Herkömmliche Smartphones werden unter gefährlichen Bedingungen für Mensch und Umwelt hergestellt. Die niederländische Fairphone BV versucht, möglichst nachhaltig zu produzieren. Bisher hinkte dabei die Software hinterher – das soll jetzt endlich anders werden.

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Von Stefanie Roenneke

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Das ist das Fairphone

In einem modernen Smartphone sind bis zu 60 verschiedene Elemente verbaut (Quelle: Greenpeace, PDF). Viele davon werden unter gefährlichen Bedingungen für Mensch und Umwelt gewonnen. Ein Gegenentwurf ist das „Fairphone“, das von der Fairphone BV mit Sitz in den Niederlanden produziert wird.

Die Fairphone BV beschreibt sich selbst als soziales Unternehmen mit dem Ziel, möglichst fair produzierte und nachhaltige Smartphones herzustellen. Die Arbeits- und Produktionsbedingungen von Smartphones sollen verbessert, beim Einkauf der Rohstoffe auf Umwelt und Menschenrechte geachtet werden. Zudem sollen die Smartphones möglichst lange in Gebrauch sein.

Das Unternehmen wurde 2013 von dem Designer und Elektroingenieur Bas van Abel gegründet. Seitdem hat die Fairphone BV drei Smartphone-Modelle auf den Markt gebracht.

Smartphones als Wegwerf-Geräte

Bei vielen Rohstoffen, die für die Produktion von Smartphones gebraucht werden, handelt es sich um sogenannte Konfliktmaterialien – Mineralien, durch deren Verkauf bewaffnete Konflikte finanziert werden. Zu den Metallen gehören vor allem Gold, Tantal und Wolfram aus der Demokratischen Republik Kongo und deren Nachbarländern.

Die Löhne in der Smartphone-Fertigung sind oft niedrig, die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig. Das wurde im Zuge der Selbstmorde bei der taiwanesischen Firma Foxconn im Jahr 2010 weltweit publik. Foxconn ist einer der größten Fertigungsbetriebe für elektronische Produkte und produziert unter anderem für Apple, Google und Microsoft.

Der Hunger nach neuen Rohstoffen steigt auch durch die kurze Nutzungsdauer von Smartphones. Viele Geräte bekommen nicht einmal zwei Jahre lang Software-Updates. Sie erhalten also bald keine neuen Funktionen und Sicherheitspatches mehr, obwohl die Hardware noch völlig in Ordnung ist.

Dabei locken die Hersteller jährlich mit neuen Modellen. Aufgrund der immer kompakteren Bauweise sind die meisten Geräte kaum reparierbar. Durchschnittlich bleiben Smartphones daher weniger als zwei Jahre lang beim Erstnutzer.

Der lange Weg zum fairen Smartphone

Die Fairphone BV verbaut in ihren Geräten möglichst fair gehandelte Rohstoffe, nutzt, wo möglich, recycelte Materialien und setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den Unternehmen vor Ort ein. Fairphones sind zudem auf Langlebigkeit ausgelegt.

Dennoch ist auch das aktuelle Modell nicht zu 100 Prozent fair produziert: Für alle benötigten Rohstoffe faire und umweltverträgliche Quellen zu finden, ist momentan schlicht unmöglich. Bei etlichen Materialien gibt es bislang noch keine akzeptablen Quellen oder die Lieferketten sind nicht vollständig bekannt. Daher hat sich der Hersteller zunächst die zehn wichtigsten Materialien vorgenommen und versucht, dafür akzeptable Lieferketten zu etablieren.

 


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