Die Kaiserin Theophanu dürfte zu den faszinierenden Persönlichkeiten des Mittelalters gehören. Eine byzantinische Prinzessin hat sich auf den beschwerlichen Weg nach Westeuropa begeben, um dem Mann ihrer Träume zu heiraten? Der mythisch-exotische Glanz jener Tage wirkt noch bis in die Neuzeit nach und könnte Problemlos die Kulisse einer modernen Märchenhochzeit bieten. Dummerweise ist vermutliche die Hochzeit unter ganz anderen Beweggründen zustande gekommen.

Eine echte byzantinische Prinzessin im fernen Westeuropa

>>St. Pantaleon Köln<<

„Kaiserin Theophanu (ca. 960-991) gehört zu den faszinierenden Frauenpersönlichkeiten des Mittelalters. Als Griechin kaiserlicher Herkunft aus Byzanz, wurde sie auf Betreiben ihres Schwiegervaters, Kaiser Otto I., am 14. April 972 in Rom mit Otto II. vermählt.“

„Kaiserin Theophanu“ – „Gehört zu den faszinierenden Frauenpersönlichkeiten des Mittelalters“ 

Die Verheiratung von Theophanu dürfte wohl weniger eine romantische Hochzeit, sondern wohl eher aus reinen Machtkalkül geschuldet sein. Aus heutiger Sicht kann man sich nur schwerlich in die damalige Gedankenwelt hinein versetzen. Zumindest wurde einiges in Bewegung gesetzt, um die Vermählung – respektive Verbindung zu Byzanzs – herzustellen.

Dumm gelaufen: Toch­ter des by­zan­ti­ni­schen Kai­sers Por­phy­ro­gen­ne­ta war schon Fürst Wladimir aus Russland versprochen

>>LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte<<

„Um sei­ne Macht auf di­plo­ma­ti­schem We­ge zu si­chern und zu er­wei­tern, hat­te Kai­ser Ot­to I. (Re­gie­rungs­zeit 936-973) für sei­nen gleich­na­mi­gen Sohn und de­si­gnier­ten Nach­fol­ger die Hoch­zeit mit ei­ner „Por­phy­ro­gen­ne­ta“, ei­ner Toch­ter des by­zan­ti­ni­schen Kai­sers, an­ge­strebt. Das jun­ge Mäd­chen Theo­pha­nu, die Ot­to II. nach zä­hen Ver­hand­lun­gen 970 als Ehe­frau zu­ge­spro­chen wur­de, war zwar nicht die Toch­ter, wohl aber ei­ne an­ge­hei­ra­te­te Nich­te des seit En­de 969 re­gie­ren­den Jo­han­nes I. Tzi­mis­kes (Re­gie­rungs­zeit 969-976).“

„Por­phy­ro­gen­ne­ta“ – „Ei­ner Toch­ter des by­zan­ti­ni­schen Kai­sers“

Die Toch­ter des by­zan­ti­ni­schen Kai­sers war nicht zu haben, so musste sich Otto II. mit dem „Trostpreis“ Theophanu zufrieden geben. Nichtsdestotrotz wurde mit der Heirat das Hauptziel erreicht.

„Am 14.4.972 wur­de sie im Al­ter von et­wa zwölf Jah­ren mit dem 18-jäh­ri­gen Thron­fol­ger und Mit­kai­ser Ot­to II. in Rom ver­hei­ra­tet“ 

>>LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte<<

„Am 14.4.972 wur­de sie im Al­ter von et­wa zwölf Jah­ren mit dem 18-jäh­ri­gen Thron­fol­ger und Mit­kai­ser Ot­to II. in Rom ver­hei­ra­tet und zu­gleich zu des­sen (Mit-) Kai­se­rin gekrönt. Fort­an wur­de sie in Ur­kun­den als con­sors im­pe­rii (Teil­ha­be­rin an der Kai­ser­herr­schaft) oder auch co­im­pe­ra­trix (Mit­kai­se­rin) an­ge­spro­chen. In der be­rühm­ten Hei­rats­ur­kun­de er­hielt sie vom Ehe­mann und vom Schwie­ger­va­ter zahl­rei­che Be­sit­zun­gen im ge­sam­ten Reich, … „

„Ur­kun­den als con­sors im­pe­rii (Teil­ha­be­rin an der Kai­ser­herr­schaft) oder auch co­im­pe­ra­trix (Mit­kai­se­rin) an­ge­spro­chen“ 

Mit „Mit­kai­ser oder „Teil­ha­be­rin an der Kai­ser­herr­schaft“ ist nichts geringeres als Fortführung des Weströmischen Reiches gemeint. Deswegen waren die Bemühungen um die Verheiratung mit Byzanz so intensiv betrieben worden. Im Gegensatz zu Westrom ist Ostrom nie wirklich untergegangen. Es hat sich lediglich im Laufe der Zeit einem neuen Namen gegeben. Nun ging es darum Westrom neu entstehen zu lassen oder etwas genauer: Die Legitimation des Herrschaftsanspruchs herzustellen.

West- und Ostrom: „Anspruch, das westliche und das östliche Kaisertum seien gleichwertig“

>>Geschichte Italiens von Wolfgang Altgeld – Thomas Frenz – Angelica Gernert (Buch) <<

„Im Mai 961 hatte Otto I. seinen Sohn Otto II. zum Nachfolger in Deutschland bestellt (eine Maßnahme zur Vorbereitung der Kaiserkrönung). An Weihnachten 967 ging er einen Schritt weiter und machte den nunmehr zwölfjährigen Mitkönig zum Mitkaiser. So erhob er den Anspruch, das westliche und das östliche Kaisertum seien gleichwertig, und zwar in denselben Formen, deren sich seinerzeit Karl der Große bedient hatte. Zu einer Eheverbindung der Kaiserhäuser fand sich jedoch erst der 969 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommene Kaiser Johannes Tzimiskes bereit: Aus seiner Verwandtschaft stammte die Braut für Otto II., die berühmte Prinzessin Theophanu. Sie wurde bei der Eheschließung 972 ebenfalls zur (Mit-)Kaiserin (consors imperii) gekrönt. Otto I. starb 973. Gegen Otto II. regte sich in Italien kein offener Widerstand, jedoch benötigte er sieben Jahre, um nördlich der Alpen die Position seines Vaters voll einzunehmen.“

Warum die damalige Herrscher ihren Machtanspruch direkt an das Weströmische Imperium anknüpfen wollten

Die damalige Herrscher knüpften ihren Machtanspruch direkt an das Weströmische Imperium an. Niemand muss das heute glauben: Aber aus ihrer Sicht hat das Weströmische Reich somit weiter fortbestanden. Sogar der letzte Deutsche Kaiser ließ sich noch im römischen Gewand krönen und seine Unterschriften haben stets die Kürzel „I. R.“ für  „Imperator Rexgetragen. Auch ganz Formal im Namen wurde das Römische Reich fortgeführt.

„Eindeutiger Anlehnung an das ehemalige Römische Reich durch dessen vom Papst in Rom vollzogene Kaiserkrönung begründet“ 

>>Wikibooks.org<<

„Zwar ist der Begriff Heiliges Römisches Reich erst 1184 erstmals urkundlich belegt, wird hier aber aus Gründen der Verständlichkeit verwendet, da dieses Reich bereits 962 durch Otto I. mit eindeutiger Anlehnung an das ehemalige Römische Reich durch dessen vom Papst in Rom vollzogene Kaiserkrönung begründet wurde. Otto I. gelang dadurch sogar ein Ausgleich mit dem byzantinischen Kaiser Johannes Tzimiskes und die Verehelichung seines Sohnes Otto II. mit dessen Nichte Theophanu. Vor allem die Polarität zwischen Westrom (Rom) und Ostrom (Byzanz) lebte so wie seit der Reichsteilung von 395 weiter fort.“

„Polarität zwischen Westrom (Rom) und Ostrom (Byzanz) lebte so wie seit der Reichsteilung von 395 weiter fort“

Alleine der Name „Heiliges Römisches Reich“ dürfte keine Fragen offen lassen. Noch heute wird die Sprache der Römer „Latein“ als Kirchensprache und Rechtssprache für Juristen verwendet. Auch römische Rechtsgrundsätze wie „Audiatur et altera pars“ – frei übersetzt: Die Gegenseite ist anzuhören – werden immer noch angewendet. Damals wie heute geht es – mit unterschiedlichen Mitteln – darum: Den eigenen Herrschaftsanspruch zu sichern. Die Legitimation wollte man sich durch die Heirat mit Theophanu herbeiführen.

Kaiser: Machtanspruch mit dürftiger Legitimation

>>Rechtsgeschichte von Susanne Hähnchen (Buch) <<

„Zuweilen erfolgte die bindende Einsetzung des Nachfolgers schon zu Lebzeiten des Königs. So kam es auch zur Wahl Minderjähriger. Erst ab dem 15. Lebensjahr, dem Zeitpunkt der Mündigkeit, war der König selbst regierungsfähig. Vorher trat Regentschaft ein, die seit dem 10. Jahrhundert durch die Königsmutter ausgeführt wurde. Bekannt sind Theophanu (Witwe Ottos II.) und Adelheid (Mutter Ottos II.), die nacheinander für Otto III. die Regentschaft führten. Doch beanspruchten auch andere Machthaber, insbesondere die geistlichen Kurfürsten, das Recht der Regentschaft für sich. Dann setzte sich das freie Wahlrecht durch, das bisweilen auch zur Wahl von Gegenkönigen führte. Habsburger, Wittelsbacher und Luxemburger wechselten sich ab.“

„Beanspruchten auch andere Machthaber, insbesondere die geistlichen Kurfürsten, das Recht der Regentschaft für sich“

Otto II. und sein Sohn mussten also mehrere andere Herrschaftshäuser ausstechen und die by­zan­ti­ni­sche Theophanu war in diesem Spiel gewissermaßen das Ass im Ärmel gewesen. – Klingt alles zu weit hergeholt? Durchaus vergleichbare Ideen haben andere Herrschaftshäuser in vollkommen unterschiedlichen Regionen verfolgt.

Fürst Wladimir: „Die höchste diplomatische Anerkennung, die Byzanz zu vergeben hatte“

>>Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien? von Wolfgang Seidel (Buch) <<

„Fürst Wladimir (960–1015) regierte mit harter Hand und war ein ausgesprochener Götzendiener. Der gemeinsame Feind der Byzantiner und der »Rus« waren die auf dem Balkan mächtig gewordenen Bulgaren. Wladimir und Kaiser Basileus II. wurden nun sogar Verbündete: Wladimir sollte sich (und die Rus) taufen lassen und erhielt dafür im Gegenzug die Hand der Kaiserschwester Anna. Eine Porphyrogenneta, eine »purpurgeborene Prinzessin«, heiraten zu dürfen, war die höchste diplomatische Anerkennung, die Byzanz zu vergeben hatte. (Dem deutschen Kaiser Otto II. wurde in dieser Zeit die gleiche Ehre nicht zuteil. Er bekam nur eine Nichte – Theophanu.) Wladimirs Taufe wurde in Kiew mit großem Pomp inszeniert, einschließlich Zerschlagen der Götzenbilder und Massentaufe im Dnjepr.“

„Kaiser Otto II. wurde in dieser Zeit die gleiche Ehre nicht zuteil“ – „Er bekam nur eine Nichte – Theophanu“ 

Die „purpurgeborene Prinzessin“ soll sicherlich eine Anspielung auf die Farbe der Römischen Kaiser gewesen sein: Denn nur der Römische Kaiser hatte das Recht purpurne Gewänder zu tragen. Zugleich wollte sich Fürst Wladimir mit der Verheiratung mit Porphyrogenneta seine Herrschaft offiziell legitimieren lassen. Vergleichbare Ansätze lassen sich etwa zur selben Zeit auch in der Lausitz beobachten.

„Historischen Via Regia wurde zu Ehren von Kyrill und Method ein Denkmal errichtet“ 

>>Stiftung für das sorbische Volk<<

„In der Nähe der historischen Via Regia wurde zu Ehren von Kyrill und Method ein Denkmal errichtet. Die byzantinischen Gelehrten und Priester aus Thessaloniki sind die christlichen Missionare der slawischen Völker im 9. Jahrhundert. Deswegen werden die beiden auch als “Slawenapostel” bezeichnet. Der größte Verdienst der beiden Brüder liegt in der Betonung der slawischen Muttersprache und der kulturellen Eigenständigkeit der slawischen Völker.“

Kyrill und Method: „Betonung der slawischen Muttersprache und der kulturellen Eigenständigkeit der slawischen Völker“

Die by­zan­ti­ni­schen „SlawenapostelKyrill und Method versuchten ebenfalls eine kulturelle Eigenständigkeit der slawischen Völker zu erreichen. Die erste belegte Sorbische Schrift wurde in griechischen – respektive byzantinischen – Buchstaben geschrieben. In dieser Epoche haben sogar schon orthodoxe Klöster – samt Möncheexistiert. – Jene wurden später vertrieben und ihre orthodoxen Klöster niedergerissen.

 

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