Wirtschaftskrieg: Durch gezielte staatliche Eingriffe findet eine erhebliche Marktverschiebung statt

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Unter gewissen Bevölkerungskreisen erfreuen sich sogenannte Rattenrennen einer großen Beliebtheit: Die Frage ist dabei häufig: Welche Ratte wird das Rennen gewinnen? Eine vergleichbare Frage stellt sich auch bei der aktuellen Wirtschaftskrise: Welches Unternehmen wird am Ende der Krise noch übrig bleiben? Wer schon einmal ein echtes Rattenrennen beobachtet hat: Der kann die Frage ganz leicht beantworteten, weil die Wirtschaft nach ganz ähnlichen Muster funktioniert.

„Abkehr vom Prinzip der persönlichen Haftung“

>>Cash oder Crash – Abzocker durchschauen von René Zeyer (Buch) <<

„Die Bank tätigte Geschäfte mit einer größeren Geldsumme, als sie eigentlich besaß. Dann entdeckte die Bank, dass die Abkehr vom Prinzip der persönlichen Haftung der Bankbesitzer und ihr Ersatz durch das Verteilen von Aktien das Haftungsrisiko auf nahezu null reduzierte. Seither können Banken mit einem Eigenkapital von beispielsweise 30 Milliarden Bilanzräder von 1000 Milliarden und mehr drehen. Ein Verlust von lediglich drei Prozent bedeutet das Ende, Gewinne in beliebiger Höhe verbleiben in der Bank, … Da Banken alles können, außer selbst Geld drucken, nahmen sie dann die Staaten mitsamt deren Notenpressen in Geiselhaft, indem sie sich als zwar nicht unfehlbar, aber too big to fail proklamierten.“

„too big to fail“ – „Staaten mitsamt deren Notenpressen in Geiselhaft“

>>Basiswissen Eurokrise von Thorsten Edler (Buch) <<

„Da Banken gemeinhin als „systemrelevant“ für die Wirtschaft angesehen werden, fallen sie somit in die Kategorie „Too big to fail“, sprich: Banken sind zu groß und zu wichtig, als dass man sie einfach so pleitegehen lassen könnte, weil das am Ende mehr gesamtgesellschaftliche Kosten verursachen würde als sie mit finanziellen Staatshilfen zu retten.“

„Banken gemeinhin als „systemrelevant“ für die Wirtschaft angesehen“

Als „Systemrelevant“ gelten aber nicht nur die Banken, sondern ganz allgemein: Die großen Spieler auf dem Börsenpaket.

„In einer geheimen Versammlung“ – „Rettung der Fluglinie“

>>Computer Bild<<

“ … trafen sich Lufthansa- und Regierungsvertreter einem Medienbericht zufolge in einer geheimen Versammlung, um eine Lösung zur Rettung der Fluglinie zu finden. … Das Ergebnis: Der Staat zahlt 9 Milliarden Euro an die Lufthansa, ist dafür aber neuer Anteilseigner des Unternehmens.“

„Der Staat zahlt 9 Milliarden Euro an die Lufthansa“

Sogar Fluggesellschaften haben mittlerweile den umstrittenen Status „Systemrelevant“ erlangt, wobei nicht mal genau klar ist: Was die Lufthansa von anderen Fluggesellschaften unterscheiden soll?

„too big to fail“ – Wem gehören diese Unternehmen?

Denn die allermeisten Unternehmen lässt man – ohne mit der Wimper zu zucken – pleite gehen. Aber speziell bei Banken oder großen Fluglinien ist nicht mal so richtig klar: Wem diese Unternehmen eigentlich gehören?

Rettung der Minibank Hypo Real Estate: Wegen ihren erlauchten Kundenkreis?

Nichtsdestoweniger tun sich auch bei manch geretteten Konzern erheblich Fragen auf. Beispiel: Die Hypo Real Estate galt sozusagen schon immer als verhältnismäßig kleines Geldinstitut: Die allermeisten Menschen dürften noch nie mit der Bank etwas zu tun gehabt haben. Selbst unter den umstrittenen Status „Systemrelevant“ dürfte sie daher wohl kaum fallen: Trotzdem wurde sie mit erheblichen Mitteln an Steuergeld gerettet. Da drängt sich die Frage auf: Warum nur?

Gelten Beamtenpensionen als Systemrelevant?

Ein Blick auf ihre ganz besonderen „Kunden“ bringt hier Klarheit ein. Unter anderen hat dort die „Bayerische Versorgungskammer“ ein Konto eingerichtet. Kurzum: Die Pensionen – und sicherlich auch das dazugehörige Vermögen – der ausgeschiedenen Beamten werden dort verwaltet. Ähnliches trifft wahrscheinlich auch auf dem Bayrischen Rundfunk zu. Vermutlich ging es also bei der Rettung der „Hypo Real Estate“ weniger um die Bank selbst, sondern vielmehr um deren erlauchten Kundenkreis.

Air Berlin kann Pleite gehen und Lufthansa gilt als Systemrelevant

Eine vergleichbare Gemengelage dürfte sich vermutlich auch bei der Lufthansa-Rettung ergeben? Also: Wer genau fliegt alles so mit der Lufthansa durch die Welt? Die Fluglinie kann wohl kaum als Billigfluglinie durchgehen, sondern mit ihr fliegen vornehmlich Leute mit Geld. Abgeordnete und Beamte auf Dienstreise nehmen vorzugsweise die Lufthansa als Transportmittel in Anspruch: Da Dienstreisen ohnehin – von Steuerzahler – bezahlt werden, spielen Kosten also keine Rolle mehr. Deshalb hat sich die Fluglinie auf den erlauchten Kundenkreis eingestellt. Mit Lufthansa kann man beinahe jeden Punkt auf der Welt und nicht nur beliebte Ferienziele erreichen. Vermutlich muss deshalb die Lufthansa – mit Steuermitteln – gerettet werden, während Air Berlinals Tarnsportmittel für die ärmeren Bevölkerungsschichten – pleite gehen darf.

Für wem gilt die Lufthansa als Systemrelevant?

Die Wirtschaftskrise wird also nicht für eine Bereinigung sorgen, sondern eine erhebliche Marktverschiebung zur Folge haben. Nur wenige Unternehmen finden sich unter umstrittenen Status „Systemrelevant“ wieder – sprich: Die große Pleitewelle wird an ihnen beinahe spurlos vorbei gehen. Am Ende der großen Krise stehen sie dann als große Gewinner da. Die unliebsame Konkurrenz hat entweder das Handtuch geworfen oder man kann sie für einem Spottpreis aufkaufen. Durch gezielte staatliche Eingriffe findet also eine erhebliche Marktverschiebung statt.

Durch gezielte staatliche Eingriffe findet also eine erhebliche Marktverschiebung statt

Bei der Frage welche Unternehmen am Ende der großen Wirtschaftskrise noch übrig sind, sollte man sich am Rattenrennen orientieren. Denn meistens gewinnen immer die größten Ratten das Rennen – und das ist wirklich so. Wer also in der Krise tatsächlich Geld übrig haben sollte, der sollte am Tiefpunkt der Krise auf ganz große Firmen setzen: Am Besten mit Status „Systemrelevant“  – Das steht gewissermaßen als Gütesiegel für eine risikolose Geldanlage da.

 

–W E R Β U Ν G–

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