Das große Zeitalter von Filterblasen und positivistischen Informationen wirft seine Schatten voraus. Unbequeme Tatsachen werden einfach ausgeblendet und jeden Tag wird auf`s neue eine andere „Wahrheit“ verkündet. Dafür gehen wichtige harte Fakten einfach unter. Alles viel zu deprimierend und despotisch? – Keine Sorge, die richtige Abgründe der öffentlich-rechtlichen Medienwelt tun sich noch auf.

„Das Postfaktische tatsächlich ein besonderes Zeichen unserer Zeit ist“

>>Die Psychologie des Postfaktischen von Markus Appel (Buch) <<

„Man kann den Begriff des Postfaktischen und das, was er beschreiben möchte, selbst als modischen Humbug abtun. Allerdings gibt es einige Entwicklungen, die darauf hindeuten, dass das Postfaktische tatsächlich ein besonderes Zeichen unserer Zeit ist. … Das Internet bietet in nie dagewesener Form Zugang zu Informationen. Ferner ermöglicht es Personen, die weder medientechnische oder journalistische noch inhaltliche Expertise besitzen, Informationen zu verbreiten und weiterzugeben. Dies birgt neben Chancen im Sinne einer größeren Teilhabe an der Mediengesellschaft auch die Gefahr, dass die Qualität der Beiträge sinkt, gerade im Hinblick auf deren Wahrheitsgehalt und Wahrhaftigkeit.“

Warum die Lebenswirklichkeit von Otto-Normalbürger häufig eine „Falschnachricht“ durchgeht

Diese Sichtweise ist bestenfalls teilweise richtig. Schließlich ist die „Wahrheit“ keine definierbare mathematische Formel, sondern stellt vielmehr eine sehr subjektive Größe dar. – Einfaches fiktives Beispiel gefällig: Bei einen Verkehrsunfall gibt es fünf völlig unabhängige Zeugen und von denen wird – ohne zu lügen – jeder eine andere „Wahrheit“ verkünden. Vergleichbares spielt sich in der Medienwelt ab. Die Lebenswirklichkeit eines hochbezahlten Journalisten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk hat wenig mit der eines Normalbürgers zu tun. Daher werden unbequeme Fakten gerne mal als „Falschnachrichten“ – respektiveFake News“ – abgetan.

„Fake News in Verbindung mit Hatespeech“

>>Landesmedienzentrum Baden-Württemberg<<

„Fake News in Verbindung mit Hatespeech – Seit Inkrafttreten des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes Mitte 2017 müssen Anbieter sozialer Netzwerke „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ wie Volksverhetzung, Anleitungen zu schweren Straftaten oder verbotene Symbole innerhalb von 24 Stunden nach Beschwerde sperren oder löschen. Ansonsten drohen ihnen Bußgelder in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro. Ist eine Falschmeldung von Hass geprägt und mit strafrechtlich relevanten Aussagen gespickt, könnte es ein Fall für die Polizei sein.“

„Offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ – „Ansonsten drohen ihnen Bußgelder in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro“

Alleine beim Begriff „Hass“ müssten jeden Juristen die Haare zu Berge stehen. – Wie bitte schön soll ein subjektives Gefühl rechtsverbindlich definiert werden? Vergleichbares triff auf „Falschnachrichten“ zu. Geht es dabei wirklich nur um Verbot von Falschnachrichten oder eher die Zensur von einer „falschen Meinung“ zu einer objektiv richtigen Nachricht? Letztendlich ist die massenweise Löschung von Kommentaren und die Sperrung von Kanälen zu beobachten. Bei solchen Strafen kann es den sozialen Netzwerken auch niemand wirklich verdenken. Aber selbst damit ist nur die Spitze des Eisbergs zu sehen.

„Shadowban: inoffizieller Ban“

>>Netzwelt<<

„Das bedeutet Shadowban: inoffizieller Ban – Der englische Ausdruck „Shadowban“ bedeutet direkt übersetzt „Schattenverbot“ oder „Schattensperre“. Dabei bezieht er sich auf den im Internet geläufigen Begriff „Ban“ für die „Sperre“ oder das „Blockieren“ eines Accounts. Ein „Shadowban“ ist eine Form von diesem, bei dem der Content der Betroffenen nicht mehr sichtbar ist, sie jedoch keine Kenntnis darüber haben.“

„Ein „Shadowban“ ist eine Form von diesem, bei dem der Content der Betroffenen nicht mehr sichtbar ist“

Neben der plumpen Löschung sind noch andere Möglichkeiten vorhanden. Im Endeffekt arbeiten alle große Suchmaschinen und sozialen Netzwerken mit Algorithmen und dort lassen sich leicht Anpassungen vornehmen. Es ist kein Kunststück, einzelne Beiträge nach vorne oder hinten zu verschieben. Der Betroffene bekommt es bestenfalls indirekt mit. Allerdings ganz ohne Algorithmen geht es eben auch nicht.

„Twitter oder YouTube lesen und sehen können, vertrauenswürdiger als die »Tagesschau«?“

>>Meinungsunfreiheit von Wolfgang Kubicki (Buch) <<

„Die Informationsvielfalt bringt selbstverständlich Probleme für die Meinungsbildung mit sich. Denn dem Einzelnen fällt es immer schwerer, sich »ausreichend« und unabhängig über eine bestimmte Thematik zu informieren. Ist das, was wir auf Business Insider , Twitter oder YouTube lesen und sehen können, vertrauenswürdiger als die »Tagesschau«? Wer hilft uns, den absoluten Überfluss an Informationen sinnvoll zu filtern und einzuordnen? Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wollen genau dies leisten. In den Programmrichtlinien des Westdeutschen Rundfunks können wir zum Beispiel lesen: »Zuverlässige Orientierung in einer Flut von Informationen zu bieten, sehen wir als Kern öffentlich-rechtlichen Auftrags.« Doch damit endet dieser Auftrag heute wohl nicht. Mein Eindruck ist, dass Teile der klassischen Medien mittlerweile dazu übergehen, den Verlust der Deutungshoheit anderweitig zu kompensieren. Sie wollen nicht nur Informations-, sondern auch Lebensorientierung bieten.“

„Zuverlässige Orientierung in einer Flut von Informationen zu bieten, sehen wir als Kern öffentlich-rechtlichen Auftrags“

Im Grunde sind diese Rundfunkanstalten ebenfalls nur riesengroße Filterblasen: Alleine die gefühlt zahllosen fiktiven Polizei-Kriminalfilme und realen Polizei-Dokumentionen – wahlweise tritt auch das Ordnungsamt auf – stehen für sich selbst, obwohl nicht mal ein Prozent der Bevölkerung aktiv bei der Polizei arbeitet. Nur für diese eine Berufsgruppe wird viel Sendezeit gewidmet und enorme Summen an Gebührengeldern aufgewendet. Dafür kommen andere Themen in der Filterblase kaum vor.

„Verwechslung mit russischer Flagge: Sorben werden Opfer von Anfeindungen“

>>Redaktionsnetzwerk Deutschland<<

„Verwechslung mit russischer Flagge: Sorben werden Opfer von Anfeindungen – Blau, Rot, Weiß statt Weiß, Blau, Rot: In Südbrandenburg seien Sorben mehrfach angefeindet worden, weil man ihre Flagge für die russische gehalten hätte. Ein Verband der sorbischen Minderheit zeigt sich nun besorgt. … „Wir haben keinen Millionen-PR-Etat für die Aufklärung, dass die russische Flagge weiß-blau-rot ist.“  …  Sprecher des Domowina-Dachverbandes der Sorben …“

„Wir haben keinen Millionen-PR-Etat für die Aufklärung“

Diese Information lässt sich problemlos ins postfaktische Zeitalter einordnen: Die Domowina ist im Rundfunkrat vertreten und diese Sendeanstalten können nicht nur Millionen, sondern Milliarden ausgeben. Grundsätzlich ist der Vorfall traurig, gleichzeitig aber wenig verwunderlich. In der Filterblase der öffentlichen Rundfunkanstalten kommen die Sorben nur sehr selten vor. Und die Lausitzer Allgemeinen Zeitung berichtet über zwar regelmäßig über die Sorben aus der Lausitz, aber mit konstruktiver Kritik kommt man an der faktischen Zensur nicht vorbei.