Wie Künstliche Intelligenz unbescholtene Bürger zu Pädophilen abstempelt

Screenshot vip.de

Die sogenannte Künstliche Intelligenz wird in weiten Teilen doch sehr verklärt. Eine sachliche Analyse kommt recht selten auf den Tisch, um einer nüchternen Debatte darüber aus den Weg zu gehen. Denn Computerprogramme basierend auf mathematischen Algorithmen sind schon heute in Lage, unbescholtene Mitmenschen zu Pädophilen herab zu stempeln. Hingegen der Organisierten Kriminalität, die zuweilen durch Kinderpornographie ihre pädophiles Unwesen treibt, tut sie hierdurch einen riesen Gefallen.

>>Staatsfernsehen „Westdeutscher Rundfunk“ <<

„Ein Ur-Vater der KI-Forschung, Marvin Minsky, meinte schon früh: „Geist ist nichts weiter als ein Produkt aus geistlosen, aber intelligent ineinandergeschachtelten Ober- und Unterprogrammen.“ Für den Robotik-Querdenker Hans Moravec ist völlig klar: „Die Umwandlung der unzulänglichen, biologischen in eine bessere, digitale Lebensform steht unmittelbar bevor – wir werden alle zu Robotern.“ Schon Mitte dieses Jahrhunderts werden viele Implantate den vergänglichen menschlichen Körper leistungsfähiger machen, glaubt Moravec. Und das sei nur der Anfang. Dem setzt ein anderer – ebenfalls heftig umstrittener Vordenker der Szene – noch eins drauf: Ray Kurzweil beschreibt in einem Fahrplan die Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Danach wird sie schon Ende dieses Jahrhunderts den Menschen als Krone der Schöpfung ablösen. Wenn Maschinen nicht sogar die Kontrolle über unseren Alltag übernehmen, könnten Menschen vielleicht ihren Geist scannen und in einem Roboterkörper oder im Computer weiterleben.“

Auf diese Weise verklärt der Staatsfunk die sogenannte Künstliche Intelligenz: Es handelt sich hierbei lediglich um ein Computerprogramm, das nach mathematischen Algorithmen Entscheidungen trifft. Alleine schon die Frage, ob dieses Verfahren überhaupt den Kriterien von Intelligenz entspricht, ist in Wahrheit umstritten. Die Fehleranfälligkeit ist hoch: Solange die Ergebnisse nur Suchbegriffe, Videos, Online-Artikel oder Bücher betreffen, mag die Fehlermarge tolerabel sein. Bei anderen Prozesse sollten die Ergebnisse mit äußerster Vorsicht betrachtet werden.

>>Spiegel<<

„Das Bundeskriminalamt (BKA) bekommt aus den USA Hinweise auf Kinderpornokonsumenten im Internet in alarmierender Zahl. Im vergangenen Jahr erhielten die deutschen Ermittler knapp 35.000 Verdachtsmeldungen des National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) – deutlich mehr als in früheren Jahren.“

 

>>law-blog<<

„Ob Google Drive, OneDrive von Microsoft oder andere Dienste: Viele amerikanische Anbieter scannen die von Nutzern hochgeladenen Inhalte von sich aus auf mögliche Kinderpornografie. Oder das, was man in den USA als solche definiert. Die Überprüfung geschieht offensichtlich automatisch und bringt auch in Deutschland Ermittlungen in Gang. Diese gehen bis zur Hausdurchsuchung, wie ein aktueller Fall aus meiner Praxis zeigt. Mein Mandant bezeichnet sich selbst als „Internet-Junkie“. Das heißt, er sammelt online und wahllos ziemlich viel Material, darunter auch Pornografie. Einen Teil davon hatte er nur für die eigene Nutzung auf OneDrive von Microsoft hochgeladen. Offensichtlich schlug dabei der Scan an, den Microsoft automatisch durchführt. Ein einziges, fragwürdiges Bild unter etlichen tausend unbedenklicher Aufnahmen führte zur Meldung an das US-amerikanische Center for Missing & Exploited Children. Über die amerikanische Polizei wurde das Bundeskriminalamt in Wiesbaden informiert. Der Hinweis auf die einzelne Bilddatei genügte der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, einen Durchsuchungsbeschluss zu beantragen, den das Amtsgericht Nürnberg auch erließ. Der Rest ist business as usual, das heißt die Polizei kam im Morgengrauen und packte die gesamte Hardware meines Mandanten ein. Sie will jetzt schauen, was er sonst so auf seinen Rechnern hat. Der Fall zeigt, dass in der Cloud gespeicherte Daten vielleicht einigermaßen gegen den Zugriff Dritter gesichert sind. Aber eben nicht gegen die eigene, präventive Kontrolle durch Microsoft & Co.“

Ohne Frage handelt es sich bei der sogenannte „Künstliche Intelligenz“ , wohl kaum um eine echte Intelligenz: Offensichtlich wurde der Computeralgorithmus auf die amerikanischen Ansichten von Sitte und Moral hin programmiert. Da die amerikanische Bevölkerung in weiten Teilen recht Prüde eingestellt ist, dürften die Rechner beim Auftreffen auf die deutschen Gepflogenheiten regelrecht heiß laufen. Echte Kinderpornographie ist fraglos ein Problem, aber das 35.000 Pädophile – jedes Jahr – straffällig werden, an diesen Zahlen sind wohl Zweifel angebracht. Aber hier zeigt sich auch das Problem: Viele reale Pädophile kennen sowohl die Gesetze, als auch die technischen Möglichkeiten. Diese laden ihre Daten wohl kaum auf externe Server hoch und nutzen zuweilen abgesicherte Verbindungen um den Ermittlern aus den Weg zu gehen. Demnach arbeitet die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ der pädophilen Szene regelrecht zu: Erhebliche Ressourcen sind gebunden, um ein paar unbedarfte Fotos am Strand von seinen Kindern juristisch zu überprüfen und echte Pädophile können in der Zeit ihren Trieben freien Lauf lassen! Alles Dank der „Künstliche Intelligenz“ . Aber das Staatsfernsehen drohte ja bereits: „Wenn Maschinen nicht sogar die Kontrolle über unseren Alltag übernehmen …“ Sollte wohl eher eine Aussage im Präsens sein: Denn Eltern müssen sich schon heute dreimal überlegen, in welchen Zusammenhang sie ihre Kinder filmen oder fotografieren.

 

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Bild: nordvpn.com
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