„Wurzel allen Übels“ – Lausitzer Kriminalität: Alkoholverbot per Allgemeinverfügung

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Der Alkoholmissbrauch ist an wirklich allen sozialen Missständen schuld: Egal ob Kriminalität, Körperverletzungen oder Armut: Mit dieser kindlichen Einfältigkeit wurde seinerzeit die Prohibition in den USA begründet. Eigentlich war der Ausgang des „Sozialexperiment“ bereits vorher bekannt: Denn das Alkoholverbot hatte schon damals Vorläufer gehabt. Trotz dieses Wissens wurde es durchgeführt.

„Die Trunkenheit sei die Wurzel allen Übels“

>>Neue Zürcher Zeitung<<

„Mit der Prohibition sollte die amerikanische Gesellschaft gesunden. Doch das «noble Experiment» geriet zum historischen Lehrstück über gutgemeinte Absichten und ihre desaströsen Folgen. … Die Trunkenheit sei die Wurzel allen Übels, behaupten die Gegner des «Teufels Alkohol». Sie führen alle sozialen Missstände – ob Armut, Kriminalität oder Gewalt gegen Frauen und in der Familie – auf den Alkoholmissbrauch zurück.“

„Armut, Kriminalität oder Gewalt gegen Frauen und in der Familie – auf den Alkoholmissbrauch zurück“

Man verbietet einfach Alkohol und wie durch Zauberhand sind alle sozialen Missstände verschwunden: Kein absurder Unsinn, vielmehr wurde diese These damals – und teilweise noch heute – ernsthaft vertreten. Jenseits dieser sehr kindlichen Einfältigkeit hätte man es eigentlich besser Wissen können. Immerhin hat das propagierte Alkoholverbot diverse Vorläufer gekannt.

„Statt den Drogenmissbrauch auszurotten, trieb die Prohibition ihn in die Schattenexistenz einer illegalen Wirtschaft“

>> Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel von Alfred W McCoy  (Buch) <<

„Nach dem Ersten Weltkrieg berief der neue Völkerbund 1925 in Genf eine Konferenz ein, die ein zweites internationales Opiumabkommen aushandelte und ein System zur Registrierung legaler Betäubungsmittellieferungen schuf. … Statt den Drogenmissbrauch auszurotten, trieb die Prohibition ihn in die Schattenexistenz einer illegalen Wirtschaft, die schließlich von Drogenbaronen in den Hochländern der Dritten Welt und von städtischen Verbrechersyndikaten in der Ersten Welt kontrolliert wurde. Von Anbeginn führte jeder staatliche Eingriff auf diese Weise zu einer gleichstarken kriminellen Gegenreaktion. Nach dem Opiumverbot des Völkerbundes 1925 entwickelte sich Schanghai zu einem bedeutenden Zentrum illegalen Heroins und belieferte einen beträchtlichen Teil des New Yorker Marktes.“

„Von Anbeginn führte jeder staatliche Eingriff auf diese Weise zu einer gleichstarken kriminellen Gegenreaktion“

Etwa 60 Jahre zuvor sind im Zweiten Opiumkrieg die europäischen Mächte noch – für – die Droge im Krieg gezogen. Es ist also kein Zufall: Das Schanghai sich daraufhin zum Zentrum des illegalen Drogenhandels entwickelte. Der „Kampf gegen Drogenmissbrauch“ hat sich als riesiges Konjunkturprogramm für die Organisierte Kriminalität herausgestellt. An der Entwicklung des mexikanischen Ortes Tijuana wird die enge Verzahnung von Drogen- und Alkoholverbote und der daraus resultierenden Kriminalität deutlich.

„Zwischen 1920 und 1933 verwandelte das Alkoholverbot in den USA Tijuana in eine Lasterhöhle“

>>El Chapo: Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron von Malcolm Beith (Buch) <<

„Noch Jahrzehnte nach seiner Gründung bestand Tijuana aus kaum mehr als ein paar Ranches, die sich von der Küste ins Landesinnere erstreckten. Zudem hatten sich ein paar Hundert Farmer rund um Tijuana angesiedelt. Dann kam die Prohibition. Zwischen 1920 und 1933 verwandelte das Alkoholverbot in den USA Tijuana in eine Lasterhöhle. Bars schossen wie Pilze aus dem Boden, der Schmuggel blühte, die mexikanische Regierung sah weg, und vom US-amerikanischen Soldaten bis zum Hollywoodstar, vom einfachen Geschäftsmann bis zum Mafia-Boss drängten alle nach Süden, um sich in den Bordellen, Bars, Casinos und auf den Rennbahnen eine schöne Zeit zu machen. … Lange bevor das Drogengeschäft boomte, war Tijuana ein Schmugglerparadies.“

„Lange bevor das Drogengeschäft boomte, war Tijuana ein Schmugglerparadies“

Die heutige mexikanische Grenzstadt Tijuana wäre ohne Drogen- und Alkoholverbote in dieser Form heutzutage gar nicht denkbar. Aber die Stadt bringt noch einem ganz anderen Aspekt hervor: Abseits aller „rechtlichen Verboten“ konnte dort die Geselligkeit weiterleben. Vereinfacht: Während in den USA gähnende Leere herrschte, steppte gewissermaßen auf der anderen Seite des Grenzzaunes der Bär auf der Tanzfläche. Eine vergleichbare paradoxe Situation ist mittlerweile wieder in Gegenwart anzutreffen. Alkoholverbot greifen um sich.

Lausitz: Alkoholverbot per Allgemeinverfügung

>>Stadt Cottbus<<

„Alkoholverbot – Betroffen sind der Schillerplatz rund um das Staatstheater sowie der Park an der Puschkinpromenade zwischen Töpferstraße und verlängerter Münzstraße. … Eine entsprechende Allgemeinverfügung … veröffentlicht … .“

Warum Alkoholverbote einem bitteren Beigeschmack aufweisen

Zumal Alkoholverbote einem bitteren Beigeschmack aufweisen: Da es kaum noch legale Veranstaltungen gibt, bleiben faktisch nur noch illegale Treffen unter freien Himmel übrig. Die immer stärker um sich greifenden „Allgemeinverfügungen“ und andere Verordnungen greifen stark ins zwischenmenschliche Zusammenleben ein, was völlig zuwider der menschlichen Natur läuft. Außerdem scheinen viele Beamte selbst ein Alkoholproblem zu haben.

„1,0 Promille im Blut“ – „Ein Polizist verursacht einen Unfall, eine 21-Jährige stirbt“

>>Der Tagesspiegel<<

„Ein Polizist verursacht einen Unfall, eine 21-Jährige stirbt. Und erst jetzt kommt raus: Der Beamte soll 1,0 Promille im Blut gehabt haben. … Der Polizist, um den es geht, war auf einer Wache in Mitte im Dienst, … Mit Blaulicht fuhr er mit seinem Kollegen zum Einsatzort – es war auch noch ein Fehlalarm.“

„1,0 Promille im Blut“ – „Mit Blaulicht fuhr er mit seinem Kollegen zum Einsatzort“

Wie kann eigentlich ein Polizist schon zur Mittagszeit sturz betrunken sein und kein anderer Beamter – inklusive des unmittelbaren Vorgesetzten – soll irgendwas gemerkt haben? Aber auch das Sondereinsatzkommando in Köln soll bereits volltrunken bei einer „Party“ mit einer Kettensäge hantiert haben. Die Predigten der „Hochmoral vom Amtswegen“ über Alkoholmissbrauch kommen also mit sehr viel Zynismus daher.

 

–W E R Β U Ν G–

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