Wenn „Precobs“ an der Haustür klingeln

Screenshot youtube.com

Wer Buletten und Kassler mag, steht im Verdacht, eine Sozialistische Diktatur zu errichten. Was auf den ersten ziemlich weit her geholt klingt, ist leider in weiten Teilen schon Realität. Buletten und Kassler mochte nämlich auch der verstorbene Erich Honecker.

Der Vorwurf eine Diktatur zu errichten

Bereits diese Übereinstimmung reicht aus, dass die sogenannte „künstlichen Intelligenz“ zu solch weit her geholten Ergebnissen kommen kann. Auf diese Ebene „denkt“ kein normal-denkender Mensch, doch so arbeiten mathematische Algorithmen von Computern.

>>Rechtsanwältin Eva-Maria Forster<<

„Gegenstand des Verfahrens: Illegales Tauschbörsenangebot urheberrechtlich geschützter Filmaufnahmen Der vor dem Amtsgericht Charlottenburg in Anspruch genommene Anschlussinhaber hatte in dem Verfahren behauptet, den streitgegenständlichen Film nicht in einer Tauschbörse angeboten zu haben. Er sei in dem streitgegenständlichen Zeitraum mit seiner Ehefrau in einem Restaurant essen gewesen und habe seinen Computer zuvor ausgeschaltet. … Diesen Vortrag des Beklagten beurteilte das Amtsgericht als nicht ausreichend zur Erfüllung der sekundären Darlegungslast. Das Amtsgericht erklärte, dass der Beklagte bereits keinen ausreichenden Vortrag zu einer Untersuchung seiner eigenen internetfähigen Endgeräte geleistet hat. Insbesondere habe der Beklagte seinen Router nicht untersucht.“

Sekundären Darlegungslast: Warum Bürger Polizei spielen müssen

Die sogenannte „Erfüllung der sekundären Darlegungslast“ ist eigentlich nirgends rechtsverbindlich definiert. Dafür gibt es allerdings zahlreiche widersprüchliche Urteile dazu und handfeste Kriterien  – insbesondere für Rechtslaien – sind auch nicht wirklich zu erkennen. Ungebremst läuft eine schleichende Entwicklung dahingehend, dass der Bürger immer mehr selbst „Polizei“ spielen und dabei sowohl Bekannte, als auch enge Familienangehörigen befragen muss. Irgendwo gab es früher mal eine Unschuldsvermutung und das Recht eigene Familienangehörige nicht zu belasten, aber diese theoretischen Rechte, wurden in der gelebten Rechtspraxis kurzerhand einkassiert.

Die Pflicht die eignen Familienangehörigen zu hintergehen

Mit jeden neuen Urteil, wird die sogenannte „Erfüllung der sekundären Darlegungslast“ weiter nach hinten geschoben. Die „Pflicht“ jetzt sogar noch den Router zu untersuchen, gab es früher beispielsweise so nicht. Das dahinterliegende Problem, sind weniger die Tauschbörsen, sondern vielmehr die variabel IP-Adressen: Anschlussinhaber sind nicht eindeutig zuordenbar. Hinzu kommt: Tauschbörsen sind per-se nicht einmal illegal, es kommt immer in Einzelfall darauf an, welche Datei betroffen ist. Jedoch die Urheberrechtlobby macht da keinen großen Unterschied. Schon heute durchforsten fragwürdige Unternehmen, mit noch mehr fragwürdigen Methoden das Internet, und greifen sich jeden den sie irgendwie Habhaft werden können. Das alles ist eben irgendwie auch „künstlichen Intelligenz“ .

Pre-Crime: Schuldig oder Unschuldig rückt im Hintergrund

Die Frage ob derjenige wirklich Schuldig oder Unschuldig sei, rückt immer weiter in den Hintergrund. Pre-Crime ist schon längst Realität. Aber der Fall vermittelt einen ersten Eindruck davon, wohin die Reise mit der vermeintlichen sogenannte „künstlichen Intelligenz“ hingehen soll. Denn echte Kriminalität können „Precobs“ ohnehin nicht bekämpfen.

>>Technology Review<<

„Immer häufiger nutzt die Polizei Datenanalyse-Software, um Straftaten vorherzusagen. Nun zeigt eine Studie, dass der Effekt deutlich kleiner ist als erhofft. … Für die Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe hat das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht das Programm „Precobs“ unter die Lupe genommen. Die Software des Oberhausener Instituts für musterbasierte Prognosetechnik war die erste auf dem Markt und gilt immer noch als Paradebeispiel. Die Polizeireviere in München und Mittelfranken wagen mit ihr seit 2014 den Blick in die Zukunft. Die bayerischen Beamten sagen Einbrüche und Autodiebstähle voraus. Diese Taten werden besonders häufig von professionellen Mehrfachtätern verübt, die nach bestimmten Mustern vorgehen. Precobs verarbeitet anonymisierte Daten der vergangenen fünf Jahre, und zwar Tatzeit, Tatort, Vorgehensweise, Beute und Art des Gebäudes. Daraus errechnet es Alarmgebiete, in denen eine Folgetat wahrscheinlich ist. Nach Angaben des Landeskriminalamtes Bayern hat die Software eine niedrige sechsstellige Summe gekostet. Im Polizeipräsidium Karlsruhe allerdings konnte der Max-Planck-Forscher Dominik Gerstner keinen positiven Effekt feststellen. Die Fallzahlen blieben im Wesentlichen unverändert. Alle dortigen Gebiete, in denen es einen Precobs-Alarm gegeben hatte, nahm Gerstner genauer unter die Lupe. Wird die Polizeidichte verdoppelt, sinkt die Zahl der Folgedelikte lediglich um 0,24.“

 

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