Warum eine prekäre Sicherheitslage die Bewegungsfreiheit von Frauen einschränkt

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Frauen: Parks sind zu gefährlich. Der Öffentliche Nahverkehr zu Unsicher. Von offizieller Seite werden diese Bedenken von Frauen vielfach als „subjektives Gefühl“ abgetan. Tatsächlich meiden aber selbst die verantwortlichen Politiker: Ihre eignen vermeintlich „sicheren“ Parkanlagen. Die Polizeipräsidenten beschwören öffentlich – die gute Sicherheitslage – trauen sich aber selbst nicht, in bestimmten Gegenden joggen zu gehen. Die prekäre Sicherheitslage schränkt immer weiter die Bewegungsfreiheit von Frauen ein: Ein Problem, über das kaum gesprochen wird.

„Ich gehe in Berlin durch gar keine Parks“

>>Der Tagesspiegel<<

„Vor Kurzem verteidigte Monika Herrmann noch die Drogendealer im Görlitzer Park. Sie wolle keine Gruppe aus dem Park ausschließen, das sei Diskriminierung, sagte sie dem RBB. Nun kommt heraus: Die Grünen-Politikerin und Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg ist selbst eine Park-Vertriebene. „Ich gehe in Berlin durch gar keine Parks“, sagte sie der „Welt“. Ihre verblüffende Erklärung: „Ich weiß ja nicht, wie Sie das handhaben, aber das ist mir als Frau zu gefährlich.“

„Das ist mir als Frau zu gefährlich“

Im Park spazieren gehen: „Das ist mir als Frau zu gefährlich“ – Dazu sagte die Polizeipräsidentin im Berlin: „Ich bedauere, dass Frau Herrmann diese Ängste hat. Ich persönlich bewege mich frei davon in unserer Stadt – in ganz Berlin.“ Die „oberste Polizistin“ zu Berlin legt bei jeder sich bietenden Gelegenheit wert darauf, dass die „gefühlte Sicherheit“ ihr besonders am Herzen liegt. Aber sie selbst scheint „ihrem Gefühl“ auch nicht allzu weit zu trauen.

Polizeipräsidentin: „Hat Angst im Tempelhofer Feld direkt neben dem Präsidium joggen zu gehen“

>>Berliner Tageszeitung<<

„In einem Interview mit „Zeit Online“ sprach die Polizeipräsidentin davon, dass sie in ihrem Job auch für die „gefühlte Sicherheit“ in Berlin zuständig sei. Daraufhin meldete sich auf Twitter die Personalvertretung „Unabhängige in der Polizei e.V.“ zu Wort. In einem Tweet (mittlerweile gelöscht) hieß es: „Unglaublich. Die Slowik hat Angst, im Tempelhofer Feld direkt neben dem Präsidium joggen zu gehen. Aber öffentlich von gefühlter Sicherheit schwadronieren. #sonicht.“

„Öffentlich von gefühlter Sicherheit schwadronieren“

Die amtlichen Vertreter scheinen sich auch mehr und mehr in ihren eignen Widersprüchen zu verstricken. Frei nach dem Motto: Überall soll es angeblich sicher sein, aber an bestimmte vermeintlich „sichere“ Orte wollen sie selbst nicht gehen. Die eigene kognitive Dissonanz verhindert so: Sicherheitsprobleme offen anzusprechen. Auf Außenstehende wirkt das freilich extrem Bizarr und völlig Lächerlich. Von der inneren Logik her: Versuchen sie einen Zustand schön zu reden, den sie hauptsächlich selbst verursacht haben, aber sich nicht eingestehen wollen.

Politiker und Polizisten meiden selbst gefährliche Orte

Völlig hinten Runder fällt dabei die allgegenwärtig schlechte Sicherheitslage für Frauen: Natürlich schränkt es die Bewegungsfreiheit für Frauen ein. Bestimmte Gegenden zu betreten stellt mitunter eine extreme Mutprobe da, andere Gebiete gelten schon als regelrecht Lebensgefährlich. Problem: Die allermeisten Frauen sind einen zumeist männlichen Täter schon alleine Körperlich unterlegen. Derweilen kommen von amtlichen Vertretern „gute“ Sicherheits-Ratschläge für: Das Verhalten im Öffentlichen Raum.

Verschärfte Sicherheitslage: „Bürger werden einfach sensibler sein müssen“

NRW Innenminister: „Polizisten schützen wir dadurch, dass wir sie mit Schutzwesten ausstatten. Und Bürgerinnen und Bürger werden einfach sensibler sein müssen. Man muss nicht unbedingt Menschen nah an sich ranlassen.“ Kölns Oberbürgermeisterin: „Sie sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Abstand halten.“ Der staatliche Rundfunk empfiehlt derweilen eine Trillerpfeife einzustecken und bei Gefahr einfach laut zu „trillern“ .

„Sie sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Abstand halten“ 

Natürlich ließe sich die Liste an Beispielen erweitern, aber bei all dem Vorschlägen ist leicht zu erahnen, wo die Reise hingeht. Die politische Elite scheint da geistig vollkommen Schmerzfrei zu agieren. Unabhängig davon, haben all diese „Verhaltensratschläge“ kaum einen praktischen Nutzwert. Frauen sind weiterhin auf sich selbst gestellt. Außer triviale Hinweise, wie bestimmte öffentliche Orte zu meiden und wenn möglich in Begleitung unterwegs zu sein, kann man unter der derzeitigen Rechtslage ohnehin nicht machen. Selbst die Benutzung des Öffentlichen-Nahverkehrs ist mittlerweile zu einer echten Mutprobe geworden.

„Frauen lernen S-Bahn fahren“

>>Leonberger Kreiszeitung<<

„Aktion der Polizei – Frauen lernen S-Bahn fahren“

Warum Frauen S-Bahn fahren erlernen sollen

Frauen lernen S-Bahn fahren“ – Nachdem Politiker und staatliche Medien allerhand „Sicherheitsratschläge“ gegeben haben, will sich da auch die Polizei sich nicht lumpen lassen.  Das S-Bahn fahren müssen deshalb Frauen neu „erlernen“ weil sich augenscheinlich die Sicherheitslage sehr verschärft hat – Oder im Amtsdeutsch: „Das subjektive Sicherheitsgefühl“ eben schlecht sei.

Tabuzone für Frauen: Parks und Nahverkehr

>>Leonberger Kreiszeitung<<

„Die Gefährdungslage ist definitiv nicht so, dass Frauen sich Sorgen machen müssten, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Aber wir nehmen wahr, dass das subjektive Sicherheitsgefühl trotzdem schlecht ist. Viele Frauen möchten nicht mit der S-Bahn fahren, weil sie denken, dass sie dort in eine doofe Situation kommen könnten.“

Kriminalität und Statistik: Kaum das Papier wert auf dem sie geschrieben steht

Hingegen soll die „objektive Sicherheitslage“ angeblich viel besser sein, verwiesen wird dabei auf diverse Statistiken. Allerdings sind diese häufig kaum das Papier wert, auf dem sie geschrieben sind.

Offenkundige Sicherheitsprobleme und das beschworene „subjektive Sicherheitsgefühl“

Letztlich ist auch hier das selbe Muster zu beobachten: Es wird tunlichst vermieden, offenkundige Sicherheitsprobleme direkt anzusprechen und stattdessen alles auf ein „subjektive Sicherheitsgefühl“ zu schieben. Dabei findet auch eine unterschwellige Diffamierung von Frauen statt: Denn insbesondere Frauen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein feines Gespür für brenzlige Situationen haben. Besser als bei Männern, ist ihr „Siebter Sinn“ wesentlich stärker ausgeprägt. Wenn Frauen dem Öffentlichen-Nahverkehr und belebte Plätze meiden, hat das häufig sehr wohl handfeste Ursachen. Die verschärfte Sicherheitslage fordert zudem einen ganz anderen Preis: Es schränkt die Bewegungsfreiheit von Frauen ein und verschlechtert so, deren Lebensqualität.

Bewegungsfreiheit: Öffentliche-Nahverkehr zu Unsicher und Taxi zu Teuer

Folglich: Der Öffentliche-Nahverkehr ist zu Unsicher und das Taxi zu Teuer, also bleibt Frau lieber Zuhause. Oder: Ohne männliche Begleitung ist der Besuch des Dorf- oder Stadtfestes zu Risikoreich, also bleibt Frau auch hier lieber Zuhause. Über diese ganz praktischen Einschränkungen von der Lebensqualität: Darüber wird indes nur selten ein Wort verloren.

 

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