaubwürdigkeit und dabei auftretenden unerwarteten Differenzen ist eine Studie zur „Mediennutzung und Medienkompetenz in jungen Lebenswelten“.

Viel neue Erkenntnisse fördert diese Expertise zwar nicht zu Tage, aber in Summe stellt es einen Vernichtungsschlag der eignen Glaubwürdigkeit des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks da. Die ersten Zeilen des Papiers sind zwar noch dezent zurückhaltend, aber danach Reihen sich kritische Zitate und Zahlen nach aneinander an. In weiten Teilen der Bevölkerung hat der staatliche Rundfunk seine Glaubwürdigkeit und Bedeutung eingebüßt. Ein Kernproblem scheint darin zu liegen: In der sogenannten „Wagenburg-Mentalität“ . Bei vielen Themen – die lang und breit im Internet diskutiert werden – schweigt sich der Öffentliche-Rundfunk zuerst darüber komplett aus und berichtet erst viel später – Zeit verzögert – in einer Art „Trotziger-Kind-Mentalität“ . Besonders zwischen den Zeilen ist dann zu merken, wenn plötzlich die aufgesetzte Gelassenheit verlassen und ein aggressiver Ton angeschlagen wird.

 

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