Wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu Kinderarmut führen

Screenshot vimeo.com

Nirgendwo auf der Welt bekommen die Menschen weniger Kinder als in Deutschland.“ So nüchtern schreibt es die Wirtschaftswoche, dabei ist der Befund in hohen Maße alarmierend. Die geringe Zahl an Kindern hängt überwiegend mit den abgeschlossenen Beschäftigungsverhältnissen zusammen und die Korrelation daraus, legt die reale wirtschaftliche Lage der Bevölkerung offen.

>>Der Tagesspiegel<<

„Die Lobbyverbände der deutschen Wirtschaft und auch die Bundesagentur für Arbeit bejammern und beklagen einen bedrohlichen Fachkräftemangel. Die Demographie ist schuld. Zu wenig Kinder, zu wenig Jugendliche und damit zu wenig Arbeitskräfte. Die Politik reagiert, beseitigt alle bürokratischen Hürden. Und wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien, Portugal, Italien oder Rumänien entscheiden sich immer mehr ausländische Akademiker nach Deutschland zu kommen. Das im Titel erwähnte Märchen stimmt leider. Zum Beispiel der prognostizierte Mangel an Ingenieuren. In Wirklichkeit nur das Ergebnis falscher Erhebungen und unsauberer Interpretationen von Statistiken. Der Fachmann Prof. Dr. Gerd Bosbach nennt das „Lügen mit Zahlen. Ich biege mir meine Statistik so zurecht, dass was Schlimmes rauskommt.“ Leider wird der Verbandsvertreter der Deutschen Ingenieure mit diesem lügenhaften Zurechtbiegen nicht wirklich überfallen. Er kommt mit den üblichen, nichtssagenden Sprechblasen davon. … Erst der dritte Fall, der Systemberater Edgar kann aus eigener Erfahrung erzählen, dass er von billigeren ausländischen Fachkräften aus Indien ersetzt wurde. Das Märchen von den fehlenden Fachkräften, es wird scheinbar hauptsächlich verbreitet, damit die Arbeitgeber einen größeren Bewerberpool zum Ausschöpfen haben. Damit sie ihre Ansprüche hoch- und die Gehälter runterschrauben können. Und auf kostspielige Arbeitskräfte über 45 wird gleich ganz verzichtet.“

 

>>Manager Magazin<<

„Der Fachkräftemangel bei Ingenieuren existiert so nicht. Festhalten darf man, dass die Vakanzen von Unternehmen deutlich länger offen sind – im Schnitt 110 bis 125 Tage. Doch selbst die Agentur für Arbeit sagt, dass auf 100 gemeldete offene Stellen rechnerisch 174 arbeitslose Experten der Maschinen- und Fahrzeugtechnik kommen. Warum also wird sich so viel Mühe gegeben einen Fachkräftemangel zu prognostizieren? Schauen wir uns die Verbände und Lobbyvereine an. Besonders lohnt sich der Blick auf die Automobilindustrie. Daimler, VW, Audi, Opel – fast alle machen mit. Sie organisieren sich und nehmen direkt oder indirekt Einfluss auf die Politik.“

 

>>Armut hier und heute von Adelheid Wedel (Buch) <<

„Eine Studie der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung zur »Generation Praktikum« kommt zu dem Ergebnis, dass junge Akademiker aber immer länger brauchen, bis sie auf einer unbefristeten Festanstellung landen. Praktika direkt nach dem Studienabschluss sind die häufigste »Beschäftigungsform «. 28 Prozent gaben an, dass sie unmittelbar nach dem Studium erst einmal ein Praktikum, ein Trainee-Programm oder ein Volontariat absolviert haben. Etwa ähnlich viele, 27 Prozent, landeten in befristeten Beschäftigungsverhältnissen. Nur 19 Prozent, also jeder fünfte, erhielt einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Innerhalb der ersten dreieinhalb Jahre nach dem Ende des Studiums haben sogar 38 Prozent der Befragten mindestens ein Praktikum oder eine praktikumsähnliche Beschäftigung nach dem Studium absolviert. 81 Prozent geben an, dass sie vollwertige Arbeit geleistet haben. Bei 75 Prozent war die Arbeit fest in den Betriebsablauf eingeplant. Dies deutet darauf hin, dass postgraduelle Praktika zum Teil reguläre Beschäftigung ersetzen. AbsolventInnen befinden sich während der Praktika zum Großteil in einer finanziellen Abhängigkeitssituation: 40 Prozent der Praktika sind gänzlich unbezahlt, die bezahlten Praktika liegen bei durchschnittlich 550 Euro im Monat. Darum müssen andere Finanzierungsquellen herangezogen werden: 56 Prozent werden durch die Eltern unterstützt, 43 Prozent setzen eigene Ersparnisse ein und ein nicht unbeträchtlicher Anteil von 22 Prozent ist während der Praktika auf Sozialleistungen angewiesen.“

 

>>Welt<<

„Doch der Beruf ist nur das halbe Leben, und mit Blick auf das Privatleben gibt es weniger Anlass zum Jubeln. Das gilt vor allem für den Trend bei der Kinderlosigkeit, wo Deutschland international einen Spitzenplatz einnimmt. Jede fünfte Frau im Alter zwischen 42 und 49 Jahren ist hierzulande ohne Nachwuchs. Besonders hoch ist dabei der Anteil der Akademikerinnen, von denen sogar 27 Prozent zeitlebens keine Kinder haben.“

Die hiesige berufliche-finanzielle Lage nimmt sehr wohl Einfluss auf die Familiengründung: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse bezahlt oder unbezahlt stellen ein entschiedenes Hindernis da.

 

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