Wer möchte schon freiwillig manipuliert werden? Doch dazu ist Wissen über die Manipulationstechniken eine unabdingbare Voraussetzung. Ansonsten ist man den gefühlt zahllosen Spindoktoren hoffnungslos ausgeliefert. Und die besten Manipulationstechniken hat ohnehin der Geheimdienst drauf.

Talkingpoint: „Aussagen von Geheimdienstvertretern macht klar: Sie haben sich dran gehalten“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Markige Sprüche zum Auswendiglernen – Jetzt zeigt ein internes Papier, dass die NSA ihre Mitarbeiter in der Krise nicht im Stich ließ: Sie gab ihnen „talking points“ an die Hand, mit denen sie auf die Enthüllungen reagieren sollten. Ein Blick auf die bisherigen Aussagen von Geheimdienstvertretern macht klar: Sie haben sich dran gehalten.“

Talkingpoint: „Markige Sprüche zum Auswendiglernen“

Wenngleich lassen sich diese „Talkingpoints“ auch ins Gegenteil verkehren: Durch die aktive Verwendung im Diskurs geben (noch) unbekannte Geheimdienstmitarbeiter unfreiwillig ihre Deckung auf. Im öffentlichen Diskurs tauchen sowieso immer dieselben wieder die selben einschlägig bekannten Protagonisten – wie im Orchester – mit dem gleichen Talkingpoints auf. Auf diese Weise wird der öffentliche Diskurs in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt. Aber nicht nur Geheimdienste greifen auf diese Art der Manipulation zurück.

Talkingpoint: „Klimaleugner“ – Warum das Wort nicht im Duden steht

>>Staatsfunk „Südwestrundfunk“ <<

„Die Szene der „Klimaleugner“ – Tatsächlich sind sie in Deutschland gut organisiert. Und sie nehmen Einfluss auf Politik und Wirtschaft – über wirtschaftsliberale Verbände oder in öffentlichen Anhörungen, bei denen sie in Landtagen und im Bundestag sprechen.“

Talkingpoint plus passendes Framing: „Szene der „Klimaleugner“ – Tatsächlich sind sie in Deutschland gut organisiert“

Alleine durch die Bedeutung der Sprache ließe sich der BegriffKlimaleugner“ auseinandernehmen: Es wird also geleugnet, dass es ein Klima auf der Erde geben soll und genau das sagt die Begrifflichkeit nach der Bedeutung des Dudens aus. Nicht nur die Erde, sondern sogar die Planeten Mars und Venus weisen ein Klima auf. – Auch wenn es für menschliches Leben wenig geeignet ist. Lediglich einige Monde und karge Asteroiden sind ungeschützt den harschen Bedingungen des Weltalls ausgesetzt. Daher scheint es fraglich: Ob es überhaupt auch nur einen Klimaleugner gibt. In Wirklichkeit wird hier ein Talkingpoint etabliert und dazu das passende Framing gleich mitgeliefert. Auf diese Weise wird die Definition der Begrifflichkeit „Klimaleugner“ geändert. Und wie Framing genau funktioniert: Das kann der staatliche Rundfunk gleich am besten selbst erklären.

„Das Framing-Papier der ARD zeugt von einem kruden Demokratieverständnis“

>>Handelsblatt<<

„Das Framing-Papier der ARD zeugt von einem kruden Demokratieverständnis – Der Sender hat ein Manipulationshandbuch in Auftrag gegeben, um mit Kritik umzugehen – der falsche Weg für mehr gesellschaftliche Akzeptanz. … Slogans wie „Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will“ oder „Demokratie statt Umsatz“ von einem fragwürdigen Umgang mit den Kritikern der Rundfunkgebühr.“

„Framing-Manual“ – „Der Sender hat ein Manipulationshandbuch in Auftrag gegeben“

Insbesondere bei der ganzen Diskussion rund ums Klima wird ein Detail gerne ausgeblendet: Durch CO2-Steuer oder Europäischer Grüner Deal werden steuerliche Belastung in die Höhe geschraubt und Inflation erzeugt. Auf diese Weise wird der Lebensstandard der breiten Bevölkerungsschicht massiv abgesenkt. Auf der anderen Seite kann sich der Staat über Mehreinnahmen freuen. Jeder der Kritik daran äußert: Derjenige wird dann als „Klimaleugner“ plump verunglimpft. Das MottoKontrollierte Demokratie statt jeder wie er will“ ist also durchaus wörtlich zu nehmen. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk stellt sich gerne als unabhängiges Medium hin, aber auch hier liegt ein Interessenkonflikt vor: Der Medienstaatsvertrag könnte einfach gekündigt werden, womit sie von der Finanzierung weitestgehend abgeschnitten wären. Nichtsdestotrotz lassen sich Talkingpoints in die genau andere Richtung einsetzen.

„Gute-Kita-Gesetz“ – „Wenn auf den Vertrauensverlust mit einer noch plumperen Variante von Schönsprech reagiert“

>>Die Öffentlichkeit und ihre Feinde von Bernd Stegemann (Buch) <<

„Wenn auf den Vertrauensverlust mit einer noch plumperen Variante von Schönsprech reagiert wird, indem z. B. Gesetze verschnuckelte Namen wie das »Gute-Kita-Gesetz« bekommen, stellt sich die Frage, ob Gesetzgeber und Öffentlichkeit überhaupt noch ein Interesse daran haben, eine realistische Sprache zu verwenden. Es scheint eher so, dass sich beide Seiten damit abgefunden haben, dass öffentliches Sprechen immer halbwahres Sprechen ist, weswegen immer offensichtlicher manipuliert werden darf. Diese Entwicklung passiert nicht zufällig, sondern folgt einer Theorie, die in den 1960er Jahren in den USA erfunden wurde, und seitdem immer mehr Anhänger findet. In Deutschland ist die Framing-Theorie zuletzt dadurch bekannt geworden, als sie zum Gegenstand eines Skandals wurde, der 2019 von der ARD und ihrem »Framing-Manual« ausging. Die Theorie ist einfach gebaut und geht von einigen intuitiv einleuchtenden Annahmen aus. Ihr Urheber ist der US-amerikanische Soziologe Erving Goffman, der in zahlreichen Fallbeispielen die manipulierende Macht von Sprache untersucht hat. Dabei benutzt er das Wort »Framing«, um einen Bedeutungsrahmen zu beschreiben, durch den ein Sachverhalt sprachlich gefasst wird.“

„Zahlreichen Fallbeispielen die manipulierende Macht von Sprache“

Gute-Kita-Gesetz“ – Zumindest scheint es ein recht einfaches Beispiel zu sein. Es wird die Begrifflichkeit „Gut“ eingebaut, um das dazugehörige Framing zu erleichtern. Diese Trigger-Formulierungen werden keineswegs zufällig gewählt.

„Talkingpoints, also psychologisch geplante Trigger-Formulierungen“

>>Talkingpoints oder die Sprache der Macht von Dushan Wegner (Buch) <<

„Talkingpoints, also psychologisch geplante Trigger-Formulierungen, steuern unsere emotionale Reaktion. Wir bleiben natürlich freie Menschen, insofern wir selbst es waren, die diese Reaktion haben, doch unsere Reaktion wird planbar. Wer als Politiker die emotionale Reaktion des Publikums planen will, setzt Talkingpoints ein. Im Alltag hören wir, was Menschen sagen, und reagieren dann darauf. Manchmal fragen wir uns auch, wieso wir auf eine bestimmte Weise reagiert haben. In diesem Buch wollen wir aber anders herum vorgehen. Wir betrachten wünschenswerte Reaktionen – wir nennen sie »Effekte« – und untersuchen dann, welche Art von Formulierung diesen Effekt auslöst. Zwischendurch werden wir auch immer wieder Exkurse unternehmen, etwa zur Geschichte der Talkingpoints von Sigmund Freud bis Frank Luntz, oder auch zum Verhältnis von Spin-Doktor, Talkingpoint-Entwickler und klassischem Lobbyist.“

„Die emotionale Reaktion des Publikums planen will, setzt Talkingpoints ein“

Auf alle Fälle dürften die Spin-Doktoren ganze Arbeit geleistet haben. Diese nehmen bestimmte Fakten und setzen sie zum neuen Kontext zusammen. Am Ende muss der so geschaffenen „Erzählung“ noch ein „Dreh“ – englisch „spin“ – gegeben werden. Auch die heutige Vorstellung vom „Weihnachtsmann“ wurde auf diese Weise geschaffen. Der durchaus reale Heilige Nikolaus wurde zu etwas „Neuen“ – mit leicht veränderten Eigenschaften – gemacht.

„Spins folgen einem festen Aufbau: Positive Darstellung – geringfügige Nachteile nennen – positive Darstellung“

>>Beeinflussen – Überzeugen – Manipulieren Seriöse und skrupellose Rhetorik von Heinz Ryborz (Buch) <<

„Den Spin stellt ein Thema im besonders positiven, aber auch in einem schwachen negativen Licht dar. Spins folgen einem festen Aufbau: Positive Darstellung – geringfügige Nachteile nennen – positive Darstellung. … Metaphern sind besonders in der Literatur ein häufig verwendetes Stilmittel und wir lesen Sie gern. Was ist eine Metapher? Eine Metapher ist die Verknüpfung eines Sachverhalts mit einem sprachlichen Bild. Das Bild stammt aber nicht aus dem gleichen Kontext. Die Metapher gibt zwar eine Ähnlichkeit vor, doch muss diese nicht immer gegeben sein. Dieser zusätzliche Inhalt zwischen Ähnlichkeit und Gleichem, ist die Botschaft.“

„Verknüpfung eines Sachverhalts mit einem sprachlichen Bild“ – „Das Bild stammt aber nicht aus dem gleichen Kontext“

Durch die richtigen Spin-Doktor kann ein ganz eigenes Bild der Realität erzeugt werden. Dennoch lassen sich die Öffentlich-Rechtlichen Medien andersherum lesen: Durch die gezielte Verwendung von Talkingpoints und Framing geben sie häufig mehr preis, als im eigentlichen Bericht überhaupt zu lesen ist.